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Oberhavel Streik für gleichen Lohn in Ost und West
Lokales Oberhavel Streik für gleichen Lohn in Ost und West
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00:17 15.12.2013
Verdi-Funktionärin Erika Ritter (r.) fordert gleiche Bezahlung in Ost und West. Ohne Tarifeinigung werde weiter gestreikt.
Verdi-Funktionärin Erika Ritter (r.) fordert gleiche Bezahlung in Ost und West. Ohne Tarifeinigung werde weiter gestreikt. Quelle: Helge Treichel
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Oranienburg

Pfeifkonzert, Trommelwirbel und Protestreden am Donnerstagvormittag vorm Kaufland in Oranienburg: 350 Mitarbeiter der Handelskette aus mehreren Filialen im Land Brandenburg sahen sich durch "das Verhalten der Arbeitgeber" zum Streik gezwungen. Mit Handzetteln wurden Kunden über die Gründe informiert. "Wir stehen hier heute vor der Tür, weil uns unsere Arbeitgeber nur dann ein bisschen mehr Geld zahlen wollen, wenn wir vorab Verschlechterungen akzeptieren", ist auf den Flugblättern zu lesen.

Als am Morgen die Busse mit den Streikenden anrollten, kam es zu einer Straßenblockade. Drei Lkw eines Abschleppunternehmens aus Oberkrämer hinderten die Streikwilligen daran, auf den Kauflandparkplatz zu fahren. "Das ist eine Brutalität ohnegleichen", ärgert sich Verdi-Gewerkschaftssekretär Uwe Diedrich: "Das habe ich in 24 Jahren noch nicht erlebt. Und die Polizei hat bei diesem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zugeschaut."

"Die Tarifmauer muss weg", rief Verdi-Landesfachbereichsleiterin Erika Ritter den Kaufland-Mitarbeitern und -Kunden kämpferisch zu. Die Gewerkschaftsfunktionärin verhandelt wieder am 17.Dezember mit den Arbeitgebervertretern über einen Tarifvertrag. Der hänge maßgeblich davon ab, ob künftig auch den Kaufland-Mitarbeitern im Osten Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt wird. "Die 387 Euro müssen kommen", forderte Erika Ritter durchs Mikrofon. Es sei nicht akzeptabel, dass Ost und West auch 24 Jahre nach dem Mauerfall noch unterschiedlich bezahlt werden sollen.

Die Streikaktion sorgte für großes Medieninteresse. Quelle: Helge Treichel

Die Arbeitgebervertreter hätten diesen Standpunkt beim Tarifgespräch am Mittwoch mit der schlechteren Konjunktur und geringeren Kaufkraft in den Ostländern begründet, sagte Erika Ritter. "Wir leisten West-Niveau und wir werden nicht bis Sankt Nimmerlein auf die Angleichung warten", hält die Verhandlungsführerin entgegen. Im Osten werde zudem eine Stunde pro Woche mehr gearbeitet. Laut Flugblatt wollen die in der Gewerkschaft Verdi organisierten Mitarbeiter diese Arbeitgeberforderungen nicht akzeptieren: die Einführung einer Niedriglohngruppe ("bei Vollzeit ein Verlust von mehr als 400 Euro"), die Flexibilisierung der Arbeitszeit ("ohne Rücksicht auf Familie"), vier Prozent weniger für Kassiererinnen ("bei Vollzeit ein Verlust von 88,56Euro") und eine unterschiedliche Bezahlung in Ost und West ("Differenz: 387Euro").

Zu den Verhandlungen zwischen den Tarifkommissionen wollte sich Kaufland-Sprecherin Andrea Kübler am Donnerstag nicht äußern, "da Kaufland hierbei nicht vertreten ist". Die Lkw-Blockade begründet sie mit dem Ziel, "dass die anderen Händler durch diese Veranstaltung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden". Geschäftsbetrieb und Kundenverkehr sollten störungsfrei bleiben.

Von Helge Treichel

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