Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Hautkrankheit Krätze auf dem Vormarsch
Lokales Oberhavel Hautkrankheit Krätze auf dem Vormarsch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:32 26.02.2018
Amtsarzt Christian Schulze will informieren und für die Skabies-Thematik sensibilisieren. Quelle: Juliane Weber
Anzeige
Oberhavel

Es juckt. Unerträglich. Besonders an Stellen, wo die Haut dünn ist: Fingerzwischenräume, Genitalien, Ellbogen, hinter den Ohren, Achseln, Bauchnabel. Kratzen verschafft Linderung, hilft aber nicht, wenn sich die Krätzemilbe unter der Haut eingenistet hat und ihre Eier legt. In Oberhavel – wie in der gesamten Bundesrepublik – mehren sich die Fallzahlen der parasitären Hautkrankheit Skabies (im Volksmund Krätze genannt).

2016 gab es insgesamt 169 Meldungen im Landkreis (Vergleich: 2014 waren es nur 34, 2015 schon 102), davon 86 Einzelerkrankungen. Das seien „Zufallsbefunde“, so Amtsarzt Christian Schulze, weil sie nicht meldepflichtig sind. Meldepflichtig auf Grund der Meldeverordnung und des Infektionsschutzgesetztes gingen 83 Fälle ein. Hierbei handelt es sich um „Häufungen“, sprich: wenn mehr als zwei Personen in einem nahem Umkreis betroffen sind. Meist passiert das in Einrichtungen mit vielen Menschen, die dicht aufeinander leben. Festgestellt wurden die Häufungsgeschehen in sieben Gemeinschaftseinrichtung, vier davon für Kinder und Jugendliche, zwei Senioren- und eine Pflegeeinrichtung. Laut Christian Schulze waren einige Einrichtungen mehrfach betroffen.

Anzeige

Diagnose beansprucht viel Zeit

Die ansteckende Krankheit wird per Hautkontakt übertragen. Das Vorurteil, mangelnde Hygiene sei verantwortlich, stimmt nicht ganz. Eher ein schwaches Immunsystem (bei Alten und Kindern) beflügelt die Angehörigen der Spinnentiere, sich einzunisten.

Wirklich zurück sei die Krätze aber nicht. „Dieser Lästling, der die Menschen seit Urzeiten begleitet, war nie weg“, erklärt der Amtsarzt. „Es wurde nur sehr still um ihn.“ Die Krankheit tritt in Wellen auf, alle paar Jahre. Die Ursache ist dabei oft unklar. Das klinische Erscheinungsbild habe sich aber verändert, ähnele mehr einem Hautekzem. Folge: Die Diagnose beansprucht mehr Zeit. „Es braucht einen geschulten Blick.“ Das sei Aufgabe der Hautärzte. „Und die gibt es in Oberhavel kaum noch.“

Dermatologen im Landkreis

In Oberhavel gibt es fünf Hautärzte, vier im Südkreis und nur einen im Norden.

Oranienburg: Hier hat Dr. med. Markus Alexander Friedrich seine Praxis in der Bernauer Straße 66, Dr. med. Babette Boehr in der Bernauer Straße 53.

Hennigsdorf: Dipl.-Med. Evelyn Postrach hat in der Berliner Straße 77 B ihren ärztlichen Sitz.

Birkenwerder: Abdullah Dabour ist in der Bergfelder Straße, Nummer 32 ansässig.

Zehdenick: Dr. med. Jutta Franz-Reichel praktiziert in der Berliner Straße 39.

Aufklärung mit einem Symposium

Problematisch sei auch, dass Krätze nicht einzeln erfasst wird. Es gibt keine Meldepflicht, wenn eine einzelne Person „befallen“ ist – nur auf freiwilliger Basis. „Es gibt daher sicher eine große Dunkelziffer“, so Schulze. Allerdings könnte sich das bald ändern. Noch in diesem Jahr könnte das Infektionsschutzgesetz reformiert werden, unter anderem mit dem Zusatz, dass auch einzelne Fälle von Skabies anzeigepflichtig werden.

Aufklären will Christian Schulze mit einem umfangreichen Symposium am Mittwoch, 11. Januar, im Kreistagssaal. Es richtet sich an Haus- und Hautärzte, Internisten, Pflegekräfte. „Wir haben mit dem Thema einen Nerv getroffen“, so Schulze. 70 Anmeldungen gibt es schon. Noch ist Platz. Kontakt unter FB-Gesundheit@oberhavel.de.

Von Marco Winkler

Oberhavel Zeugin alarmiert die Polizei - Quaddiebe schnell gestoppt
05.01.2017
05.01.2017
06.01.2017