Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther: „Es wird sich eine Menge tun“
Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Hennigsdorf Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther: „Es wird sich eine Menge tun“
Lokales Oberhavel Hennigsdorf

Hennigsdorfs Bürgermeister Thomas Günther: „Es wird sich eine Menge tun“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:48 14.02.2021
Thomas Günther ist seit Anfang 2018 Hennigsdorfs Bürgermeister. Oft arbeitet er im Stehen.
Thomas Günther ist seit Anfang 2018 Hennigsdorfs Bürgermeister. Oft arbeitet er im Stehen. Quelle: Marco Paetzel
Anzeige
Hennigsdorf

Bürgermeister Thomas Günther (53) hat mit seiner Stadtverwaltung das erste Jahr in der Corona-Pandemie gemeistert. Er spricht über die Projekte für 2021, die Zukunft der Stadtwerke und natürlich das Leben mit dem Virus.

Herr Günther, lassen Sie uns zunächst auf die großen Bauprojekte für dieses Jahr schauen.

Thomas Günther: Da wird sich eine Menge tun, denn wir haben einen riesigen Investitionshaushalt. Wenn wir alle Fördermittel bekommen, würden wir in diesem Jahr rund 30 Millionen Euro investieren. Die größte Baustelle ist natürlich das Doppelprojekt Kreativwerk und neues Stadtbad auf dem Gelände des Alten Gymnasiums. Dann wird es in den nächsten Wochen mit dem Ausbau der Stadtsporthalle losgehen, da wollen wir bis Ende des Jahres fertig werden. Auch die Arbeiten in der Fontane- und der Friedrich-Wolf-Straße sollen spätestens in der zweiten Jahreshälfte losgehen. Zudem wachsen die neuen Häuser im Albert-Schweitzer-Quartier, dort werden bald die ersten Mieter einziehen können. Baustellen sind grundsätzlich etwas Gutes, aber auch immer mit Einschränkungen verbunden. Da kann ich die betroffenen Hennigsdorferinnen und Hennigsdorfer nur um Verständnis bitten.

Wie steht es um die angesprochene Großbaustelle für Stadtbad und Kreativwerk?

Da gibt es positive Nachrichten: Sowohl das Kreativwerk als auch das Stadtbad sind im Zeit- und im Kostenplan. Für das Stadtbad haben wir im Januar endgültig die Baugenehmigung bekommen, im Februar ist hier Baustart. Auch die großen Ausschreibungen sind durch, dort liegen wir ebenfalls im Kostenplan. Besonders die Unternehmen, die beim Kreativwerk den Zuschlag bekommen haben, stammen zu einem großen Teil aus der Region – das ist positiv. Das Ziel ist auch weiterhin, dass die Hennigsdorfer ab September 2023 im neuen Bad schwimmen können.

Wie ist die Situation in Schulen und Kitas in der Pandemie?

Bei den Schulen hat es sich im Lockdown bewährt, dass wir in den vergangenen Jahren in die digitale Ausstattung investiert haben. Was leider noch nicht da ist, sind die Laptops und iPads für sozialschwache Schülerinnen und Schüler. Das war schon seit Mitte November beauftragt und kommt nun hoffentlich schnell. Die Situation in den Kitas liegt bei 50 Prozent Belegung, das ist immer noch eine hohe Belastung für die Erzieherinnen und Erzieher vor Ort. Wir wollen da gegensteuern mit der Einteilung in Kooperationsbereiche und der Verteilung von FFP2-Masken an das Personal. Aber wir haben dort jahreszeitlich bedingt nach wie vor einen hohen Krankenstand. Und wir wollen noch mehr Anreize für Eltern schaffen, ihre Kinder zuhause zu lassen, und werden die Kitabeträge ab Dezember – auf den Tag genau gerechnet – zurückerstatten.

Wie sieht die Situation in der Verwaltung aus?

Wir haben ja schon nach der ersten Welle seit Mai einen internen Stufenplan entsprechend der Infektionszahlen aufgestellt. Es gab ja eine Phase, wo das Rathaus offen war – nun haben wir die höchste Stufe, wo es nur noch einen Notbetrieb gibt. Im Haus befolgen wir natürlich alle Regeln – von Desinfektionsmitteln über FFP2-Masken bis hin zu Abtrennungen im öffentlichen Bereich, wenn Besucher kommen. Möglichst sollten auch nur einzelne Leute in den Büros sitzen. Auch Dienstberatungen werden via Webkonferenzen gemacht. Die technischen Voraussetzungen für Homeoffice haben wir auch geschaffen: von den 90 Prozent der Kollegen, die die Arbeit im Homeoffice beantragt haben, arbeiten immer etwa 40 Prozent im Wechsel zuhause. Dennoch haben auch wir einzelne Fälle von Corona-Infektionen in der Verwaltung gehabt.

Ende Januar hat Alstom die Fusion mit Bombardier perfekt gemacht. Was ist Ihr Wunsch für das Hennigsdorfer Werk?

Es ist erstmal ein positives Zeichen, dass der neue Eigentümer sich hier bei uns in der Verwaltung telefonisch gemeldet und uns immer auf dem Laufenden gehalten hat. Mein guter Eindruck ist, dass es durchaus Interesse am Standort gibt. Aus der Erfahrung der Vergangenheit wäre es aber dennoch sehr ratsam, wenn alle Beteiligten zunächst skeptisch blieben. Es wäre gut, wenn es von Seiten Alstoms bald Klarheit für die Beschäftigten zu zentralen Fragen geben würde: Wie viel Engineering, Produktion und Wartung wird es am Hennigsdorfer Standort künftig geben? Einige sagen ja, Alstom sei die letzte Chance für das Werk. Da könnte etwas dran sein.

Herr Günther, wie sieht die Lage der hiesigen Unternehmen generell aus, auch mit Bezug auf die so wichtige Gewerbesteuer?

Ich habe den Eindruck, die Lage bei den Unternehmen ist doch sehr unterschiedlich. Es gibt solche, die schnell nach der ersten Welle wieder Tritt gefasst haben, das sind vor allem die großen Unternehmen. Die kleineren haben es aber natürlich besonders schwer. In Zahlen für die Gewerbesteuer lässt sich das aber derzeit noch nicht ausdrücken. Wichtig war, dass das Land uns unterstützt hat – und das auch weiterhin tun wird. 2020 wurden 100 Prozent der kalkulierten Gewerbesteuer übernommen, auch in diesem Jahr werden es 75 Prozent sein. Wir sind als Stadt sehr stark abhängig von der Gewerbesteuer, sonst könnten wir all die geplanten Investitionen nicht stemmen.

In Zeiten der Pandemie ist ja noch unklar, wie der Veranstaltungskalender aussehen wird. Wie plant die Verwaltung?

Wir bereiten zumindest die großen Events wie die Festmeile oder den Weihnachtsmarkt vor, die Kollegen im Veranstaltungsbereich sind da schon längst in der Planung. Aber ich will nicht die Glaskugel aus dem Schrank holen. Eine Prognose, was stattfinden kann, will ich nicht abgeben. Fakt ist, dass das kulturelle Leben – Veranstaltungen, Konzerte oder Treffen – natürlich in der Stadt sehr fehlt. Wir können nun voraussichtlich erst zwei bis drei Monate vorher sagen, was sich durchführen lässt und was ausfallen muss. Ein Event wie das Stadtfest, wo unkontrollierbar viele Menschen aus allen Himmelsrichtungen zusammenströmen, darf kein Infektionsherd werden. Wir wissen einfach noch nicht, was kommt – speziell mit Hinblick auf die Mutationen des Coronavirus’.

Kommen wir noch zum Führungswechsel bei den Stadtwerken. Christoph Schneider übernahm dort Anfang des Jahres für Thomas Bethke. Warum war das nötig?

Das ist ein Blick zurück, den ich nicht mehr mache. Es geht nicht primär um die Personen, sondern um die Stadt und ihre städtischen Beteiligungen. Wichtig ist, dass es nach so einem notwendigen Wechsel nun schnell vorwärts geht, der Neue sich rasch einfindet und auch Unterstützung bekommt. Ich habe schon den Eindruck, dass Herr Schneider ein Team geformt hat, das gut zusammenarbeitet. Das funktioniert alles schon sehr gut.

Von Marco Paetzel