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Gransee Nabu: Beschlüsse zur wolfsfreien Zone aussetzen
Lokales Oberhavel Gransee Nabu: Beschlüsse zur wolfsfreien Zone aussetzen
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18:29 14.06.2018
Vor der Gefährlichkeit der Wölfe fürchten sich Landwirte der Region.
Vor der Gefährlichkeit der Wölfe fürchten sich Landwirte der Region. Quelle: Peter Geisler
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Sonnenberg

Mit Vehemenz reagierte der Regionalverband Gransee des Naturschutzbundes (Nabu) auf die Absicht von drei Gemeinden des Amtes Gransee, das dortige Territorium zur „wolfsfreien Zone“ zu erklären (MAZ berichtete): Sonnenberg, Stechlin, Großwoltersdorf). Der Nabu-Vorsitzende Tom Kirschey sieht darin eine „ungewöhnliche Forderung“. Er deutet es so, dass Amtsdirektor Frank Stege die Anträge lanciert habe. Er sagt, dass die zugrundeliegenden Verweise auf Rechtsgrundlagen keiner Überprüfung standhalten würden und das Thema zudem andere Rechtsgrundlagen und Verordnungen berühre. „Der Vorstoß Steges gibt die Abgeordneten der Lächerlichkeit preis.“

Frank Stege sagt darauf: „Die Sache ging von Landwirten aus. Daraufhin ergriff der Sonnenberger ehrenamtliche Bürgermeister Ralf Wöller die Initiative. Es gab daraufhin Gespräche mit den anderen Bürgermeistern. Sie zogen mit. Sie brachten die Beschlussvorlage gemeinsam ein, nicht wir als Amtsverwaltung.“ Es sei außergewöhnlich, dass es eine Gemeinschaftsaktion gibt, die von den Gemeinden ausgeht. Die Bürgermeister hätten sich dabei etwas gedacht. „Ich bin nicht der treibende Keil, auch wenn ich es richtig finde, dass das Thema an die Landesregierung herangetragen wird. Ich stehe dahinter. Mit den Sätzen vom Nabu werden die ehrenamtlichen Bürgermeister und alle Abgeordneten beleidigt.“

Laut Tom Kirschey regele die Brandenburgische Wolfsverordnung den Umgang mit Fällen und auftretenden Problemen, die aus der Wiederbesiedlung mit den Wolf auftreten können. Von „wolfsfreien Gemeinden“ sei darin explizit nicht die Rede. „Stege veranstaltet eine märkische Sommerposse ohne jedwede Rechtsgrundlage und beleidigt die Intelligenz der Abgeordneten,“ so der Nabu-Chef. Der Nabu empfehle daher allen Abgeordneten, den Antrag abzusetzen und stattdessen sachlich darüber zu diskutieren, wie die Amtsverwaltung Entscheidungsvorlagen vorbereitet. Den als formalen Antragstellern fungierenden ehrenamtlichen Bürgermeistern rät der Nabu zu einer sachlichen Debatte, wie künftig ein missbräuchlicher Verweis auf die Kommunalverfassung ausgeschlossen werden kann. Für ihn ein überflüssiges Thema. Dann könne man auch über eine „fußpilzfreie Zone“ sprechen.

Für Frank Stege geht es darum, den Landwirten Beistand zu leisten. „Sie haben Bedenken, dass es perspektivisch mit den Wölfen Probleme geben könnte. Und genau dagegen wollen wir etwas tun“, so der Amtsdirektor. Mit seiner Äußerung mache sich der Nabu lustig über die Sorgen der Landwirte. Die ehrenamtlichen Bürgermeister hingegen nähmen sie ernst. Das unterstütze er. „Die ’wolfsfreie Zone’ ist eine Aufforderung an die Landesregierung. Wenn die ehrenamtlichen Bürgermeister solch einen Beschluss einreichen, dann denken sie sich auch etwas dabei.“

Von Stefan Blumberg