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Hohen Neuendorf Von Addis Abeba in Äthiopien nach Hohen Neuendorf
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Von Addis Abeba in Äthiopien nach Hohen Neuendorf
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20:47 07.11.2019
Bürgermeister Steffen Apelt traf die Inhaber von „Kootkeet“, Nadja Shashe und Adugna Challchessa mit deren Sohn Annan. Damen-Ledertaschen sind ihr Geschäft, die Aktentasche (l.) kam neu dazu. Quelle: Matthias Busse
Hohen Neuendorf

Die Handtasche sei das liebste Accessoire von Frauen, lautet ein Klischee. Viele afrikanische Frauen können sich aber diesen Luxus nicht leisten. Das Hohen Neuendorfer Unternehmen „Kootkeet“ bringt Handtaschen-Liebhaberinnen und Produzentinnen in Äthiopien zusammen. Der Firmenname bedeutet in einem der äthiopischen Dialekte „Meins und Deins“, denn Kundinnen und auch Hersteller sollen gegenseitig profitieren.

Am Donnerstagvormittag traf sich Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) mit der Inhaberin Nadja Shashe im Rahmen seiner derzeit vierteljährlichen Unternehmensbesuche im Café „Cup & Cake“ in der Schönfließer Straße. Denn Nadja Shashe plant erst ihren ersten Laden – am liebsten nun in dieser Straße. Ihr eigentlicher Plan, die Räume von „Linkes Tierparadies“ mit Poststelle in der Albertstraße zu übernehmen, ist am Hauseigentümer gescheitert.

Nadja Shashe hofft nun wenigstens die Post-Lizenz von Wolfgang Linke zu bekommen und seine vier Teilzeit-Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. „Ich möchte ein festes Standbein haben“, begründet sie, warum sie ihren Taschenladen mit einem etablierten Angebot kombinieren will.

Versandhandel ruht in Baby-Pause

„Wir haben ein Jahr lang an unserem Business-Plan gefeilt“, sagt die „Kootkeet“-Inhaberin. Darin rechnete sie sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit ihres Ladens aus. Mit Zusatzsortimenten wie äthiopischem Kaffee, Schmuck und Schals würde sie gern ihr Angebot erweitern. Alles soll auch im Versandhandel zu bekommen sein. „Den Online-Shop habe ich wegen der Babypause abgeschaltet“, sagt die Mutter eines einen Monat alten Sohns.

Zuvor kamen über das Internet europaweit und aus Australien Bestellungen. Denn ihre zu moderaten Preisen angebotenen Ledertaschen wirken modern. Deren Design ist äußerlich schlicht und klar, die Farbigkeit natürlich. Das passt zu auffälligen Outfits ihrer Trägerinnen genauso gut wie zum Business-Kostüm. Inzwischen bietet „Kootkeet“ ein erstes Modell für Männer – eine hellbraune Aktentasche.

Die Leder-Aktentasche von Kootkeet – eigentlich für Männer.. Quelle: Matthias Busse

Indigene afrikanische Einflüsse auf die Gestaltung nicht vordergründig. Und doch stammen die Entwürfe von ihrem Mann Adugna Challchessa aus der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Zusammen mit einem einheimischen Partner betreibt er dort eine Manufaktur mit 80 Näherinnen und Zuschneiderinnen. 500 Exemplare würde allein ein Modelabel in den USA wöchentlich ordern, sagt er.

Eine kleinere Damen-Handtasche und Geldbörsen von Kootkeet. Quelle: Matthias Busse

Arbeitsschutz und ordentliche Bezahlung

Die Idee, einen reinen Frauenbetrieb zu gründen, entwickelte das Paar gemeinsam. Die Informatikerin ging nach ihrem Studium von Berlin nach Addis Abeba und schulte dort unter anderem hilfsbedürftige Frauen. „Wenn man sich die Ärmsten ansieht, dann sind es meisten Frauen, die auf der Straße sind“, findet sie. Während der vier Jahre Arbeitsaufenthalt lernte sie ihren Mann kennen, der als Geograf bereits in einem Hilfsprojekt arbeitete.

Er bekam Kontakt zu der Lederbranche. „Uns ist es wichtig, zu fairen Bedingungen zu produzieren“, betonen beide. Das von ihnen verwendete Rindsleder werde unter Einhaltung von Arbeits- und Gesundheitsschutz ohne das giftige Chrom VI gegerbt. Die Näherinnen bekämen wenigstens 120 Euro Monatslohn oder je nach Leistung mehr, versichert Challchessa. „Das reicht, um eine Familie zu ernähren und die Kinder in die Schule zu schicken“, weiß Nadja Shashe.

Die 37-jährige Berlinerin und der 40-jährige Äthiopier kehrten 2016 zurück und zogen ins Haus ihrer Eltern in Hohen Neuendorf. „Wir wollen hier nicht mehr weg“, begründet sie ihre Entscheidung auch geschäftlich für die Stadt.

Durch die Wirtschaftsförderung der Stadt fühlt sie sich bei der Suche nach Geschäftsräumen gut unterstützt. Bürgermeister Apelt freut sich über die geplante Bereicherung des Einzelhandels: „Denn bisher haben wir in Hohen Neuendorf nur ein eingeschränktes Handelssortiment.“

Von Matthias Busse

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