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Oberhavel Kaum Probleme im Klärwerk Liebenwalde
Lokales Oberhavel Kaum Probleme im Klärwerk Liebenwalde
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08:41 04.08.2014
Auf sein Klärwerk lässt Wolfhard Raasch nichts kommen. Das sei gut beherrschbar, meint der technische Leiter.
Auf sein Klärwerk lässt Wolfhard Raasch nichts kommen. Das sei gut beherrschbar, meint der technische Leiter. Quelle: Andrea Kathert
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Liebenwalde

Auch am vergangenen Wochenende wüteten wieder kräftige Gewitter über Oberhavel. Der Deutsche Wetterdienst warnte vor Starkregen mit bis zu 45 Litern pro Stunde. Überschwemmte Straßen waren wieder an der Tagesordnung. Wenn die Gullys der Regenentwässerung verstopft sind oder die Wassermassen nicht bewältigen können, sucht sich das Regenwasser seinen eigenen Weg. Dann landet es im Abwasserkanal, manchmal mit dramatischen Folgen. Vor etlichen Jahren war in Kremmen die Kläranlage übergelaufen, weil das Regenwasser in kürzester Zeit in Unmengen auf der Kläranlage ankam. Die Kremmener mussten Vorsichtsmaßnahmen ergreifen und ein Regenüberlaufbecken bauen.

In Liebenwalde könne so was nicht passieren, sagt Wolfhard Raasch, der technische Leiter des Klärwerkes. „Selbst bei dem Stark regen jetzt haben wir keine Grenzwertüberschreitung.“

Vor zwei Monaten allerdings fielen in Liebenwalde 33 Liter Regen und mehr auf den Quadratmeter. Das hat die Regenentwässerung nicht geschafft. In der Kanalisation bildete sich ein Rückstau. Für einige Liebenwalder hatte das üble Auswirkungen. „Einige Keller wurden überflutet“, sagt Raasch. „Mit Fäkalien.“ So was bekäme man nie wieder raus aus dem Mauerwerk. „Solche Keller kann man eigentlich nicht mehr nutzen“, weiß der Fachmann. Gegen derartige Fälle hilft nur eines: „Die Leute sollten sich eine Rückstausicherung einbauen“, rät Wolfhard Raasch. Entsprechende Klappen gibt es im Baumarkt. Allerdings müssen Rückstauklappen öfter gewartet werden. Entweder man baut sie im Keller gut zugänglich ein. Oder man braucht einen Schacht im Erdreich, um jederzeit ranzukommen. „Eine absolute Garantie ist das auch nicht“, sagt der technische Leiter. Trotzdem rät er jedem zu solch einer Vorsichtsmaßnahme.

An richtige Wetterkapriolen in Liebenwalde kann sich Wolfhard Raasch gut erinnern. Das war im Juli 2011, als an zwei Wochenenden 178 Liter pro Quadratmeter runterkamen. „Da waren die Grundstücke ein halbes Jahr lang überschwemmt“, erinnert sich Raasch. Die Kläranlage lief auf Hochtouren. 8500 Kubikmeter an einem einzigen Tag wurden durchgeschickt. Mehr geht auch nicht. Denn alles, was im Klärwerk ankommt, hängt davon ab, wie viel Abwasser die Pumpwerke und die Kanäle durchlassen können.

Zurzeit werden auf der Liebenwalder Kläranlage durchschnittlich 3000 Kubikmeter Schmutzwasser entsorgt. „Das ist wie ein Kindergeburtstag, wenn man 8500 Kubikmeter betrachtet.“

Eigentlich soll im Liebenwalder Klärwerk nur das Schmutzwasser aus den Haushalten gereinigt werden. Dass immer wieder Regenwasser in die Kanalisation gerät, hat verschiedene Ursachen. An den Straßen, die mit einem Regenwasserkanal ausgestattet sind, werden oftmals die Gullys zu wenig gewartet, sie sind verstopft. Die Folgen sind große Pfützen oder vollkommen überschwemmte Straßen. Das Regenwasser läuft dann über die Kanaldeckel in der Fahrbahnmitte in den offenen Schmutzwasserkanal unter der Straße. Auch Regenwassermulden an den Straßenrändern funktionieren oft nicht. Im Lauf der Zeit sind die Bankette der Straßen immer höher geworden. Das Wasser kann gar nicht in die Mulden und Gräben gelangen.

Erst vor wenigen Tagen hat Wolfhard Raasch wieder so einen Fall in Liebenwalde beobachtet. Vor zwei Bushaltestellen standen große Pfützen, die nur durch die Autos leer gefahren werden, das Wasser kann nicht ablaufen. „Die Wartehäuschen hätte man gleich als Duschkabinen nutzen können“, erzählt Raasch.

Obwohl das Klärwerk bald 20 Jahre alt ist, lässt Raasch auf die Anlage nichts kommen. „Sie funktioniert sehr gut und ist hydraulisch gut konzipiert.“

Den nächsten Gewittergüssen sieht Wolfhard Raasch gelassen entgegen. Sollte wirklich mehr Schmutzwasser anfallen, als die Anlage verkraften kann, dann hat er immer noch Möglichkeiten, einzugreifen. „Dann würden wir die mobile Entsorgung erst mal zurückstellen.“ Oder es werden Pumpwerke abgestellt, auch wenn dann die Gefahr eines Rückstaus entsteht. Denn die wichtigste Aufgabe, die der technische Leiter zu erfüllen hat, lautet: „Die Anlage ist zu schützen.“

DAS KLÄRWERK LIEBENWALDE

  • In Betrieb ging das Klärwerk Liebenwalde im April 1995. Skeptiker hielten die Anlage des Trink- und Abwasserzweckverbandes für überdimensioniert. Heute ist sie voll ausgelastet.
  • Ausgelegt ist die Kläranlage für 14.000 Einwohnerwerte. Die errechnen sich aus der Einwohnerzahl plus Einwohnergleichwerten, beispielsweise für Gaststätten, Schulen oder Krankenhäuser. Gemessen an den Schmutzwerten läuft die Anlage derzeit bei 19.000 Einwohnerwerten. Die Belastungsobergrenze liegt bei 20.000 Einwohnerwerten.
  • Das vier Hektar große Gelände lässt eine Erweiterung des Klärwerks um eine zweite Bearbeitungsstraße zu.
  • Zentral entsorgt wird das Schmutzwasser aus Liebenthal, Groß Schönebeck, Hammer, Liebenwalde, und Neuholland. Freienhagen und Kreuzbruch werden mobil entsorgt. Bei Trockenwetter fallen täglich 1800 bis 2000 m³ Schmutzwasser an, bei Starkregen sind es 3000 bis 4000 m³ .
  • Außer dem technischen Leiter sind fünf Angestellte zuständig für das Klärwerk und 153 Pumpwerke.

Von Andrea Kathert 

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