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Hohen Neuendorf So humoristisch reflektiert der Hohen Neuendorfer Autor Hildebrandt sein Berufsleben
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00:21 06.10.2018
Der Autor Wilfried Hildebrandt aus Hohen Neuendorf stellt sein drittes Buch vor: „Er war stets bemüht". Quelle: Helge Treichel
Hohen Neuendorf

Lothar Löwe stolpert in seinem Berufsleben von einer Katastrophe zur nächsten. Doch er lässt sich von unfähigen Chefs, böswilligen Kollegen und unlösbaren Aufgaben nicht unterkriegen. Vielmehr geht er aus jeder Auseinandersetzung und jedem unfreiwilligen Jobwechsel gestärkt hervor. Löwe ist ein Stehaufmännchen mit Rückgrat. Und mit Humor.

Obgleich es unzählige Parallelen zwischen ihm und Lothar Löwe gibt, wehrt sich Wilfried Hildebrandt gegen den Verdacht, sein drittes Buch sei eine verkappte Autobiografie. „Ich will bewusst offen lassen, was reell ist und was nicht“, sagt der 70-jährige Hohen Neuendorfer. Einiges habe er auf die Spitze getrieben, manches nur gehört, sagt er. Aber zu 90 Prozent basiere sein aktuelles Werk schon auf eigenen Lebenserfahrungen, gibt er zu.

„Am Computer“ ist das Lieblingskapitel von Autor Wilfried Hildebrandt. Quelle: Helge Treichel

„Er war stets bemüht“, lautet der Titel seines dritten Buches. Untertitel: „Wie man 50 Arbeitsjahre überlebt“. Hildebrandt schildert darin den beruflichen Werdegang seines Helden Lothar Löwe – von der (kurz abgehandelten) Schulzeit und den Lehrjahren über die Arbeitswelt im östlichen sowie im wiedervereinigten Deutschland bis hin zum (aufgeschobenen) Ruhestand. Es handelt sich dabei um eine selektive Sammlung von Anekdoten, welche ein bezeichnendes Licht auf gesellschaftliche, bürokratische und charakterliche Unzulänglichkeiten werfen. So entsteht ein Sittengemälde, das den Fokus zielsicher auf all die nervigen Schwachstellen im System lenkt.

Weil sowohl die Zeit vor als auch nach der Wiedervereinigung beleuchtet wird, werden Menschen von hüben und drüben gleichermaßen Parallelen zu eigenen Erfahrungen wiedererkennen. Die handelnden Personen freilich hat der Autor konsequent hinter Tiernamen versteckt – nicht zuletzt, um sich vor möglichen juristischen Konsequenzen zu schützen.

Rohrspatz, Eule, Rindvieh

Der Leser lernt zum Beispiel Herrn Rindvieh kennen, der seinen Schützling mit einer Prüfung auflaufen lassen will, am Ende aber selbst darüber stolpert. Oder den verrückten Erfinder Dr. Marder, für den Arbeitsschutz und Empathie Fremdworte waren. Es geht um das ständige Feiern, Frauengeschichten sowie „sozialistische Eigentumsverlagerung“ wenig vorbildlidhafter Vorgesetzter sowie um politische Intrigen im DDR-Betriebsalltag. Das ist nichts weniger als eine Abrechnung mit dem Unrechtssystem des Arbeiter- und Bauernstaates, das jede Unangepasstheit bestraft. Und eine mögliche Erklärung, warum dieses Modell scheitern musste.

Betteln, um seine Aufgaben erfüllen zu können

Natürlich spießt Hildebrand mit genau der gleichen stoischen Akribie auch den Irrsinn der Bürokratie in jener Behörde auf, für die er nach der Wiedervereinigung als Computerspezialist tätig ist. Sein Alter Ego Lothar Löwe bekommt allerdings wegen irgendeiner sinnlosen Anweisung nicht einmal Zugang zum Serverraum. Der Leser lernt außerdem die selbstherrliche Frau Eule kennen, die Löwe wegen eines verschollenen Faxes verklagen will. Dass sie selbst die Vorwahl falsch eingetippt hat, kann sie nicht zugeben. Überhaupt ist sie nicht zugänglich für logische Sachargumente – offenbar eine Grundvoraussetzung für steile Karrieren, schlussfolgert Hildebrandt. Darin kann er Gemeinsamkeiten von DDR- und West-Bürokratie erkennen. Ebenso in unnachgiebiger Starrheit sowie in der Angewohnheit vieler Chefs, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken.

Ein Mutmacher für den Nachwuchs

Mit seinem Buch, das im regulären Handel erhältlich ist, möchte er jungen Menschen, die als Berufsanfänger Probleme haben, Mut machen, sagt Hildebrandt: „Bei mir hat es immer Vorteile gebracht, wenn ich gezwungen war, mich neu zu orientieren.“

Reisehusten: Der erste Wurf von Wilfried Hildebrandt.

Von Helge Treichel

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