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Hohen Neuendorf Rekordverdächtige Spielfreude
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Rekordverdächtige Spielfreude
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17:27 25.04.2019
Die mit LED-Ketten illuminierten Spiele von Jürgen Hohenwald sind der letzte Schrei bei nächtlichen Spektakeln. Quelle: privat
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Borgsdorf

Vom afrikanischen Kalaha bis zum chinesischen Mah-Jong, von Jakkolo über Tischcurling bis Trou Madame – Jürgen Hohenwald aus Borgsdorf hat sie alle. Mit 146 verschiedenen Spielen hat er die größte historische Sammlung dieser Spaßmacher im XXL-Format. Alles originalgetreue Nachbauten historischer Vorbilder oder aber selbst entworfene Unikate. Erweitert wurde der Fundus im vergangenen halben Jahr mit neu entwickelten interaktiven LED-Lichtskulpturen. Der fällige Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde würde allerdings mehr als 6000 Pfund kosten. „Deshalb müssen wir erst einmal auf den Titel verzichten“, sagt der 59-Jährige Borgsdorfer, der mit seinem Team mittlerweile durch ganz Deutschland und zunehmend auch durch Europa tourt.

Alle Generationen finden gleichermaßen Spaß daran. Quelle: privat

Der Heilpädagoge möchte seinem Publikum eine spielerische Zeitreise durch mehrere Epochen der Menschheitsgeschichte ermöglichen. Er möchte zeigen, womit sich die Schönen und Reichen am Hofe die Zeit vertrieben und wie schon damals fremde Kulturen das Leben bereicherten. Diese kulturelle Reise über fünf Kontinente vollziehen Jürgen Hohenwald und sein Team auf höchst unterhaltsame Weise nach. „Ein wichtiger Faktor für den Erfolg unserer Spiele sind unsere verkleideten Darsteller in opulenten historischen Kostümen oder in Gewändern fremder Kulturen“, sagt er. Und: Alle Holzspiele seien handgearbeitete, hochwertige Unikate, die mit aufwendigen Intarsien und schicken Formen die Blicke auf sich ziehen. Rund 180 Quadratmeter überdachte Lagerfläche werden für deren Aufbewahrung benötigt.

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Jürgen Hohenwald vor der stattlichen Sammlung von Abdeckplanen für die verschiedenen Spiele im XXL-Format. Quelle: Helge Treichel

Seit 2004 hatte Hohenwald mit seiner Firma „Spiel- und Erlebniswelten“ Kinder-, Familien- und Firmenfeste ausgestaltet. Der Quantensprung kam vor genau zehn Jahren: „Die Landesgartenschau 2009 in Oranienburg war der Durchbruch“, sagt Hohenwald und beschreibt die Wirkung seiner Angebote als „Wunder“: „Plötzlich wollten alle spielen.“

Zu 56 Großveranstaltungen werden der Borgsdorfer sowie seine Freunde und Bekannten allein in der diesjährigen Saison reisen. Mit bis zu fünf Lkw und 16 Personen gleichzeitig. Alle machen das nebenberuflich. Weitere Mitarbeiter und Helfer werden in Zukunft gesucht. Das nächste „Heimspiel“ ist zu Himmelfahrt am 30. Mai von 10 bis 18 Uhr beim „Spielfest“ im Schlosspark Oranienburg (Näheres unter www.holzspiele-event.de).

Die Kostüme spielen eine wichtige Rolle beim Spielen, sagt Jürgen Hohenwald (r.). Quelle: privat

In seinem anderen Leben ist Jürgen Hohenwald an der Havelmüller-Grundschule in Berlin-Reinickendorf tätig – allerdings nur mit einer halben Stelle. Dennoch sei er an einem Punkt angekommen, an dem er sich für das Eine oder das Andere entscheiden muss, gibt er zu: „Die Spiele sind meine Herzenssache, aber ich bin auch leidenschaftlicher Pädagoge.“

Wichtig ist für ihn, die Inspiration und den Zauber der Spiele zu vermitteln. Ganz verschiedene Generationen könnten Spaß zusammen haben, auch Menschen mit ganz verschiedener Lebensphilosophie: Gern erzählt Hohenwald, wie Frankfurter Banker gemeinsam mit den Punks vom städtischen Bahnhof zwei Runden miteinander gespielt und gelacht haben. Bei den hängenden Kugeln ging es darum, mit einem Stab möglichst viele kleinere Holzkugeln auf den größeren abzulegen. Und alle Spieler wurden zu gleichberechtigten Partnern. „Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie lieb und nett die Leute miteinander umgehen“, sagt Hohenwald, „ganz anders als in Alltagssituationen“. Und das ist es auch, was den Borgsdorfer antreibt: „Es ist fast wie eine Mission, gute Laune zu den Stadtfesten und Veranstaltungen zu bringen.“ Aber er sieht auch den persönlichen Mehrwert, denn „die Spiele bringen uns an die schönsten Orte“.

Spielszene mit Spitzenhandschuh. Quelle: privat

Von Helge Treichel