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Hohen Neuendorf Der Geschichtsschreiber
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19:37 08.01.2019
Dietrich Raetzer wohnt seit seinem Umzug vor zehn Jahren in der Frohnauer Invalidensiedlung. Seit den 1970er-Jahren war er zuvor 400 Meter entfernt in der Hohen Neuendorfer Florastraße zu Hause. Quelle: Enrico Kugler
Hohen Neuendorf

Dietrich Raetzer schreibt Geschichte, Ortsgeschichte. Seit 1993 widmet sich der Historiker ganz Hohen Neuendorf sowie später auch den hinzugekommenen Stadtteilen Bergfelde, Borgsdorf und Stolpe. Im Auftrag der damaligen Bürgermeisterin Monika Mittelstädt baute er das kommunale Archiv auf – bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000. Doch mit 65 Jahren war für den Hohen Neuendorfer längst noch nicht Schluss. Im Gegenteil.

Bereits 2001 rief er mit einigen inzwischen verstorbenen Mitstreitern den Geschichtskreis ins Leben – unter dem Dach des bereits 1993 gegründeten Kulturkreises. Die Gründungen eines Vereins der Wirtschaftsarchivare und des Vereins der Clara-Zetkin-Gedenkstätte in Birkenwerder hatten ihm verdeutlicht, wie mühselig das Gründungsprozedere ist.

Sein Arbeitszimmer hat der 83-Jährige die Treppe hoch auf dem Dachboden. Quelle: Enrico Kugler

Jahrelang erforschte die illustre Gruppe die Ortsgeschichte, angefangen von den Gastwirtschaften. Publikationen wurden entwickelt und herausgebracht, etwa der ortshistorische Kalender „Geschichte & Geschichten“ sowie die Hohen Neuendorfer Hefte. Vor fünf Jahren kam es allerdings zum Bruch mit der Mehrheit der Mitglieder und zu einer Zäsur: Die „Heimatfreunde“ gründeten ihren eigenen Verein. Der Geschichtskreis besteht seitdem aus zwei Personen, neben Ratzer ist das Petra Schmidt. Die beiden allerdings kooperieren eng mit dem Borgsdorfer Geschichtskreis, der sich unter dem Dach der Volkssolidarität formiert hat.

Dietrich Raetzer mit einem der Kalender.. Quelle: Enrico Kugler

„Mein persönliches Interesse sind Ereignisse in unseren Orten, welche die deutsche Geschichte widerspiegeln“, sagt Dietrich Raetzer und verweist auf die Weltkriege. Gemeinsames Anliegen von Petra Schmidt und ihm sei es zudem, Geschichte im Ortsbild sichtbar zu machen. Beispiele dafür seien die an verschiedenen Stellen verlegten Stolpersteine sowie die Informationsstelen auf dem Gelände des Länderinstituts für Bienenkunde, wo der Patentanwalt Richard Linde gemeinsam mit weiteren Helfern verfolgte Juden und Kriegsgefangene versteckte. Auch die Stele in Borgsdorf, wo seit 2016 an der Blumenstraße/Sperberstraße an die Gartenbaugeschichte erinnert wird.

Der Kulturkreis Hohen Neuendorf präsentierte kürzlich sein neuntes Heft. Quelle: Helge Treichel

Aktuell befasst sich Dietrich Raetzer mit dem „Restaurant zum Fichtenhain“ und dem ehemaligen Biergarten – der heutige Kistenplatz (Skaterpark). Damit verknüpft wiederum ist die Geschichte einer Ziegelfabrik, die von 1871 bis 1878 auf dem Gelände der heutigen Mosaik-Grundschule bestanden hat und höchstwahrscheinlich die Ziegel dafür lieferte. So kommt ständig eine Geschichte zur nächsten. Eine wichtige Quelle für Raetzer ist der Briesetal-Bote, Amtsbezirks-Anzeiger und Zeitung für Birkenwerder und die umliegenden Gemeinden. Dort sind ganze Speisekarten der damaligen Zeit zu finden. Begeistert berichtet der 83-Jährige, wie beim Bau der Skateranlage das Bruchstück eines Milchkruges gefunden wurde, beschriftet mit dem Namen des Inhabers und seines Restaurants. Das Fundstück gehört inzwischen zur Ausstellung des Geschichtskreises.

Der Ausstellungsraum beim Kulturkreis. Quelle: Helge Treichel

Überhaupt begeistern Raetzer jene Geschichten, bei denen „Kamerad Zufall“ die Forschungen maßgeblich unterstützt hat. Das sei zum Beispiel beim jüdischen Architekten Albert Gottheiner der Fall gewesen, der in jungen Jahren den Wasserturm und das Wasserwerk entworfen hat. Die inzwischen verstorbene Bergfelder Hotelbetreiberin und ehemalige Vereinsvorsitzende Barbara Kühn war auf den Namen gestoßen und hatte den Kontakt zu Nachfahren vermittelt. Viele wertvolle Informationen konnten so gewonnen werden. Das gilt ebenso für Hildegard Knieß, die zu jenem Hohen Neuendorfer Netzwerk gehörte, das während der Nazidiktatur rund 80 Menschen das Leben rettete. In der Nachkriegszeit hatte sie sich um die Betreuung von Kindern gekümmert. Es stellte sich heraus, dass es Verbindungen zu Familie Tham gibt – auch eine wichtige Informationsquelle. „Das waren meine zwei schönsten Zufälle“, so Raetzer, der in wenigen Tagen seinen 84. Geburtstag feiert. Derzeit arbeitet er außerdem am zweiten Band des von ihm herausgegebenen Buches „Geschichten zur Geschichte“, in dem historische Kalenderblätter zusammengefasst sind.

Veranstaltungen des Geschichtskreises

Der Geschichtskreis wurde 2001 unter dem Dach des Kulturkreises Hohen Neuendorf gegründet. Der Kulturkreis mit vielfältigen Arbeitsgruppen wiederum besteht seit 1993. Die Mitglieder des Geschichtskreises möchten die Tradition seiner „Offenen Sonnabende“ wieder aufnehmen. Veranstaltungsort sind die Ausstellungsräume beim Kulturkreis an der Karl-Marx-Straße 24 in Hohen Neuendorf. Die neu gestaltete ortshistorische Ausstellung am betreffenden Sonnabend von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Veranstaltungsauftakt für „Ortsgeschichte im Gespräch“ ist am 2. Februar. „Wer war eigentlich...? Arthur Magnor, Bergfelde“ heißt es ab 14 Uhr. Neue Vorhaben der Erinnerungskultur werden am 2. März ab 14 Uhr vorgestellt. An diesem Nachmittag geht es um Stolpersteine für Willy Gerber und Laura Ullmann. „Zwei Ziegeleien an der Stolper Heide“ schließlich stehen am 6. April auf dem Programm, ebenfalls ab 14 Uhr. Ansprechpartner im Kulturkreis ist Vorsitzender Dag Tjaden. E-Mail: info@kulturkreis-hn.de Internet: www.kulturkreis-hn.de

Von Helge Treichel

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