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Hennigsdorf Schüler auf den Spuren der Grenzer
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Schüler auf den Spuren der Grenzer
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16:38 14.08.2019
Durchs Fernrohr kann man hunderte Meter weit auf das Wasser blicken. Quelle: ENRICO KUGLER
Nieder Neuendorf

Er steht dort, wo einst der Grenzstreifen verlief, und blickt hoch zum Turm. „Er wirkt extrem kalt auf mich, ein rein funktioneller Bau“, sagt Jonas Höpfner. Der 19-jährige Schüler des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums war mit rund 40 Mitschülern am Mittwochmorgen auf dem Mauerweg entlang bis zum Grenzturm gelaufen. Das Gefühl, auf dem ehemaligen Grenzstreifen zu stehen, sei schon merkwürdig. „Ich war hier schon ein paarmal, aber noch nie oben im Turm“, sagt der Teenager. Er findet es wichtig, die Geschichte aufzuarbeiten. „Sowas darf sich nicht wiederholen, niemals!“

Klaus Hübner (l.) und Bernd Wendlandt führten die Schüler durch den Grenzturm. Quelle: Enrico Kugler

Und dann klettert Jonas Höpfner, wie seine Mitschüler auch, die steilen Treppen des Turmes am Platz der Maueropfer hoch. Organisiert hatte den Ausflug Kunstlehrerin Doris Janisch und die Künstlerin Annett Pollack-Mohr. „Das ist quasi der Endspurt unseres Projektes“, sagt Janisch.

Eine Zeitreise in die DDR

Mit den Schülern haben sich die Frauen anlässlich des Mauerfall-Jubiläums auf eine Zeitreise begeben, Resultat ist die Wanderausstellung „30 Jahre Mauerfall. Spurensuche & Identifikation“. Im Bürgerhaus „Alte Feuerwache“ werden für die Ausstellung fünf etwa zwei Meter hohe Mauerteile aus Styropor aufgestellt. Eröffnet wird sie am 13. September um 18 Uhr. Auf beiden Seiten dieser Mauerteile sollen Geschichten aus dem Leben von Zeitzeugen – die Schüler interviewt haben – erzählt werden, je nach Perspektive aus Ost und West. Lehrerin Doris Janisch ist mehr als zufrieden mit dem Engagement der Schüler. „Durch das Projekt haben wir ihr Interesse an der Geschichte geweckt, viele der Schüler haben sich auch intensiv mit ihren Eltern über die DDR-Zeit unterhalten“, sagt Doris Janisch am Fuße des Grenzturms.

Bei 12 Grad minus über die Havel in den Westen

Auch die Kirchengemeinde in Nieder Neuendorf beschäftigt sich in diesen Tagen mit dem Thema Mauer, allerdings aus einer anderen Perspektive: Am Mittwoch waren für ein Auftaktgespräch die Mauerflüchtlinge Heinz-Georg Ziegler und Karlheinz Kohl zu Gast im Gemeindehaus der Kirche. Am Freitag, 27. September, werden sie auf Spurensuche in Nieder Neuendorf gehen, den Ort ihrer Flucht mit interessierten Besuchern besichtigen.

OSZ-Schüler besichtigten den Grenzturm in Nieder Neuendorf Quelle: ENRICO KUGLER

Im Januar 1963 waren die Männer, die im Lehrlingswohnheim im Schloss Nieder Neuendorf wohnten, über den Grenze geflohen. Das Thermometer stand bei 12 Grad Minus, dennoch brachen die Männer auf dem Wasser ein, schafften aber die Flucht nach Heiligensee mit viel Glück. Unter anderem werden die beiden von den Grenzsoldaten erzählen, und wie sie die Flucht mit einer Leiter schafften, die sie an der Kirche deponiert hatten.

Eingeladen sind zur Spurensuche alle Interessierten, Jung wie Alt. „Wir haben 30 Jahre Mauerfall-Jubiläum, und die Kirche hat im Grenzbereich gelegen. Das gehört einfach zu unserer Geschichte“, erklärt Iris Tentscher von der Kirchengemeinde, die Veranstaltung organisiert. Neben dem Rundgang – unter anderem an Grenzturm, dem Platz das abgerissenen Schlosses oder der Kirche – gibt es im Anschluss ein Treffen mit den Männern im Garten der Generationen am Gemeindehaus, Gespräche sind dort willkommen. Es wird auch eine kleine Ausstellung mit Stellwänden zum Thema Mauer geben, kündigt Iris Tentscher an.

Von Marco Paetzel

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