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Oberhavel Schlammschlacht beim KSB
Lokales Oberhavel Schlammschlacht beim KSB
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08:00 27.06.2014
Quelle: dpa
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Oranienburg /Hennigsdorf

In dem sechsseitigen Papier war von falschen Abrechnungen, fehlenden Unterschriften des geschäftsführenden Vorstandes unter wichtigen Dokumenten sowie von fragwürdigen Gehaltszahlungen an Geschäftsführer Matthias Senger die Rede.

Der KSB

Der Kreissportbund ist die Dachorganisation von 230 Oberhavel-Vereinen mit mehr als 20.000 Mitgliedern.
Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Förderung des Breiten- und Wettkampfsports sowie die Aus- und Fortbildung im Sport.
Bei Veranstaltungen wie dem Sachsenhausen-Gedenklauf und den Soccertagen tritt der KSB als Veranstalter auf.
Die Vereine zahlen an den KSB als Beitrag 1,50 Euro pro Jahr und Mitglied.

„Die erhobenen Vorwürfe sind haltlos und können nachweislich entkräftet werden“, betont die stellvertretende KSB-Chefin Bianca Rippchen im Namen des Vorstandes. Dieser setzte drei Regionalkonferenzen an. Die erste findet heute um 19 Uhr im Hennigsdorfer „Fair Play“ statt. Rippchen: „Wir wollen uns den Mitgliedern stellen und zu den erhobenen Vorwürfen Stellung beziehen. Wir haben nichts zu verbergen.“

Rückendeckung bekommt das KSB-Gremium durch die brandenburgische Sportjugend in Person von Robert Busch. Der Jugendsekretär nahm die von Sommer erhobenen Vorwürfe persönlich, schließlich gehen die Abrechnungen für Fördermittel über seinen Tisch. Der Funktionär prüfte zum wiederholten Male die fraglichen Belege vom 18. Juli 2010. Der KSB hatte damals eine Fördermittelabrechnung aus Mitteln des Landesjugendplanes für eine Klausur am Werbellinsee vorgenommen – laut Sommer für Unterkunft und Fahrtkosten. „Datum und gefahrene Kilometer sind schon das Einzige, was auf diesen Anträgen stimmen könnte“, schrieb sie im Mai an die Vereine. Ein Kritikpunkt: Bianca Rippchen sei gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Matthias Senger im eigenen Pkw angereist und nicht, wie dargestellt, in zwei Autos. Unter den Fahrtkostennachweisen hätten zudem die nötigen Unterschriften des geschäftsführenden Vorstandes gefehlt.

„Wir merken nichts vom KSB“

Funktionäre großer Oberhavel-Vereine machen sich Gedanken über die Zukunft des Kreissportbundes

Der Rundumschlag und die Folgen: Vier Wochen nach dem geräuschvollen Abgang der langjährigen Vorsitzenden Heidi Sommer wollen die verbliebenen Vorstandsmitglieder des Kreissportbundes Oberhavel die Wogen glätten. Heute findet im Hennigsdorfer „Fair Play“ die erste von drei Regionalkonferenzen statt. Dort will das sechsköpfige Führungsgremium Stellung zu den Vorwürfen beziehen und bei den Zukunftsfragen den Dialog mit den Mitgliedern suchen.

„Diese Veranstaltung können sie sich klemmen“, sagt Jens-Uwe Grande. Der Vorsitzende vom Familiensportverein Oberhavel betont, dass es sich nur um einen Informationsabend handelt, ohne Beschlusskraft. Seine Erwartungshaltung ist gedämpft. „Was soll da groß passieren? Der KSB müsste das Schreiben von Heidi Sommer nehmen und alle Dokumente, die es betrifft, daneben legen. Aber das wird nicht passieren.“ Grande bleibt der Veranstaltung fern – und ist damit nicht allein. Von den knapp 230 Vereinen in Oberhavel meldeten sich bis gestern lediglich drei für die Regionalkonferenzen in der Geschäftsstelle an.

Das überrascht Gertrud Sasse nicht. „Jeder Verein hat mit sich zu tun und mit den Tagesaufgaben“, sagt die Vorsitzende des JCSamura Oranienburg. Auch sie ist heute nicht dabei – betont aber, dass es mit dem KSB so nicht weitergehen könne. Aus ihrer Sicht ist eine außerordentliche Mitgliederversammlung unumgänglich. „Nach den schweren Vorwürfen muss es die geben“, betont auch Grande. Er hatte in den vergangenen Wochen zusammen mit Sasse das Gespräch mit den Vorsitzenden zahlreicher Großvereine gesucht. Ergebnis: „So können wir es nicht laufen lassen. Irgendeiner muss sich jetzt den Hut aufsetzen, damit die Vereine Antworten auf die aktuellen Fragen bekommen“, so Sasse.

Im Rahmen der Regionalkonferenzen werde es die nicht geben, befürchtet Grande. „Der Vorstand kann nur erzählen, dass die Vorwürfe nicht stimmen. Dann steht Aussage gegen Aussage.“ Daher fordert der Leegebrucher die Einsetzung einer Kommission. Diese müsse die Vorwürfe extern prüfen und dann als Bericht an die Mitglieder geben. „Ich will Antworten haben, und die anderen Mitglieder auch.“ Themen wie Verwandtschaftsbeziehungen innerhalb des Vorstandes hätten sich durch den Rücktritt von Sommer nicht aufgelöst. Damit spielt er auf KSB-Vize Bianca Rippchen und Geschäftsführer Matthias Senger an, die seit Jahren liiert sind und zwei gemeinsame Kinder haben.

Sasse stellt die Zukunft des Kreissportbundes nicht nur aufgrund der Querelen in Frage. „Wir merken nichts vom KSB. Wozu haben wir den überhaupt?“, höre sie immer wieder von ihren Mitgliedern. „Ich weiß darauf keine Antwort. Ausbildung und Qualifizierung der Trainer machen wir über die Fachverbände, für den Kindersport haben wir die Vereine.“ Daher plädiert die Judoclub-Chefin für eine Abspeckung des Sportverbandes auf eine Servicestelle, die finanzielle Mittel an die Vereine durchreicht oder sich um Förderantrage kümmert.

So sieht es auch Grande. Er befürwortet die Idee einer reinen Verwaltungsstelle. Das Ansinnen, den KSB mit einem Geschäftsführer zu professionalisieren, sei gescheitert. Daher reiche es, jemanden mit dem administrativen Bereich zu betrauen. „Ich sehe nichts, was den Vereinen dadurch abhanden gehen könnte.“ Vom Fitnesscheck des KSB hält er ebenso wenig wie von den Talentespielen. „Für die Highlights des Jahres könnten Arbeitsgruppen aus den Vereinen gebildet werden. Da sind Leute, die Ahnung haben.“

Von Stefan Zwahr

Wie sieht es Robert Busch? Gegenüber der MAZ betont er ausdrücklich, dass in dem vorliegenden Fall keine Finanzierung von Fahrtkosten durch Landesmittel vorliege – „und somit auch nicht von einer Fehlverwendung von Fördermitteln auszugehen ist“. Darüber hinaus sei die Maßnahme auch durch den Zuwendungsgeber geprüft und für förderwürdig empfunden worden. „Warum auf Grundlage dieses Informationsstandes der Vorwurf der Falschabrechnung von Fördermitteln erhoben wurde, lässt sich durch mich nicht nachvollziehen. Da diese Informationen alle im Detail Frau Sommer mitgeteilt wurden, handelt sich um eine Falschaussage wider besseren Wissens.“

Busch schilderte seine Sicht der Dinge in einem Schreiben an den Vorstand des Kreissportbundes sowie an dessen Geschäftsführer Matthias Senger – und schaltete einen Anwalt ein. „Der Anwalt hat Heidi Sommer mit Schreiben vom 12.Juni darauf hingewiesen, diesbezüglich weitere Falschaussagen in der Presse zu unterlassen. Sollte dies nicht passieren, werde ich sämtliche hier in Betracht kommenden rechtlichen Schritte gegen Frau Sommer ausschöpfen.“

Heidi Sommer war am Donnerstag für eine weitere Stellungnahme nicht zu erreichen.

Querelen im KSB-Vorstand

Heidi Sommer trat am 28. Mai als Vorsitzende des Kreissportbundes Oberhavel zurück – nachdem sie sich erst drei Wochen zuvor erfolgreich der Wiederwahl gestellt hatte.

Heidi Sommer

In einem Schreiben an die Mitgliedsvereine holte die Kremmenerin direkt nach ihrem Abgang zum großen Rundumschlag aus und erhob schwere Vorwürfe gegen die ehemaligen Mitstreiter.
Das Vertrauen zu den Vorstandskollegen sei zutiefst erschüttert worden. „Ich bin auf massiven Widerstand im KSB-Vorstand gestoßen.“ Eine künftige vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nicht realistisch. „Mir ist es nicht gelungen, Mehrheiten zu finden für eine konstruktive, transparente und vertrauensvolle Zusammenarbeit.“
Die Kremmenerin schilderte Fälle, wo aus ihrer Sicht falsche Abrechnungen erfolgten oder wichtige Dokumente nicht vom geschäftsführenden Vorstand unterschrieben wurden. Auch das Gehalt von Geschäftsführer Matthias Senger entspreche nicht den Beschlüssen der Mitgliederversammlung.

Von Stefan Zwahr

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