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Oberhavel Gutachten sieht Lebensgefahr in Sporthalle
Lokales Oberhavel Gutachten sieht Lebensgefahr in Sporthalle
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00:46 01.05.2018
Dicht – für immer: In Kremmen ist die alte Turnhalle neben der Goetheschule gesperrt. Quelle: Enrico Kugler
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Kremmen

Die alte Kremmener Schulsporthalle ist nun komplett und für alle gesperrt und soll abgerissen werden. Hintergrund ist offenbar ein Gutachten, das der Verwaltung vorliegt. Darin ist davon die Rede, dass in der Halle die Gefahr drohe, dass Deckenplatten herunterstürzen könnten. „Die Schadstellen sind unverzüglich zu sichern“, heißt es in dem Papier. „Derzeit besteht im unmittelbaren daran angrenzenden Hallenbereich Gefahr für Leib und Leben.“ Fast wortgleich ist das Fazit zum Thema Außenfassade. Auch dort drohen ganze Teile des Putzes heraus- und abzubrechen.

In Kremmen ist die alte Turnhalle neben der Schule gesperrt. Quelle: Enrico Kugler

Das Gutachten ist datiert auf den 22. Dezember 2017. Thematisiert worden ist es durch Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) aber erst im jüngsten Hauptausschuss in der vergangenen Woche. Eigentlich sollte es in der Diskussion nur darum gehen, ob die Halle saniert oder abgerissen werden soll. Dabei habe Busse das Gutachten erstmals erwähnt, sagte Kremmens Ortsvorsteher Eckhard Koop (parteilos) am Dienstag. „Ich wollte eine Entscheidung der Abgeordneten“, sagte dazu Sebastian Busse ebenfalls am Dienstag auf MAZ-Nachfrage. Dabei ist es aber wohl ursprünglich nicht um die sofortige Schließung gegangen, sondern um eine Grundsatzentscheidung. Dabei habe Busse erst das Gutachten erwähnt, so Koop.

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Das Schloss ist ausgetauscht worden. Quelle: Enrico Kugler

Seit fast drei Monaten ist das Gutachten in der Verwaltung bekannt – mit den zitierten Sätzen. „Ich finde das grob fahrlässig, so eine Info nicht weiter zu geben“, sagte Eckhard Koop. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben, „und da passiert drei Monate nichts. Ich finde das so unmöglich, wenn man nachdenkt, was da hätte passieren können.“ Von der versprochenen Transparenz Busses im Wahlkampf sei nichts mehr übrig, so Koop weiter. Warum der Bürgermeister das Gutachten zunächst nicht veröffentlicht hat, ist unklar. „Ich wollte die Beratung abwarten“, sagte er am Dienstag. Wieso das drei Monate gedauert hat, konnte er nicht sagen.

Entsetzen herrscht bei Heidi Sommer, der Chefin des Kremmener Sportvereins. Diverse Gruppen trainierten bis zur vorigen Woche noch in der alten Halle, sie konnten in der Stadtparkhalle nebenan untergebracht werden. „Wir können alle froh sein, dass nichts passiert ist“, sagte sie. „Wenn ich schon im Januar vom Gutachten gewusst hätte, hätte ich sofort alle Gruppen aus der Halle abgezogen.“ Auch Kitakinder haben die Halle noch genutzt. Laut Heidi Sommer werden die Vereinsmitglieder nun über mögliche rechtliche Konsequenzen nachdenken. Eckhard Koop geht davon aus, dass auch Eltern nun sicherlich genauere Erklärungen einfordern werden.

Von Robert Tiesler