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Oberhavel Herz für Kinder, Auge für den Müll, Händchen fürs Basteln
Lokales Oberhavel Herz für Kinder, Auge für den Müll, Händchen fürs Basteln
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15:52 25.08.2017
Ursula Kegel wurde für ihr Engagement geehrt. Quelle: FOTO: Stefan Blumberg
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Neuendorf

„Da gibt es doch ganz andere.“ Das sagte Ursula Kegel zu ihrem Neuendorfer Ortsvorsteher Werner Schulz, als sie von der Ehrung für sich hörte. Da ist der Ortschef aber ganz anderer Meinung. Und nicht nur er. Familie Pannicke zum Beispiel, die Schräg-gegenüber-Nachbarn. Sie haben regelmäßig mit Ursula Kegel und ihrem Mann Kurt zu tun. Vor allem durch die Kinder – im Haus Pannicke werden bindungsgestörte Kinder betreut – entstand ein guter Draht. Seit Bestehen der Einrichtung beschäftigt sich Ursula Kegel regelmäßig mit ihnen. Sie lädt die Kinder ein, bastelt mit ihnen, fertigt Gestecke und Blumensträuße, macht ihnen Geschenke zu Geburtstagen und Weihnachten, hat immer ein offenes Ohr, eine Schmalzstulle oder Gummibärchen für sie. „Auch andere Kinder kommen regelmäßig zu uns, sogar Halbwüchsige sind dabei“, sagt die 71-Jährige. „Ich weiß nicht, warum!“Aber sie findet es schön; auch, dass überhaupt so viele Kinder im Dorf wohnen. Ihr Hang zum Basteln kommt ganz offensichtlich von ihrer früheren Tätigkeit als Blumenhändlerin in Glienicke (Blumenhaus Kegel). Dieses Talent lebt im Ruhestand weiter. „Manchmal kommen Kinder und sagen, dass sie kein Geburtstagsgeschenk für ihre Eltern haben. Dann machen wir eins.“ Etabliert hat sich das Basteln für die Adventszeit – mit den Kindern und der Frauengruppe des Ortes, zu deren Mitinitiatoren sie vor fünf Jahren gehörte. „An solchen Tagen packe ich die Bastelsachen in die Schubkarre – und los geht es ins Gemeindehaus.“ Äpfel ausstechen für eine Kerze, Kartoffeldruck, Kränze binden, Tannensträußchen – solche Dinge zaubern die Frauen herbei. „Das kommt von unserem kreativen Beruf“, sagt Kurt Kegel.

Ursula Kegel steckte den Nachwuchs des Dorfes nicht nur mit den Basteleien an. Auch in Sachen Sauberkeit bringt sie die Kinder auf ihre Fährte. Dreck und Müll, den sie sieht, sammelt sie auf. Mitunter sind die Kinder im Schlepptau. Sie achteten verstärkt auf Müll und sammelten ihn ein, war von Familie Pannicke zu hören. Das betrifft die Straßengräben außerhalb des Ortskerns. Aber auch den Wald. „Wenn wir Pilze suchen und keine finden, dann hat sie immer eine Tüte für den Müll dabei“, sagt ihr Mann aus Erfahrung. Auch einige Erwachsene haben sich der Sache verschrieben. „Es stört mich einfach, wenn der Müll umherliegt“, so Ursula Kegel. Inzwischen gibt es Müllsammelaktionen im Ort: am Friedhof, auf dem Spielplatz, beim Findling oder an den Straßenrändern am Wald – Neuendorf ist ein sauberes Dorf.

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Vor 13 Jahren zogen Ursula und Kurt Kegel von Glienicke nach Neuendorf. Dort fanden sie ihr kleines Paradies im Tannenweg. Sie gestalteten ihr Grundstück nach eigenem (farblichen) Geschmack: Grün, Grün, Grün. Pflanzen, wohin man sieht. Das Ehepaar ist schnell heimisch geworden, hat einen guten Kontakt zu den Einwohnern, ist mittendrin im dörflichen Leben und prägt es mit. Bei Ursula Kegel kommt noch ihr Engagement in der Frauengruppe dazu. Die trifft sich zwar nicht regelmäßig, aber dann, wenn es drauf ankommt: Zu den Festen im Dorf. Da sind ihre Ideen einmal mehr gefragt. Dafür gab es die Ehrung von der Gemeinde Löwenberger Land. Ihre Ehrentafel hängt im Verwaltungsgebäude.

Von Stefan Blumberg