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Oberhavel Jubilar und Trabi-Fahrer
Lokales Oberhavel Jubilar und Trabi-Fahrer
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16:59 18.01.2018
„Ich bin ein Kind der DDR“, sagte Gerhard Steger gerne über sich. Mit seinem „Dienstwagen“ erledigt er auch jetzt noch gerne zahlreiche Wege.
„Ich bin ein Kind der DDR“, sagte Gerhard Steger gerne über sich. Mit seinem „Dienstwagen“ erledigt er auch jetzt noch gerne zahlreiche Wege. Quelle: Bert Wittke
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Neuholland

Vor genau zehn Jahren hatte es den Anschein, als sei ganz Neuholland auf den Beinen, um einem der ihren die Hand zu schütteln. Gerhard Steger war damals 70 Jahre alt geworden. Was der Mann, der nicht nur viele Jahre Bürgermeister von Neuholland war, für das Dorf geleistet hat, füllt inzwischen dicke Aktenordnern. Deshalb sind sich nicht wenige Leute einig, dass der Name Gerhard Steger einmal in die Annalen der Ortsgeschichte eingehen wird.

Zehn Jahre später ist Gerhard Steger immer noch beinah täglich für seinen Heimatort auf Achse. Und vermutlich wäre es zahlreichen seiner Mitmenschen erneut ein Bedürfnis, dem Mann zu dessen Geburtstag, der sich am Freitag zum 80. Mal jährt, die herzlichsten Glückwünsche zu überbringen. Doch da müssen sich die Leute etwas gedulden. Denn anders, als an so vielen bisherigen Jubiläumstagen, ist Gerhard Steger diesmal nicht zu Hause, sondern etliche Kilometer von seinem ach so geliebten Neuholland entfernt. Mit der Gaststätte „Zur Eisenbahn“ in Grüneberg war die Lokalität, in der das Geburtstagskind seine Gäste empfangen wollte, bereits ausgesucht. Doch dann hat sich der Familienrat doch noch gegen sein Oberhaupt durchgesetzt. Und so feiert Gerhard Steger seinen Ehrentag mal nicht in großer Runde in Neuholland, sondern unter vier Augen in Heringsdorf. Dort, an der Ostsee, verbringt er ein paar Tage mit seiner Ehefrau Brigitte, die all die Zeit, da Gerhard Steger im Auftrag und für das Gemeinwohl seiner Mitmenschen unterwegs war, auf die Anwesenheit ihres Mannes verzichten musste.

Mit seinem Trabi transportiert Gerhard Steger im Interesse seines Dorfes noch heute viele Dinge. Quelle: privat

Im Trabant haben sich die beiden mit Sicherheit nicht auf den Weg an die Waterkant gemacht. Obwohl dieses Auto ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal Gerhard Stegers ist. Er hat den Wagen mit dem Baujahr 1989 ein Jahr später für 2000 D-Mark in Friedrichsthal gekauft und fortan als Bürgermeister-Dienstwagen genutzt. Während viele seiner Amtskollegen teure Autos fuhren, blieb der Neuholländer stets so, wie ihn seine Umwelt immer erlebt hat – bescheiden. 1990 war der Trabi gerade 13 000 Kilometer gelaufen. Inzwischen stehen rund 125 000 Kilometer auf dem Tacho. Viel hätte nicht gefehlt, und der Trabi wäre 2003 verschrottet worden. Doch das hat Gerhard Steger nicht übers Herz gebracht, Und obwohl er seit 2008 kein Bürgermeister mehr ist, rollt er mit der Rennpappe noch immer durch Brandenburg, wenn er in Neuholländer Angelegenheiten unterwegs ist. Und das kommt trotz seines Alters immer noch sehr häufig vor. Denn Gerhard Steger ist einfach nicht in der Lage, still zu halten. „Ich kann doch nicht nur Händchen halten“, antwortet er jedem, der mit ihm über Ruhestand sprechen möchte. „Was ich einmal angefangen habe, mache ich richtig.“ Diese „naturgegebene Beharrlichkeit“, wie es einmal bezeichnet wurde, ist exemplarisch für ihn. Besonders deutlich wird das an seinem sozialen Engagement für Kinder in Russland. Seit vielen vielen Jahren sammelt der am 19. Januar 1938 im ostpreußischen Gumbinnen, unweit von Kaliningrad, Geborene Hilfsgüter und Geld (bis zum heutigen Tag knapp 100 000 Euro) und war schon 29 Mal dabei, wenn all diese Dinge auf die oft beschwerliche Reise gingen. Die 30. Tour vom 24. bis 27. Mai dieses Jahres soll seine letzte werden. Behauptet der Jubilar zumindest heute. Doch ob er ausgerechnet von der Russland-Hilfe lassen kann? Schwer vorstellbar. Dazu hat er „Mladuschka“ zu sehr ins Herz geschlossen. Mit dem Tanz- und Gesangsensemble aus Kaliningrad fing sein Russland-Hilfe seinerzeit einmal an. Dieses Jahr feiert „Mladuschka“ bereits 25-jähriges Bestehen und war seit der Gründung bereits etliche Male zu Besuch bei den Freunden in Deutschland. Auch dieses Jahr werden die jungen Künstler wieder erwartet. Am 7. September, wenn die freiwillige Feuerwehr in Neuholland 60. Gründungstag feiert. Dann wird mit Sicherheit auch Gerhard Steger unter den Zuhörern sein.

Wer ihn am Freitag in Neuholland vergeblich sucht, muss dennoch nicht auf eine zünftige Geburtstagsfeier verzichten. Bei einem Gartenfest am 23. Juni, bei dem die Familie, zu der neben Ehefrau Brigitte und den vier Kindern inzwischen auch acht Enkel und fünf Urenkel zählen, versammelt ist, sind auch nachträgliche Gratulanten gern gesehen.

Von Bert Wittke

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18.01.2018