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Hohen Neuendorf Als das Abwasser noch im Wald landete
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Als das Abwasser noch im Wald landete
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19:23 29.10.2019
Petra Schmidt und Dietrich Raetzer haben die Geschichte der Bürgerdialoge erforscht und stellen die Ergebnisse nun vor. Quelle: Helge Treichel
Hohen Neuendorf/Bergfelde

In den Novembertagen vor genau 30 Jahren beschäftigten die Menschen eine Menge Fragen. Was lange im Untergrund gebrodelt hatte, drängte mit der neu gewonnenen Freiheit der Wendezeit an die Oberfläche. Zunächst wurden Bürgerdialoge organisiert, später die Runden Tische. „Die große Geschichte spiegelt sich natürlich auch direkt bei uns wider, in unseren Orten“, sagt Dietrich Ratzer vom Geschichtskreis. Gemeinsam mit seiner Mitstreiterin Petra Schmidt hat er Dokumente aus dieser Zeit aufgestöbert und durchforstet. Unglaubliche und heute kaum noch vorstellbare Dinge kamen dabei ans Tageslicht.

Zum Beispiel beim Thema Umwelt: Das Abwasser und die Fäkalien aus Haushalten, die nicht an die Kanalisation angeschlossen waren und deren Gruben mobil mit Fahrzeugen entsorgt werden mussten, wurde zum Beispiel im Wald abgekippt. Eine dieser Stellen, die ganz offiziell mit Genehmigung angefahren werden durften, lag an der Verbindungsstraße zwischen Briese und Summt. Unter der dortigen Hochspannungsleitung wurde das ungeklärte Schmutzwasser einfach abgelassen. Aus Ärger darüber hatten einige Einwohner die Entsorgungsfahrzeuge demoliert.

Anstehen zum Beantragen des zunächst noch geforderten Passagierscheins für die Ausreise vor dem Rathaus in Hohen Neuendorf. Quelle: Franz Noerling/Stadtarchiv

Dass die damals noch gut befüllten Rotpfuhle inzwischen ausgetrocknet sind, liege unter anderem daran, weil später nichts mehr abgekippt wurde, erläutert Raetzer und löst damit ein Rätsel, das noch immer aktuell ist.

Ein großes Fragezeichen habe für die Hohen Neuendorfer und die Bergfelder auch hinter den Einfamilienhäusern am Lärchenweg (HDZ) gestanden. Alle hätten sich gefragt, wer diese Gebäude errichtet hat – und wer da eigentlich wohnte. „Keiner wusste Bescheid“, fasst Raetzer die damalige Informationslage zusammen. Inzwischen sei bekannt, dass dort ehemalige Ost-Spione Wohnraum bekamen. Leute also, die vom Klassenfeind enttarnt wurden und auf der Glienicker Brücke ausgetauscht worden waren.

Eine Aufnahme von der Lichterkette in Bergfelde am 3. Dezember 1989. Quelle: Karola Möckel

Viele andere Themen haben die Leute damals beschäftigt: Kindergärten und Schulen, Pflegeheime und – bereits damals – fehlende Radwege. Dabei spielte nicht zuletzt die „Selbstermächtigung“ eine Rolle, sagt Raetzer. Die Menschen begannen zu handeln, um das überkommene System zu reformieren. Die zentralen Organe seien mit Eingaben geradezu „bombardiert“ worden, so Dietrich Raetzer. Am 3. Dezember 1989 wurde eine Lichterkette nicht nur durch den eigenen Ort gebildet. Einige hatten Transparente dabei: „Kommt die Wende auf den Hund durch Partei-Gedächtnisschwund?“, lautete eine Aufschrift, „Mehr Radwege“ eine andere. Zwischen Oranienburg und Bergfelde hätten die Leute dicht an dicht gestanden. In verschiedenen Orten gab es zudem Demonstrationen.

Lichterkette am 3. Dezember 1989 in Bergfelde. Quelle: Karola Möckel

Ein weiteres Mittel der Meinungsäußerung im Wende-Herbst 1989 waren Bürgerdialoge. Fünf waren es zwischen dem 4. und 11. November allein in Bergfelde, sagt Petra Schmidt und präsentiert eine Liste mit den Terminen. Es gab öffentliche Treffen wie in der damaligen Lamberz-Schule und im Jugendklub, aber auch Mitarbeiter treffen. Genannt werden der „VEB Bekleidung“ und die „PGH“ in der Dorfstraße. Fünf Bürgerdialoge beziehungsweise Rathausgespräche sind aus Hohen Neuendorf überliefert. Bis Mitte April 1990 folgten dann „Runde Tische“. Wer war dabei? Wer hat dort moderiert? Worum ging es? – Diese Fragen möchten Petra Schmidt und Dietrich Raetzer in der Reihe der „Offenen Sonnabende“ am 2. November in einer Veranstaltung beantworten. Beginn ist um 14 Uhr in den Räumen des Kulturkreises an der Karl-Marx-Straße 24. Dafür wollen sie Zeitzeugen mit an den Tisch holen und mit den Gästen ins Gespräch kommen – schließlich könnten die meisten ebenfalls dabei gewesen sein. Ihre Einladung verbinden sie mit dem Aufruf und der Bitte, Dokumente und Bilder mitzubringen und möglichst auch kurz zu präsentieren.

Noch ein Wende-Schnappschuss aus Bergfelde. Quelle: Karola Möckel

Von Helge Treichel

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