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Oberhavel Jubiläum in der Klinik: 30 Jahre Orthopädie
Lokales Oberhavel Jubiläum in der Klinik: 30 Jahre Orthopädie
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17:48 24.03.2017
Ein Spacecurl, ein Trainings- und Therapiegerät nach dem Prinzip eines Gyroskops, in dem ein Menschen aufrecht steht und sich durch eigene Bewegung oder Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann. Quelle: Klinik
Sommerfeld

Das medizinische Gebiet der Endoprothetik war in der DDR eine Marktlücke. Die Menschen mussten sehr lange auf Operationen warten. Zwei bis drei Jahre vergingen bis zur Hüft-OP. Im März 1987 sollte sich das ändern. Ärzte aus der Berliner Charité kamen damals nach Sommerfeld, um zu operieren und diese Warteliste abzuarbeiten.

Das ist nun 30 Jahre her, so lange gibt es die Orthopädie nun in Sommerfeld. Kürzlich ist das runde Jubiläum gefeiert worden.

Inzwischen werden pro Jahr in der dortigen Sana-Klinik mehr als 3000 künstliche Gelenke eingesetzt – der höchste Wert in Brandenburg, der zweitgrößte in Deutschland. „Da kann man stolz drauf sein“, sagt Volker Liefring, der Chefarzt der Rehaklinik im Kremmener Ortsteil.

Lindern, bewegen, stärken. Das sind die Stichworte, wegen der die Patienten nach Sommerfeld kommen. Sie haben Schmerzen – im Rücken, im Nacken, an der Hüfte, in den Knien. Längst nicht immer sind Operationen notwendig. Dann werde konservativ behandelt, sagt Volker Liefring: „Mit Krankengymnastik, Bewegungsbädern oder auch gezielten Spritzen.“ Es sei wichtig, den richtigen Zeitpunkt für eine OP zu finden. „Nicht zu früh, aber auch nicht zu spät“ sollte sie stattfinden. Man müsse bedenken, dass neue Gelenke im Durchschnitt 15 bis 20 Jahre halten, danach sei bei manchen Patienten eine Wechsel-OP nötig. Bei Jüngeren müsse also genau untersucht werden, ob die OP schon unabwendbar sei. „Denn man muss sich klar darüber sein, dass irgendwann noch eine OP anstehen könnte.“ Andererseits gebe es „tapfere Haudegen, die Schmerzmittel nehmen und Folgeschäden an Rücken und Muskeln durch falsches Laufen bekommen“, erklärt der Chefarzt.

Chefarzt Volker Liefring. Quelle: Robert Tiesler

In Sommerfeld wird konservativ und operativ behandelt, die Reha erfolge ebenfalls dort. Aus Sicht von Volker Liefring sei das ein großer Vorteil für alle Beteiligten, weil alle Abteilungen Hand in Hand arbeiten würden. Die Ärzte beraten sich in schwierigen Fällen gegenseitig.

Auch in der Reha gibt es mehrere Varianten der Betreuung: stationär oder ambulant. Es gibt auch Patienten, die gar keine Reha brauchen. „Jüngere gehen erst mal ein bis zwei Wochen nach Hause, zur Wundheilung. Ältere Patienten gehen oft direkt rüber zur Reha. Viele sind sonst zu Hause unsicher.“ Sinn der Reha – zum Beispiel nach einer Hüftoperation - seien aus Sicht des Chefarztes nicht nur das allgemeine Wohlbefinden und der Muskelaufbau, „sondern auch Sicherheit und Teilhabe.“ Es gehe darum, dass der Mensch danach wieder in den Alltag abtauchen könne – ohne Ängste. Volker Liefring stellt klar: „Reha ist Arbeit.“

Bevor es losgeht, gibt es eine Aufnahmeuntersuchung durch einen der Ärzte. „Dort wird der Patient noch mal richtig befragt und untersucht. Außerdem werden die Rehaziele vereinbart.“ Geklärt werden müsse: Was will der Patient? Was ist ihm wichtig? „Der eine sagt, er will einfach nur wieder laufen können, ein anderer will wieder Ski fahren oder zur nächsten Radtour.“ Es liege also auch ganz individuell an jedem Patienten, worauf die Reha am Ende hinauslaufen solle.

Anhand der Untersuchungen vor dem Start der Reha wird der Therapieplan erstellt. Die Behandlung erfolgt in vielen Schritten: Dazu gehören Krankengymnastik, Ergotherapie, Massagen, Reizstrom oder auch Gruppenbehandlungen. Wichtig ist in Sommerfeld auch die Medizinische Trainingstherapie (MTT) mit diversen Trainingsgeräten für die Kraftausdauer und die Koordination.

Nach Arbeitsunfällen absolvieren die Patienten auch eine medizinisch-berufliche Orientierung. Dachdecker beispielsweise können schon in der Rehaklinik üben, wie sie wieder angstfrei aufs Dach steigen können.

Ebenso zur Reha gehört, so Volker Liefring, die Edukation, die Patientenschulung. „Das sind Schulungsprogramme, teilweise richtige Unterrichtseinheiten.“ Da gehe es auch um den Umgang mit dem Schmerz, der auch nach OPs nicht immer komplett verschwunden sein kann. Stichwort: lindern. „Restschmerz wird schlimmer, wenn man sich nicht bewegt.“ Man müsse im Kopf begreifen, dass manchmal der Schmerz bleibe. Bei etwa fünf bis zehn Prozent der Hüftpatienten können nach der Behandlung noch Schmerzen auftreten, bei den Kniepatienten übrigens in etwa 20 Prozent der Fälle. „Da muss man dann ganz genau gucken, was die Ursache ist“, sagt der Sommerfelder Chefarzt.

Eine Altersgrenze für Gelenk-OPs will Volker Liefring in der Klinik in Sommerfeld nicht setzen. „Wir haben ein gutes Gesundheitssystem, wo keinem eine solche Behandlung verwehrt bleibt.“ Im Alter gehe es eher darum, ob der Körper eine Narkose gut überstehe. „Sonst operieren wir ohne Wenn und Aber.“

Von Robert Tiesler

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