Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Gransee Nicht nur die Klimaanlage für Berlin
Lokales Oberhavel Gransee Nicht nur die Klimaanlage für Berlin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:42 16.04.2018
Der Landtagsabgeordnete Henryk Wichmann Quelle: Martina Burghardt
Anzeige
Gransee

Berlin diktiert und Brandenburg akzeptiert“, so fasst Henryk Wichmann seine Ansicht über den Landesentwicklungsplan zusammen, der überarbeitet wurde und 2019 in Kraft treten soll. Der Brandenburger Landtag wird sich am Mittwoch in einer aktuellen Stunde mit dem Plan beschäftigen. Grundsätzlich hält der CDU-Politiker eine gemeinsame Landesplanung für sinnvoll und versteht auch, dass Brandenburg für Berlin „klimatische Ausgleichszonen“ – also die Natur – erhalten soll. Dennoch müsse „in Maßen Wachstum ermöglicht werden“, sagt der Uckermärker, der dabei vor allem die berlinfernen Regionen im Blick hat. Stattdessen biete der Landesentwicklungsplan Restriktionen und Verbote.

Wichmann sieht dahinter eine Absicht: „Die Berliner, die es sich leisten können, sollen in der Stadt bleiben und dort ihre Steuern zahlen.“ Tatsächlich ist Wohnen in der Natur, in den kleinen Dörfern und Städten im Norden Oberhavels, beliebt. Gerade auch Familien mit Kindern, die kurz vor der Einschulung stehen, sehnen sich nach einem neuen Zuhause im Grünen. Aber nur wenige Häuser stehen leer, die Bauflächen sind knapp. So sieht das auch Olaf Bechert, CDU-Stadtverordneter in Fürstenberg/Havel und Geschäftsführer der Regionalen Entwicklungsgesellschaft in Oberhavel Nord (Regio Nord). Dies sei der Grund, weshalb die 2010 gestartete Wohnstandortoffensive für das Mittelzentrum unter dem Motto „Ick wohn beim See“ gestoppt wurde, wie Olaf Bechert erklärt.

Anzeige

„Neue Bauflächen sind limitiert, nur für die zentralen Orte wurden sie etwas angehoben“, so Henryk Wichmann. „Eine Entwicklung ist nicht erwünscht“, kommentiert er. Für ihn hat der Landesentwicklungsplan seinen Namen nicht verdient. „Wir sind eine Wachstumsregion und nicht nur die Klimaanlage für Berlin“, konstatiert er und kritisiert die dem „Landesentwicklungs-Verhinderungsplan“ zugrunde liegenden Zahlen. Die Bevölkerungsprognose, nach der die Einwohnerzahlen in Brandenburg schrumpfen, sei längst überholt. Das bekommen die Einwohner im Norden Oberhavels zu spüren, insbesondere bei der Entwicklung der Infrastruktur. „Die B 96 hätte längst ausgebaut sein, Schulschließungen verhindert werden können“, sagt er. „Wir wundern uns“, so Wichmann, „dass die Leute sich abhängt, von der ‚großen Politik’ vernachlässigt fühlen.“ Er nennt es ein „Konjunkturprogramm für die AfD, wenn wir die Interessen der Menschen ingnorieren“.

Bevor der Landesentwicklungsplan in Kraft tritt, können die Bürger ihre Meinung dazu sagen. Ob kritische Stellungnahmen, auch die der Enquete-Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“, der Henryk Wichmann angehört, in der Planung berücksichtigt werden, ist jedoch vollkommen offen. Das Parlament hat kein Mitspracherecht. „Ein großes Demokratiedefizit“, wie Henryk Wichmann findet.

Von Martina Burghardt

08.12.2017
08.12.2017