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Hennigsdorf Gefragte Praxis in Hennigsdorf: Promis in der Röhre
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Gefragte Praxis in Hennigsdorf: Promis in der Röhre
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19:39 26.09.2019
Stephan Lücke, leitender Medizintechnischer Radiologieassistent (MTA), vor dem 1,8 Millionen Euro teuren PET-CT-Gerät. Quelle: Fotos: ENRICO KUGLER
Hennigsdorf

Es war der letzte Mittwoch im August gegen Mittag: Sechs schwarze Limousinen fahren auf dem Hennigsdorfer Havelplatz vor, Polizeigeleit inklusive. Ein hoher Staatsgast steigt aus einer der Limousinen: Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, das hat die MAZ aus sicherer Quelle erfahren, ließ sich an jenem Tag in der Praxis Schiffer untersuchen.

Silvia Schiffer hebt die Hände, verweist auf ihre ärztliche Schweigepflicht. Dazu dürfe sie nichts sagen. „Es lassen sich aber viele Prominente bei uns untersuchen, sie kommen aus der ganzen Welt“, sagt die 57-Jährige. Und warum kommen die Promis? Vor allem wegen der Diskretion. Da war Abbas wohl eine Ausnahme. „Normalerweise kommen die Leute durch die Tiefgarage und einen speziellen Eingang, wo sie nicht gesehen werden.“

2017 hat Sivlia Schiffer ihre Praxis eröffnet. Quelle: privat

Doch auch bei den Bürgern ist die Praxis sehr gefragt: Rund 200 Patienten lassen sich pro Tag untersuchen. Vorher hatte Silvia Schiffer seit 2004 eine kleine Radiologie im Hennigsdorfer Krankenhaus. Doch der Bedarf wurde immer größer: Anfang 2017 ist die Praxis Schiffer deshalb nun in die Havelpassage gezogen. Rund zehn Millionen Euro flossen in den Aufbau des neuen Standortes. 1600 Quadratmeter Platz gibt es in der ersten Etage, einst war hier die Tanzfläche einer Disco. Genug Platz zum Wachsen also für Schiffers Pläne, alles barrierefrei erreichbar.

Acht Ärzte, 40 Mitarbeiter

Zunächst wurde die Radiologie – mit MRT, CT, Röntgen oder Ultraschall – eröffnet, vor gut einem Jahr wurde dann die Nuklearmedizin eröffnet. Acht Ärzte und etwa 40 Mitarbeiter gibt es heute am Hennigsdorfer Standort, der außerdem auch eine Allgemeinmedizin bietet.

Vor allem Leiden am Bewegungsapparat würden immer mehr zunehmen, erklärt Silvia Schiffer. Es gebe aber generell ein Problem: „Der Berliner geht relativ schnell zum Arzt, der Brandenburger geht leider eher, wenn es schon zu spät ist. Das fällt uns zunehmend auf.“ Warum? Da kann die Radiologin nur mutmaßen. „Die Leute sind hier anders sozialisiert. Man denkt eben, Wehwehchen gehen schon wieder weg.“ Lange müssten Patienten auf einen Termin nicht warten: „Die Untersuchung von Knie oder Schulter geht etwa innerhalb einer Woche.“ Das liege vor allem an den langen Öffnungszeiten, mehreren Schichten und der hohen Zahl an Mitarbeitern.

Die Ergebnisse aus dem PET-CT sind millimetergenau. Quelle: ENRICO KUGLER

Radiologische Aufnahmen werden bei Schiffer mit modernster Technik erstellt, für eine hohe Qualität der Bilder zur Feindiagnostik und eine möglichst geringe Strahlenbelastung.

1,8 Millionen Euro kostete das Prunkstück der Praxis

Das Prunkstück steht in einem großen Raum im hinteren Teil der Praxis. Eine riesige weiß-gelbe Röhre, in die sich Patienten auf einer Liege schieben lassen. Es ist ein sogenanntes PET-CT, lang: Positronenemissionstomographie-Computertomographie. Vor der Untersuchung in der Röhre müssen Patienten radioaktiven Traubenzucker schlucken. Tumorzellen, Metastasen, Entzündungen – alles Bösartige habe einen erhöhten Stoffwechsel und verbrauche mehr Energie, die Traubenzucker normalerweise liefere. „Dieser manipulierte Traubenzucker bleibt aber quasi in den bösen Zellen stecken. Dadurch, dass er radioaktiv manipuliert ist, kann man sehen, wo er sich befindet“, erklärt Stephan Lücke, leitender Medizintechnischer Radiologieassistent (MTA).

Auch ein Gerät für Schilddrüsen-Untersuchungen gibt es. Quelle: ENRICO KUGLER

Mit dem Spezialgerät, rund 1,8 Millionen Euro teuer, könne man nahezu alle Körperregionen auf Krebs untersuchen. Das Gerät – Philipps Gemini TF 64 – sei für Menschen bis 1,93 Meter Körperlänge ausgelegt. Bei Dirk Nowitzki etwa, flachst Lücke, müsse man eben oben und unten etwas drücken. Vor ein paar Jahren habe es ein Upgrade gegeben. „Das hat dafür gesorgt, dass die Bilder noch mal schärfer wurden und man zwei Millimeter große Herde gesehen hat“, so Lücke. Auf das PET-CT ist seine Chefin Silvia Schiffer stolz. „Wir sind die einzige niedergelassene Praxis im Land Brandenburg, die ein solches Gerät hat.“ Ansonsten stünden solche Geräte nur in Krankenhäusern oder Unikliniken bereit.

Weitere Investitionen in verschiedene Untersuchungen und Therapien sind am Standort geplant. Was genau, darüber kann Silvia Schiffer noch nicht sprechen.

Von Marco Paetzel

Monika Werner (81) war von 1974 bis zur Wende Hennigsdorfs Bürgermeisterin. Mit der MAZ spricht sie über darüber, wie sie ins Amt kam, woran es der Stadt am meisten fehlte und wie sie die Mittel für den Stadtbad-Bau zusammenbekommen hat.

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