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Hohen Neuendorf Auf der Suche nach der Superbiene
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00:24 11.02.2019
Kaspar Bienefeld war der Projektkoordinator für das Forschungsprojekt „SmartBees“. Quelle:  
Hohen Neuendorf

Kaspar Bienefeld ist sichtlich zufrieden. Er und seine Mitarbeiter vom Länderinstitut für Bienenkunde konnten einen wesentlichen Beitrag gegen das Bienensterben leisten. Kürzlich endete das mit einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro bislang größte EU-Forschungsprojekt, das auf eine erhöhte Nachhaltigkeit der Imkerei abzielte. Titel: SmartBees.

Der Name ist Programm – wie beim Bienenprofessor selbst. Im Projekt ging es darum, jene „schlauen“ Bienen zu finden und genetisch zu identifizieren, die ihren Erzfeind – die Varroa-Milbe – in den Brutzellen erkennen und aktiv bekämpfen. „Der Geruchssinn spielt dabei eine wesentliche Rolle“, sagt Bienefeld.

Fred Zautke hat die Bienen einzeln markiert und so identifizierbar gemacht. Nur so konnte das Verhalten eines bestimmten Individuums beobachtet und genetischen Eigenschaften zugeordnet werden. Quelle: Enrico Kugler

Vier Jahre lang hatten Imkerinnen und Imker, Unternehmen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mindestens 15 EU-Mitgliedländern und angrenzenden Gebieten daran gearbeitet, die Bedrohungen für Honigbienen auf unserem Kontinent besser zu verstehen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln und gleichzeitig die genetische Vielfalt der Honigbiene zu schützen.

Screenshot aus einer der jeweils 14 TByte umfassenden hochauflösenden Infrarot Videoaufnahmen. Die Biene 68 hat gerade eine Varroa-parasitierte Brutzelle geöffnet. Quelle: Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf

  

Die Verschiedenartigkeit der europäischen Bienen sei ein Reichtum, der die Grundlage dafür bietet, sich an Bedrohungen wie den Klimawandel oder neu eingeschleppte Krankheiten anzupassen. Erstes Ziel des Projekts war, die verbliebene Vielfalt zu ermitteln. Dazu wurden Proben aus mehr als 2200 Völkern aller zehn auf dem Kontinent vertretenen Bienen-Subspezies analysiert. Die gute Nachricht: alle sind zumindest in Resten noch vorhanden. Außerdem können sie nun über einen DNA-Chip leicht und billig bestimmt werden, sodass Imker, sich der Herkunft und der Eigenschaften ihrer Bienen vergewissern können, erläutert der Institutsdirektor.

Michael Paulus (18) absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Hohen Neuendorfer Bieneninstitut und wird dabei von Fred Zautke betreut. Quelle: Enrico Kugler

Der Reichtum der Honigbienen-Vielfalt könne aber nur bewahrt werden, wenn Imker bereit sind, die lokal angepassten Bienen zu halten. Hierzu habe SmartBees ein Netzwerk von Interessierten in mehr als zehn Ländern aufgebaut, das über die Projektdauer hinaus nachwirke. Diese seien intensiv in modernen Zuchtmethoden geschult worden. Umfangreiches Informationsmaterial wurde erstellt, in 15 Sprachen übersetzt und an lokale Gegebenheiten angepasst, so Bienefeld. Erstmals seien nun auch Züchter aller europäischen Unterarten in der Lage, über die zentrale Zuchtdatenbank beebreed.eu eine effiziente Zuchtplanung zu betreiben. Die beteiligten Züchterinnen und Züchter gründeten kürzlich das „International Honey Bee Breeding Network“ (Internationalen Netzwerk zur Bienenzucht), um die Erfolge von SmartBees in die Zukunft zu tragen.

„Ein weiteres wichtiges Ziel des Projektes war, die wichtigste Ursache für Verluste an Bienenvölkern besser zu verstehen und durch Selektion resistenter Bienen einzudämmen“, sagt Kaspar Bienefeld. Im Fadenkreuz steht als Ergebnis die Varroa-Milbe, ein eingeschleppter Parasit der Bienenbrut, der gefährliche Viren überträgt und begünstigt. Projektpartner aus Großbritannien hätten nun zeigen können, dass Stoffe im Speichel der Milben dazu beitragen, das Immunsystem der Bienen zu schwächen und so das Vermehren der Viren zu ermöglichen. Weiterhin konnte gezeigt werden, wie sich verschiedene Varianten des Virus in ihrer Gefährlichkeit unterscheiden, und wie sich ihre Häufigkeit beim Übertritt von der Milbe auf die Biene verändert.

Die Mathematiker Andreas Hoppe und Manuel Plathe (v.l.) steuerten wichtige Berechnungen für das Projekt bei. Sie haben zum Beispiel 100 Jahre im Voraus simuliert, wie die Bienenzucht optimiert werden kann. Quelle: Enrico Kugler

Um Bienen zu züchten, die mit der Varroa-Milbe fertig werden, haben die Hohen Neuendorfer Forscher das wichtigste bekannte Resistenzmerkmal – das Erkennen und Ausräumen befallener Brutzellen – bei mehr als 100 000 einzeln markierten Bienen mit Infrarot Videoanalysen studiert. Dänische Partner haben daraus die für das Verhalten zuständigen Genabschnitte identifiziert, deren Ausprägung nun ebenfalls bald durch einen kostengünstigen DNA-Chip in Erfahrung gebracht werden kann, sagt Kaspar Bienefeld und betont: „Das SmartBees-Projekt hat nicht nur wertvolle neue Erkenntnisse gebracht, die die Bienenhaltung in Europa nachhaltig positiv beeinflussen werden. SmartBees ist auch ein gutes Beispiel dafür, welche Synergieeffekte Europäische Forschungskooperation erbringen kann.“

26 Forschungsprojekte bearbeiten die Mitarbeiter des Instituts. Das neueste beginnt noch in diesem Monat und hat zum Ziel, erstmals eingefrorenes Bienensperma in die Kryobank des Bundes aufzunehmen. „Die Technik, das Sammeln der Proben und die Vertragsangelegenheiten übernehmen wir“, sagt Kaspar Bienefeld stolz.

Von Helge Treichel

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