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Oberhavel Immer in Kirchturmnähe
Lokales Oberhavel Immer in Kirchturmnähe
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00:42 16.04.2018
Quelle: Andreas Kaatz
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Spaatz

"Mein Hobby ist Trecker fahren", sagt Uwe Feiler und lacht. Die Voraussetzungen für diese Freizeitbeschäftigung jedenfalls sind gut: Immerhin kann der 47-Jährige zwischen drei Traktoren auf dem Hof im havelländischen Spaatz wählen.Am liebsten steigt er auf den Oldtimer, den alten Fendt, Baujahr 1979.

Und man kann sich tatsächlich gut vorstellen, dass dieser Mann mit dem jungenhaften Lachen Spaß daran hat, tuckernd über den Acker zu fahren und zu grubbern, zu fräsen oder die Spargelreihen aufzudämmen. Was er allerdings nur rein nebenberuflich tut - zur Unterstützung seiner Frau, die den Spargelhof in dem Ortsteil von Havelaue (Kreis Havelland) betreibt. "Meine Frau ist der Chef, und ich bin der Knecht", sagt er schmunzelnd.

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Eine Rollenverteilung, mit der er sehr gut leben kann. Denn wenn der 47-Jährige seiner eigentlichen Arbeit nachgeht, ist auch er Chef - nämlich Sachgebiets- und Ausbildungsleiter im Finanzamt Genthin in Sachsen-Anhalt. "Für mich ist die Feldarbeit ein guter Ausgleich", stellt der gebürtige Niedersachse fest. Doch dieser Ausgleich dürfte ihm jetzt fehlen. Denn den Platz auf dem Trecker muss der Spaatzer in diesen Wochen seinem Sohn Andy überlassen, da ihm schlicht die Zeit für sein liebstes Hobby fehlt. Der Vater von drei erwachsenen Kindern ist mit Leib und Seele Christdemokrat und will am 22. September für die CDU als Direktkandidat in den Bundestag einziehen.

Ein Ziel, das er vor vier Jahren noch knapp verpasst hat. Er lag am Ende nur 1,5 Prozentpunkte hinter der SPD-Frau Angelika Krüger-Leißner. Die hauchdünne Niederlage wurmt ihn noch heute. "Da war mir klar: Das mache ich noch einmal." Dabei war er damals zur Direktkandidatur wie die "Jungfrau zum Kinde gekommen", wie er bekennt. "Ich habe aber mit der Zeit immer mehr Lust daran gefunden, mich um die Belange der Menschen im Havelland und in Oberhavel zu kümmern." Der zweite Anlauf kommt somit nicht überraschend.

Dass es Uwe Feiler ins Havelland gezogen hat, ist seinen Großeltern zu verdanken. Die hatten den Hof in Spaatz bis 1956 bewirtschaftet, gingen dann in den Westen. Uwe Feiler wurde in Luhdorf, einem Ortsteil von Winsen an der Luhe, geboren, besuchte dort die Schule und studierte später Finanzwissenschaften. 1991 zog er ins Havelland - zusammen mit seinen Eltern, die den großelterlichen Hof nach der Wende wieder aufmöbelten und einen Spargelhof daraus machten. 1998 lernte er seine heutige Frau kennen, 2005 wurde geheiratet. Übrigens im selben Jahr, in dem Feiler CDU-Mitglied wurde.

Immer engagierte sich der 47-Jährige auch in Vereinen. In Spaatz leitete er zwölf Jahre lang den SV Empor und trainierte die Fußballer. So oft es ging, stand er als Spieler auf dem Platz. Dann kam ein schwerer Unfall im Februar 2012, als er von einem gefällten Baum getroffen wurde. Feiler ist froh, dass er dem Tod von der Schippe springen konnte. Sprechen war schwierig, laufen ging anfangs gar nicht mehr. Große Unterstützung erhielt er gerade auch in dieser Zeit von der Familie. "Heute kann ich fast alles wieder machen", sagt er erleichtert - und fügt hinzu: "Ich habe jetzt zweimal im Jahr Geburtstag." Übertreiben will er's aber trotzdem nicht, hat unter anderem auch deshalb sein Mandat in der Gemeindevertretung Havelaue niedergelegt. Die Ochsentour des Bundestagswahlkampfes verlangt seine ganze Kraft. Und so klemmt sich der Spaatzer, der auch Kreistagsabgeordneter ist, jetzt regelmäßig hinter das Steuer seines Feiler-Mobils und zieht mit seinem Team durch die Lande.

Der umfunktionierte Spargelverkaufswagen steht unter anderem auf Festen und Wochenmärkten oder vor Bahnhöfen und ist dort schwer zu übersehen. Lebensgroß prangt sein Konterfei am Auto. Und wenn Feiler die Verkaufsklappe an der Seite öffnet, kommen viele kleine Plakate mit seinem Gesicht zum Vorschein. Die ersten Neugierigen lassen in der Regel nicht lange auf sich warten. Die Frage "Kann man hier was kaufen?" beantwortet der CDU-Kandidat einladend: "Nein, hier kann man nur gute Gespräche führen."

Die führt er aber derzeit auch woanders - beim Frühschoppen, in Schulen oder auf Wahlforen. Unterstützung bekam er vor kurzem in Oranienburg sogar von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und so ist Feiler guter Hoffnung, dass er diesmal das Direktmandat erringen kann. Dass seine Präsenz gegenüber dem Wahlkampf vor vier Jahren größer geworden ist, glaubt er indes nicht, wohl aber professioneller. Vor allem will er nah am Bürger sein wie der filmbekannte Henryk Wichmann ("Herr Wichmann von der CDU"). Für Feiler durchaus ein Vorbild. "Der ist ein Kümmerer. Der redet nicht nur, sondern hört auch zu und handelt." Feiler, der sich selbst als Kandidat zum Anfassen bezeichnet, seine Handynummer mit jedem Wahlkampfflyer verteilt, kümmert sich ebenfalls.

Zu den Schwerpunktthemen, denen sich der CDU-Kandidat widmet, gehört unter anderem die Errichtung der von Bürgern geforderten Ortsumfahrung in der Stadt Fürstenberg. Zudem setzt sich der Spaatzer dafür ein, dass das Land Brandenburg die Planungen für den Neubau zweier Autobahnraststätten bei Birkenwerder am nördlichen Berliner Ring und Priort am westlichen Berliner Ring bis 2014 aussetzt und mit einer Bedarfsanalyse neu bewertet. Und auch den Bürokratieabbau hat sich der Finanzbeamte auf die Fahnen geschrieben.

Von sich sagt Feiler: "Ich bin ein bodenständiger Mensch." Im Urlaub muss er nicht weit verreisen, um glücklich zu sein. "Wenn ich den Kirchturm nicht mehr sehe, habe ich ein ungutes Gefühl."

Von Andreas Kaatz

Niedersächsischer Schützenbruder

Uwe Feiler wurde 1965 in Luhdorf in Niedersachsen geboren. Der CDU-Kandidat ist seit 2005 verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt auf dem Hof im havelländischen Spaatz, der einst den Großeltern gehörte.

Seit 2005 ist Feiler CDU-Mitglied. Zum zweiten Mal bemüht er sich um das Direktmandat im Wahlkreis 58.

Politisch war Feiler bisher kommunal und im Kreis tätig. Außerdem gehört er dem Polizeibeirat des Polizeipräsidiums Potsdam an.

Der frühere Hobby-Fußballer ist Mitglied des Sportvereins Empor Spaatz sowie der Schützenkameradschaft Luhdorf/Roydorf.

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