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Hennigsdorf Hennigsdorfs DDR-Bürgermeisterin Monika Werner: „Wir hatten Geld, aber kein Material“
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17:43 25.09.2019
Hennigsdorfs Alt-Bürgermeisterin Monika Werner war auch Volkskammer-Abgeordnete und Mitglied des Staatsrates der DDR. Quelle: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Und dann sackte plötzlich der Asphalt ab, ein Graben zog sich hunderte Meter lang durch die Fontanestraße. Kein Wunder: Die Heizleitungen waren beim Straßenbau zu DDR-Zeiten auf Sand verlegt worden. „Keiner wusste aber damals, dass Hennigsdorf eine Fließsandbewegung hatte. Deshalb brachen die Straßen ein“, erinnert sich Monika Werner an die Havarie in den 1970er-Jahren. Also musste Beton rein, neue Rohre drauf – und die Straße zugeflickt werden. Zu DDR-Zeiten ein Kraftakt. „Wir hatten Geld, aber kein Material. Heute haben sie Material, aber kein Geld“, sagt Monika Werner und lächelt.

Das kann sie mittlerweile. Die Zeit ihrer Bürgermeisterschaft im Alten Rathaus liegt gut drei Jahrzehnte zurück. Von 1974 bis zur Wende lenkte sie die Geschicke der Stadt. Soweit das in der DDR eben möglich war. „Ich wurde auf die Messe nach Leipzig zum LEW-Generaldirektor Horst Müller bestellt. Er sagte, es gibt keine Diskussion, was Urlaub oder Gehalt angeht“, erinnert sich die heute 81-Jährige. Anno 1962 war die gebürtige Markranstädterin nach Hennigsdorf gekommen, hatte sich in den LEW ihre Meriten verdient – unter anderem als Direktorin für Arbeiterversorgung.

Der Bau der Fontaneschule war ihr Verdienst

Forderungen hatte die junge Frau aber dennoch an den resoluten Generaldirektor, bevor sie ihr Amt antrat: Monika Werner wollte qualifizierte Kader aus der Betrieben, um den Rat der Stadt – also die Abteilungsleiter der einzelnen Bereiche – zusammenstellen zu können. Denn es habe viel zu tun gegeben in Hennigsdorf. „Wir brauchten dringend Wohnungen, die vorhandenen mussten auch modernisiert werden. Es fehlten auch Schulen und Kindergärten“, so die Diplomwirtschaftlerin. Eine ihrer ersten Amtshandlungen war der Bau der heutigen Fontaneschule, damals „Werner-Lamberz-Schule“. Den Namensgeber, Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED, bat sie um den Bau.

Den MAZ-Text zum Schwimmhallenbau hat Monika Werner aufgehoben. Quelle: Enrico Kugler

Das damals größte Projekt war aber der Bau der Schwimmhalle in Hennigsdorf-Nord, den Monika Werner mit den Generaldirektoren der Betriebe beschloss. Es sei ein „Schwarzweiß-Bau“ – also etwas semi-legal – gewesen: „Wir haben nirgendwo offiziell Geld dafür bekommen, deshalb mussten wir Mittel der Betriebe aus den Prämien oder dem Leistungsfonds ansparen“, sagt Monika Werner. Auf das Konto für den Bau gingen auch Preisgelder von städtischen Wettbewerben – wie „Schöner unsere Städte und Gemeinden“. „Da haben wir uns richtig Mühe gegeben, wir brauchten ja das Geld für das Bad“, so Monika Werner. Geplant wurde der Bau des Bades im Stahlwerk. Nach einer Bauzeit von dreieinhalb Jahren wurde die Schwimmhalle am 4.Oktober 1980 eingeweiht – für 5,7 Millionen Mark. Und Monika Werner ließ sich den Kopfsprung ins große Schwimmbecken vor den Augen der vielen Ehrengäste nicht nehmen.

Die Plattenbauten in Nord wurden gebaut

Pausengespräch während der Bürgermeisterkonferenz mit Ulrich Schllaak(2.v.l.) Herbert Tzschoppe (5.v.l.) und den Bürgermeistern Gerd Zastrow(Gransee), Manfred Graulich(Teltow), Monika Werner(Hennigsdorf), Wolfgang Schwartz(Zechlinerhütte) und Klaus Siwinski(Pritzwalk) (v.l.n.r.). Quelle: MAZ/Wolfgang Mallwitz

Die Wende erlebte Monika Werner nach einer OP im Krankenhaus. „Das war ein Versprecher von Schabowski, so war das nicht geplant“, sagt sie zur legendären Pressekonferenz des SED-Politbüromitglieds am 9. November 1989. Danach trat Werner nicht mehr zur Bürgermeisterwahl an – ihr Nachfolger wurde Andreas Schulz (SPD). Der Rest ist Geschichte.

Für eine modernere DDR

Die SED-Frau sei niemals eine Widerstandskämpferin gewesen. „Ich habe versucht, die DDR zu unterstützen und die verkrusteten Strukturen aufzulösen. Ich wollte eine modernere DDR ohne dieses Starre, Parteibestimmende.“ Sie habe nie Unterschiede zwischen Parteien gemacht. „Für die Finanzen war Kurt Finke von der CDU zuständig. Der hat eine tolle Arbeit gemacht.“ Ob sie sich freie Wahlen gewünscht hätte? „Das ist schwer zu beantworten. Es gab viele Vorteile in der DDR. Jeder hatte seine Bildung, jeder konnte arbeiten“, antwortet sie. Und die Toten an der Mauer? Es sei schwer, Fragen in dieser Hinsicht zu beantworten. „Ich kannte die Grenztruppen in Hennigsdorf. Es war schwer für sie, Entscheidungen für das Land und gegen das Gewissen zu treffen. Das ist nicht einfach.“

Nach der Wende machte sie sich selbstständig

Nach der Wende trat das SED-Mitglied nicht mehr in die PDS ein, um den Jüngeren Platz zu machen. Monika Werner half aber noch dabei, das Gewerbeamt im Rathaus aufzubauen. Dann machte sie sich selbstständig, hatte einen Lohnsteuerhilfeverein und arbeitete im Immobilienbereich. Vor zwei Jahren ging sie in den Ruhestand. Heute hat Monika Werner auch so genug zu tun – sie hat zwei Kinder, vier Enkel, zwei Urenkel.

Auf ihre Stadt ist Monika Werner heute stolz, Hennigsdorf habe sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. „Sie hat eine gute Entwicklung für die Kinder und die Älteren genommen.“ Der Bau des neuen Stadtbades sei richtig, nur dürfe sich die Verwaltung nicht mit den Kosten übernehmen. Wünschen würde sich die Alt-Bürgermeisterin für die Zukunft vor allem bezahlbaren Wohnraum. Kontakt zu alten Kollegen im Rathaus hat sie noch. Mit ihrem Nachfolger Andreas Schulz sei sie indes nie warm geworden. „Mit seinem Nachfolger Herrn Günther wiederum verstehe ich mich aber ganz gut.“

Von Marco Paetzel

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