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Hennigsdorf Ein Hochhaus ohne Fahrstuhl
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Ein Hochhaus ohne Fahrstuhl
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17:31 15.01.2019
Concierge Martin Dokowicz geht für die Rentnerinnen einkaufen, die wegen des kaputten Lifts nicht mehr aus dem Haus kommen.
Concierge Martin Dokowicz geht für die Rentnerinnen einkaufen, die wegen des kaputten Lifts nicht mehr aus dem Haus kommen. Quelle: Enrico Kugler
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Hennigsdorf

Ihr Weihnachtsfest war ziemlich trist. Monika Eickenhorst saß allein in ihrer 30-Quadratmeter-Wohnung, ganz oben im zehnten Stock des HWB-Hochhauses in der Stauffenbergstraße. Normalerweise freut sich die 75-Jährige jedes Jahr auf das Fest, die ganze Familie kommt immer bei ihrer Tochter in Hennigsdorf zusammen. Doch das verhinderte dieses Mal der kaputte Fahrstuhl. Seit 20. Dezember streikt die Antriebswelle in dem Lift, sie hat einen Lagerschaden. Ohne den Fahrstuhl kommt die Rentnerin nicht die Treppen herunter, sie hat Arthrose in den Gelenken. Und der Weg aus dem zehnten Stock bedeutet viele hundert Treppenstufen. Mit dem Rollator undenkbar. „Das war keine schöne Zeit. Aber es gibt ja zum Glück Fernseher und Telefon“, sagt die Rentnerin.

Vier Rentnerinnen kommen nicht mehr aus dem Haus

Rund 100 Mietparteien leben in dem nördlichsten der drei Hochhäuser, sie alle waren vom Ausfall des einzigen Fahrstuhls betroffen. Und zwar geschlagene vier Wochen. Der Fahrstuhl wird erst heute repariert, spätestens ab morgen soll er wieder benutzbar sein, erklärt Jörg Ramb von Hennigsdorfer Wohnungsbaugesellschaft (HWB). Nach einer Sanierung vor etwa fünf Jahren war das Hochhaus in Hennigsdorfs Zentrum zwar vor allem für junge Leute umgebaut worden. Dennoch wohnen auch noch ältere Menschen hier, vier Rentnerinnen mit Gehbehinderungen kamen ohne Fahrstuhl in den vergangenen Wochen gar nicht mehr aus dem Haus.

So sieht der kaputte Lift aus. Quelle: Enrico Kugler

Doch warum hat es einen Monat gedauert, bis der Fahrstuhl, Anfang der 1990er-Jahre eingebaut, repariert wurde? „Das Ersatzteil musste bestellt und geliefert werden. Außerdem wird für den Einbau besonderes Fachpersonal benötigt“, erklärt Jörg Ramb. Die Feiertage hätten vielleicht auch zu einer Verlängerung der Lieferzeit beigetragen. „Alle Faktoren führten zu der in dieser Form erstmaligen und hoffentlich einmaligen Ausfallzeit“, so Ramb. Doch der Schaden ist offenbar eine Seltenheit: „Gerade die Aufzüge an den drei Hochhäusern zeigen sich in der Ausfallstatik sehr stabil, sie sind überdurchschnittlich zuverlässig“, erklärt der HWB-Mann. Die Mieter würden sich auch untereinander helfen und die Situation mit Humor nehmen. „Insgesamt können wir uns für diese Situation nur entschuldigen und möchten uns auch ausdrücklich für das große Verständnis, die gegenseitige Unterstützung und die Geduld bedanken“, so Ramb.

Die Treppen können die Frauen nicht mehr steigen. Quelle: Enrico Kugler

Um die vier Rentnerinnen, die gar nicht aus dem Haus können, kümmert sich Martin Dokowicz, der Concierge im Haus. „Ich kaufe für die Damen ein. Wenn sie anderweitig Hilfe brauchen, erreichen Sie mich immer“, so der 34-Jährige. Seit vier Jahren steht er den Bewohnern zur Seite. Auch Monika Eickenhorst ist froh, dass sie den Concierge in den letzten Wochen hatte. „Mein Enkel hat erst eingekauft, lag aber dann mit einem Virus im Bett. Da hat Herr Dokowicz mir sehr geholfen“, so die Rentnerin. Sie ist froh, dass der Fahrstuhl nun bald wieder funktioniert, kann dann wieder ihre tägliche Runde mit dem Rollator drehen. „Das nächste Mal“, sagt Monika Eickenhorst, „muss sowas aber schneller repariert werden. Das muss die HWB hinkriegen.“

Von Marco Paetzel

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