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Hohen Neuendorf Trockenheit in Oberhavel: Naturkatastrophe bei schönstem Wetter
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Trockenheit in Oberhavel: Naturkatastrophe bei schönstem Wetter
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17:16 28.04.2020
Der Wald leidet unter Trockenheit: Die Mittagssonne scheint auf die Blätter eines Jungbaumes (SYmbolbild). Quelle: Monika Skolimowska/dpa
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Bergfelde

Während sich viele Menschen des „schönen Wetters“ erfreuen, leidet die Natur an Stress durch Wassermangel. Insbesondere unsere Stadtbäume kommen durch ihren einschränkten Wurzelraum nicht an Wasser. Deswegen fordert die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) e. V. Bürger, Gemeinden und Städte dazu auf, jetzt zu handeln. Die Kommunen könnten mit Wassersäcken gegensteuern und ihre Bürger um Mithilfe mit Eimern und Gießkannen bitten: Helft dem Baum vor eurer Haustür!

„Der April macht, was er will“, lautet ein altes Bauernsprichwort, das das typische Aprilwetter beschreibt: Ein paar Tage Dauerregen, strahlender Sonnenschein, Hagelschauer und direkt danach wieder Sonnenschein und das in schneller Abfolge. Doch der Monat April wurde in den vergangenen 15 Jahren immer trockener. Der April 2020 ist dabei besonders extrem. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) „fielen vom 14. März 2020 bis zum 18. April 2020 verbreitet weniger als 10 Liter pro Quadratmeter (l/m²) Niederschlag.“ Das seien im Durchschnitt gerade einmal vier Prozent von dem üblichen Niederschlag um diese Zeit. Zeitgleich sorgten Sonnenschein und Wind für eine erhebliche Verdunstung. Bereits seit 2018 sind die Böden in Berlin/ Brandenburg außergewöhnlich trocken. Vereinzelter Regen konnte nur die oberen Schichten bis etwa zwei Meter Tiefe anfeuchten.

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In Birkenwerder und Hohen Neuendorf säumen zahlreiche Bäume die Straßen. Die pflanzen brauchen jetzt die Hilfe der Menschen. Quelle: Enrico Kugler

Auch die Waldbrandstufe zeigt vielerorts rot oder lila, also die zweithöchste und höchste Waldbrandstufe. Sven Plöger, Meteorologe und Wettermoderator, sagt im Interview mit dem rbb-Inforadio: „Die Natur ist jetzt ausgetrocknet. Jetzt wo sie natürlich gerade intensiv zum Wachstum die Feuchtigkeit braucht, fehlt sie. Das heißt wir hängen weit hinter dem, wo wir eigentlich sein müssten.“

Wie schlimm steht es um die Straßenbäume?

In einer so langanhaltenden Trockenperiode leiden insbesondere die Stadtbäume. Denn sie verfügen über wenig Wurzelraum unter der Erdoberfläche und das meiste Regenwasser fließt über versiegelte Flächen ab. Bäume reagieren langsamer mit sichtbaren Veränderungen als andere Pflanzen auf Trockenheit, aber die anhaltende Trockenheit setzt ihnen bereits jetzt zu!

Wie soll gegossen werden?

„Damit unsere Stadtbäume nicht eingehen, fordern wir die Städte und Gemeinden auf zu handeln“, so SDW-Landesgeschäftsführer Felix Mueller SDW-Oberhavel-Vorsitzender Dirk Hartung. Helfen könnten zum Beispiel Bewässerungssäcke. Diese kosten rund 20 Euro und seien eine effektive und zielgerichtete Möglichkeit, den Wurzelraum zu bewässern. „Sie wurden in der Vergangenheit bereits von vielen Städten mit großem Erfolg eingesetzt“, so Mueller.

Darüber hinaus können auch die Bürger und Bürgerinnen mit Gießkannen und Eimern helfen. Wichtig ist dabei alle paar Tage frühmorgens oder abends nach Sonnenuntergang circa zwei bis drei Gießkannen pro Baum zu gießen, denn kleine Mengen verdunsten, ohne dass etwas bei den tieferen Wurzeln ankommt, erläutert Dirk Hartung und bezieht sich dabei auf das Baumpflegeportal. Außerdem sei zu beachten, dass die Erde nach längerer Trockenheit fast wasserabweisend ist. „Deswegen bitte erst einmal angießen und warten, bis das Wasser eingesickert ist, bevor weiter gegossen wird“, so Hartung. „Die Bäume werden es Ihnen danken!“

Von MAZonline