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Hohen Neuendorf Der Engel von Borgsdorf gibt auf
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Der Engel von Borgsdorf gibt auf
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15:47 08.01.2019
Janette Budkte bei der Ehrenamtsverleihung der Stadt Hohen Neuendorf. Quelle: Julian Stähle
Borgsdorf

Janette Budtke kann nicht mehr. Die Last, die sie tragen muss, ist für sie zu schwer geworden. Janette Budtke gibt auf und zieht für sich einen Schlussstrich. Die Borgsdorfin hatte sich in den letzten Jahren um bedürftige Menschen in Oberhavel gekümmert. Liebevoll, engagiert und mit voller Kraft. Sie hat mit den Charity Banditen Notleidende unterstützt. Gerade das Thema Obdachlosigkeit stand bei ihr ganz oben auf dem Zettel. Immer dann, wenn Menschen Sorgen hatten, wurde die 37-Jährige gerufen.

Akku leer – 37-Jährige zieht die Notbremse

Doch der Engel von Brandenburg – wie sie von den Medien genannt wurde – hat keine Kraft mehr zum Fliegen. „Ich ziehe einen Schlussstrich“, sagt Janette Budtke unter Tränen. „Die ehrenamtliche Arbeit geht an die körperliche und psychische Grenze. Für mich ist Schluss. Ich ziehe die Notbremse. Auch wenn das ein Zeichen von Schwäche ist.“ Janette Budtke klingt niedergeschlagen, frustriert und am Boden. Die Arbeit scheint ihren Akku entladen zu haben. Die oft nach außen gut gelaunte und stets optimistische Janette Budtke lässt los. „Ich kann das nicht mehr leisten. Ich schaffe es nicht mehr.“

Auch bei der PUR in Hennigsdorf schnitt Janette Budtke Bedürftigen die Haare Quelle: Ulrike Gawande

Neben der ehrenamtlichen Arbeit führt Janette Budtke einen Friseurladen in Borgsdorf. Sie ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Zwei Töchter. Die eine ist drei Jahre alt. Die Große elf. „Ich kann von niemanden erwarten, dass sie zu hundert Prozent mitziehen. Gerade von meinen Kindern nicht“, so die 37-Jährige. „Habe ich sie schon so in diesen Strudel mit reingezogen?“, fragt sie sich. Eine Nachricht, die Janette Budtke kürzlich von einer anderen Mutter erhalten hatte, besorgte ihr schlaflose Nächte. „Ich solle meiner großen Tochter ein Hobby suchen, mich mehr mit ihr hinsetzen und was für die Schule tun. Sie ist erst in der 5. Klasse.“ Worte, die die zweifache Mutter hart treffen. „Mache ich das zu wenig? Sehen meine Kinder das auch so?“ – Fragen, auf die Janette Budtke noch keine echten Antworten gefunden hat.

Als „Charity Banditen“ gemeinsam für Bedürftige engagiert

Ihr Engagement ist über die Grenzen Oberhavels hinweg bekannt. Nicht nur, dass sie kostenlos Obdachlosen die Haare schneidet. Janette Budtke kniet sich rein, sucht Lösungen und streitet mit ihren Mitstreitern auch mit der Politik, manchmal auch heftig. Ihr Team möchte einen Verein gründen. Die „Charity Banditen“ wollen sich mit allem drum und dran um Bedürftige kümmern. Doch plötzlich gibt es intern Probleme. Janette Budtke weiß, dass auch sie nicht immer einfach ist. So bleibt es bei einer „gemeinnützigen Organisation“, zur Vereinsgründung kommt es nicht. Im Dezember 2018 findet zum zweiten Mal ein Fest für Bedürftige statt – ein „Zeichen des Miteinanders“. Ein Riesenteam sorgte am ersten Advent dafür, dass alle Gäste strahlen. Ein schöner Moment.

„Keinen Kampf mit der Stadt mehr“

Für ihren Einsatz wird Jeanette Budtke mehrfach ausgezeichnet. Ministerpräsident Dietmar Woidke ist von ihrem Engagement begeistert. 2017 wird sie mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Hohen Neuendorf ausgezeichnet. „Ich werde die Urkunde und Medaille aber zurückgeben“, sagt sie. „Ich sehe darin keinen Sinn. Die Zusammenarbeit und Unterstützung hat mir gefehlt. Es passiert zu wenig. Ich habe oft Vorschläge gemacht, wie man zum Beispiel Mietminderungen für Bedürftige erreichen kann. Da gab es null Feedback. Sicher gibt es Gründe dafür. Doch ich habe nicht mehr die Kraft. Ich möchte auch keinen Kampf mehr mit der Stadt.“

Wer kümmert sich zukünftig um die Bedürftigen?

Das Paket mit der Auszeichnung ist bereits auf dem Weg nach Hohen Neuendorf. Janette Budtke ist nun auf der Suche nach einem Verein, der zukünftig zum Ansprechpartner für die Bedürftigen werden könnte. „Es wäre auch schön, wenn das Zeichen des Miteinanders weitergehen könnte“, hofft sie. „Doch ich kann das alles nicht mehr leisten.“ Die Last ist für den Engel zu groß geworden.

Von Sebastian Morgner

Julia Peters aus Hohen Neuendorf liebt ihren Hund „Muffin“, eine zweijährige Bulldogge. Seit einem Jahr verbringt der Familienhund sein Leben nach einem Rückenmarksinfarkt jedoch auf nur noch zwei Beinen. Die 27-Jährige hofft, mit einer Spendenaktion Geld für eine weitere medizinische Behandlung zusammenzutragen.

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