Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Hohen Neuendorf Bauschutt im Bergfelder Forst – illegale Müllentsorgung nimmt zu
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Bauschutt im Bergfelder Forst – illegale Müllentsorgung nimmt zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:23 21.05.2019
Diesen Müllberg entsorgten Unbekannte im Wald bei Bergfelde. Quelle: Privat
Bergfelde

Die Berlinern Caro Huemke liebt Ausritte mit ihrem Wallach Gitano, der in einem Stall in Bergfelde steht. Vorzugsweise von der Mühlenbecker Straße Richtung Heideplan und von dort aus in den Wald ist sie unterwegs. „Ich reite fast täglich aus. Leider haben wir hier nicht viele tolle Strecken, um zu traben oder galoppieren. Das ist die einzige Strecke zum Durchgaloppieren“, erzählt die 58-jährige.

Am Sonnabend war sie mit Gitano auf ihrer Lieblingsstrecke im Wald unterwegs, als der Wallach plötzlich scheute. „Er ist sehr aufmerksam“, berichtet sie. Zudem war das Tier sehr aufgeregt. Der Grund? Ein großer Berg Bauschutt. Grüne Kübel mit Müll und schwarze Müllsäcke hatten das Tier erschreckt. „Gott sei Dank konnte ich durchparieren“, ist Caro Huemke noch immer erleichtert, ärgert sich jedoch auch über den Müllberg mitten im Wald. „Ständig liegt dort etwas rum, manchmal bis zu einer Woche.“ Dieses Mal bat sie in den sozialen Netzwerken um Hilfe. „Ich dachte sogar: Hoffentlich ist da kein Toter in den schwarzen Säcken drin“, gruselt es sie noch immer.

Caro Huemke ärgert sich über den Müllberg mitten im Wald. Quelle: Privat

Die Stadtverwaltung Hohen Neuendorf erklärt, dass nicht das Ordnungsamt, sondern der Landesforst für den Müll im Wald zuständig ist. Dass dort öfter Müll liege, sei bekannt, weiß Pressesprecherin Susanne Kübler. Man werde den Hinweis an den Landesforst weiterleiten, in dessen Ermessen eine Meldung bei der Polizei über die illegale Entsorgung von Bauschutt liege.

Auch der für Bergfelde zuständigen Revierförsterin Kathrin Sauer ist die Müllproblematik bekannt. Immer wieder finde sie säckeweise Gartenabfälle, Farbeimer mit Schutt und Zementreste, aber auch Bauabfälle mit riesigen Haufen Erdaushub, gar ganze Zäune und umweltgefährdende Stoffe wie Benzinkanister mitten im Wald. „Es gibt ein paar neuralgische Punkte: Am Heideplan und auch an der B 96“, weiß sie. Dabei ist auch sie nicht für die Müllbeseitigung und dessen Meldung bei der Polizei zuständig, sondern die Oberförsterei, die ihren Sitz in Neuendorf hat. „Wir arbeiten aber eng zusammen“, sagt sie. Es sei daher hilfreich, wenn Müllfunde fotografiert und der Standort an die Oberförsterei gemeldet werde. Insgesamt hätten die Fälle illegaler Müllentsorgung zugenommen, hat die Revierförsterin beobachtet. Sie habe schon Menschen auf frischer Tat ertappt, als diese alte Blumentöpfe im Wald entsorgten. „Die wollten zum Konzert und schnell noch den Müll loswerden“, berichtet sie kopfschüttelnd.

„Leute denken immer weniger umweltbewusst“

Auch Carsten Voigt, in der Oberförsterei Neuendorf für das Revier Mühlenbeck und die Müllentsorgung zuständig, bestätigt, dass die illegale Müllentsorgung deutlich zugenommen habe. Wohl aufgrund hoher Entsorgungskosten würden auch Dachpappen und anderer Sondermüll im Wald landen. Wer dabei erwischt werde, erhalte die entsprechende Strafe, so Voigt. Eine Überführung der Täter sei jedoch, trotz Kontrolle des Mülls auf Adressen, oftmals schwierig. Ein weiteres Problem sei die Größe des zu kontrollierenden Gebietes, konstatiert er. Trotzdem: Die Kontrollen seien zuletzt verstärkt worden, berichtet er und ärgert sich besonders darüber, dass „die Leute immer weniger umweltbewusst denken“. Bei großem oder mit seinen Waldarbeitern nicht mehr handhabbarem Müll werde das Ordnungsamt des Landkreises eingeschaltet, welches dann mit Fachfirmen die Entsorgung übernehme. „Wir haben nur begrenzte Möglichkeiten. Kleine Mengen Müll nehmen unsere Mitarbeiter bei ihren ständigen Touren jedoch mit.“

Immer wieder entsorgen Mitbürger ungewollten Müll mitten in Oberhavels Wäldern, wie hier bei Schmachtenhagen am Grabowsee, wo vor einigen Wochen ein Berg alter Autositze einfach abgeladen und liegen gelassen wurde. (Archivbild) Quelle: Stefan Blumberg

Jörg Ecker, Fachbereichsleiter im Landesbetrieb Forst Brandenburg bestätigt die Erfahrungen seiner Kollegen. „Ja. Es gibt in Brandenburgs Wäldern Probleme mit illegaler Müllentsorgung im Wald“, bestätigt er ganz unverblümt. Diese seien zwar „nicht mehr ganz so gravierend wie Anfang der neunziger Jahre, aber dennoch sehr ärgerlich „nachhaltig“ auf hohem Niveau.“ In den vergangenen zehn Jahren habe der jährliche Müllumfang in den Wäldern der Mark zwischen 5432 und 8007 Kubikmetern betragen. „Diese riesige Müllmenge muss praktisch jedes Jahr aus dem Wald geholt werden“, sagt er und verdeutlicht: „Knapp 6000 Kubikmeter entspricht mehreren hundert Lastwagen-Ladungen oder einem fast sechs Kilometer langen und ein Meter hohen und breiten Wall aus Müll“.

Kostspielige Entsorgung zu Lasten der Steuerzahler

Für die Müllsünden im Wald wende der Landesbetrieb jährlich rund 1,4 Millionen Euro auf. Geld, welches am Ende der Steuerzahler bezahlt. Hinzu kommt: Das Einsammeln von Müll hindere die Waldarbeiter („Gut ausgebildete Forstwirte mit drei Ausbildungsjahren und Zusatzqualifikationen.“) daran, „andere positive Dinge für den Wald zu erledigen“. Wenn möglich, werden die illegalen Müllentsorger zur Verantwortung gezogen. Je nach Schwere des Delikts können dabei Strafen von bis zu 20 000 Euro Geldbuße oder drei Jahren Freiheitsentzug fällig werden. Mehr als 250 Verfahren wegen Waldverschmutzung seien in den vergangenen drei Jahren durch die Bußgeldstelle des Landesbetriebes durchgeführt worden.

Den Müll in Bergfelde betreffend versprach Carsten Voigt, am Dienstag einen Blick darauf zu werfen und die Entsorgung zu veranlassen.

Lesen Sie dazu auch:

MAZ vom 15. März 2019: Autositze einfach zwischen Schmachtenhagen und Grabowsee im Wald entsorgt – „Illegale Mülldeponie im Wald entdeckt

Von Ulrike Gawande und Nadine Bieneck

Auf dem Dach vom Rathaus von Hohen Neuendorf tummeln sich ab jetzt zwei Bienenstöcke mit je 50 000 Bewohnern. Ab jetzt darf sich Hohen Neuendorf auch Bienenstadt nennen.

21.05.2019

Ein Pfefferspray-Angriff in Hohen Neuendorf, ein gestohlener Tresor in Schwante und Dieseldiebe in Hennigsdorf – diese und weitere Meldungen lesen Sie im Polizeiüberblick vom 21. Mai 2019.

21.05.2019

Bislang unbekannte Täter sprengten aus noch ungeklärten Gründen in der Nacht zu Dienstag ein in Borgsdorf aufgestelltes mobiles Klo in die Luft. Dabei entstand ein vierstelliger Schaden.

21.05.2019