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Hennigsdorf Als im Reno die „Miss Hennigsdorf“ gekürt wurde
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17:23 25.01.2019
Cornelia Heinze war 1988 die erste „Miss Hennigsdorf“. Quelle: Privat
Hennigsdorf

Es war 1988, als ihm die Idee kam: Warum nicht mal eine Miss-Wahl in Hennigsdorf veranstalten? „Wir mussten uns ja gegen die Konkurrenz der Klubhäuser vom Stahlwerk und den LEW behaupten“, sagt Klaus-Jürgen Hirte. Er war der Chef des Restaurant-Nord, im Volksmund kurz „Reno“ genannt. Und der Plan mit den Missen ging auf. Bei der ersten Wahl anno 1988 kamen so viele Leute, dass Hirte noch Stühle organisieren musste. 320 passten eigentlich rein. Wie viele es am Ende waren?

Mit Miss-Wahlen gegen die Konkurrenz von LEW und Stahlwerk

Geschenkt. Sechs schöne Frauen liefen beim ersten Mal durch den großen Veranstaltungssaal. Erst im Abendkleid, dann im Bikini. „In der dritten Runde mussten sie unter anderem Blumen binden“, erinnert sich der ehemalige Chef des „Reno“. In der Jury saßen Vertreter von Stahlwerk, LEW, HO und der Stadtverwaltung. Und die wählten Cornelia Heinze zur ersten Miss Hennigsdorf. Ihr Preis: Eine Reise ans Schwarze Meer. Auch Vertreter vom DDR-Jugendradio und der Jungen Welt waren nach Hennigsdorf gekommen, große Ereignis für DDR-Verhältnisse.

1989 gab es schon zehn Kandidatinnen, darunter drei Kubanerinnen. „Die hatten richtig Feuer“, sagt Hirte. Doch am Ende gewann Marion Strobach, heute Klavierlehrerin an der Musikschule. „Als sie im Abendkleid reinkam, ging ein Raunen durch den ganzen Saal.“

Mehr als 300 Leute passten rein

Das Restaurant Nord, am 1. Mai 1985 als Wohngebietsgaststätte eröffnet, war neben LEW- und Stahlwerkerklubhaus eines der großen Gasthäuser in Hennigsdorf. Nebenan gab es eine HO-Kaufhalle, wo sich heute der Edeka-Markt befindet. 78 Plätze gab es im Restaurant, 60 an der Bar, 110 auf der Terrasse. In den Saal passten, wie bei den Miss-Wahlen, schonmal mehr als 300 Leute, erinnert sich Klaus-Jürgen Hirte. Er war von Beginn an der Leiter des „Reno“. „Man hat das Haus gebaut, um den Leuten im Wohngebiet etwas zu bieten“, sagt der heute 70-Jährige.

Die Küche war riesig. Rund 50 Mitarbeiter gab es, die meisten arbeiteten hier. „Dort wurde auch für die Schüler der erweiterten Oberschule gekocht, rund 500 waren das“, erinnert sich Hirte an die Schule, die heute die Grundschule Nord ist. Für die Restaurantgäste wurde Kategorie C gekocht – in der DDR war das gehobene Gastronomie. „Vom Schnitzel mit Spargel bis zu Schweinslenden standen Dinge auf der Karte, die man sonst nicht überall bekommen hat.“ Der Ansturm war enorm. Manchmal war es so voll, dass sich der Restaurantleiter draußen vor die Schlange der Wartenden stellen und Gäste reinführen musste, wenn Plätze frei wurden. „Es lief einfach bombastisch, am Wochenende waren wir immer ausverkauft.“

Im Saal war immer etwas los

Und im Saal war ständig was los. Neben den Miss-Wahlen gab es Mittwochs Jugenddiscos, am Freitag solche für Erwachsene. „Und sonnabends hatten wir meistens Mottoveranstaltungen", erinnert sich der Chef. Zudem gab es ständig Betriebsveranstaltungen, Feiern von Sportvereinen oder Ordensverleihungen.

Die Wende bedeutete das Ende für das Haus. „Die HO wurde aufgelöst, wir gehörten dazu und mussten Ende 1989 schließen“, so Hirte. Über Weihnachten war noch geöffnet, Silvester hatte Hirte sein Lokal aber für immer zugeschlossen. Er wollte das „Reno“ aber unbedingt weiterführen. Doch die Treuhand habe das verhindert. „Sie haben mir gesagt, ich darf das als DDR-Bürger nicht.“ Die Kette Meyer-Beck zog stattdessen ein, Mitte der 1990er-Jahre wurde das „Reno“ endgültig abgerissen, die Kaufhalle indes blieb stehen. Heute steht dort der Netto-Markt.

Ab 1985 gab es für die Bewohner von Hennigsdorf Nord das Restaurant Nord, im Volksmund „Reno“ genannt. Hier fanden unter anderem zwei Miss-Wahlen statt.

Klaus-Jürgen Hirte fand Anstellung bei Meyer-Beck und später Steinecke, war Außendienstmitarbeiter. Heute ist er Rentner, seinem Hennigsdorf hat er die Treue gehalten. Wenn Klaus-Jürgen Hirte heute an den beiden Supermärkten, wo einst das „Reno“ stand, vorbeigeht, wird er traurig. „Es hätte auch nach der Wende eine tolle Sache werden können.“ Heute gibt es für ihn zu wenig Kultur in der Stadt. Von den großen Häusern gibt es nur noch das LEW-Klubhaus, das heute Stadtklubhaus heißt. „Viele Leute sagen mir heute noch“, sagt Klaus-Jürgen Hirte, „dass sie das Reno gerne zurückhätten.“

Von Marco Paetzel

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