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Oberhavel Keine Spur vom Mörder
Lokales Oberhavel Keine Spur vom Mörder
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00:41 18.05.2014
Elke Beyer starb 2006. Ihr Mann ist bis heute in psychologischer Behandlung, weil er den Tod seiner Frau nicht überwinden kann. Quelle: Helge Treichel

Der Fall Barbara Zürner

Die 67-jährige Umweltschützerin wurde 1997 am Straßenrand misshandelt und missbraucht. Zahlreiche Medienberichte ergaben keine heiße Spur.

Velten– Sie war Tierärztin sowie engagierte Umweltaktivistin und Kommunalpolitikerin in Berlin-Mitte: Barbara Zürner. Jahrelang arbeitete sie in der Veltener Schmiede von Konrad Pape. Den Weg vom S-Bahnhof Borgsdorf dorthin fuhr sie regelmäßig mit dem Fahrrad. Zwischendurch stieg sie immer wieder ab, um den Müll vom Straßenrand aufzusammeln. Dafür wurde sie 1995 mit dem Umweltpreis der Stadt Velten und 1996 mit dem des Landkreises Oberhavel geehrt. Oft genug wurde sie aber auch von Autofahrern beschimpft.

In den Abendstunden des 30.Oktober 1997 war die damals 67-Jährige wieder auf ihrer Strecke entlang der Pinnower Chaussee unterwegs. In Höhe der Bushaltestelle am Leegebrucher Weg wurde sie im Schutz der Dunkelheit überfallen, brutal zusammengeschlagen und vergewaltigt. Erst am nächsten Morgen wurde Barbara Zürner von einer Jugendlichen entdeckt. Sie hatte schwere Verletzungen an Kopf und Oberkörper, war stark unterkühlt und wurde sofort in eine Berliner Klinik gebracht. Am 3. März 2002 starb sie an den Folgen des Überfalls, ohne noch einmal aus dem Koma erwacht zu sein.

Umweltaktivistin Barbara Zürner. Quelle: Archiv

Trotz umfangreicher Ermittlungen konnte der Mordfall bisher nicht aufgeklärt werden. Erst Ende 2012 war ihr Fall im ZDF-Fahndungsmagazin „Aktenzeichen XY ungelöst“ ausführlich dargestellt worden. Darin war auch auf die verbesserten Möglichkeiten der DNA-Analysen verwiesen worden. „Alle Gegenstände vom Tatort einschließlich der Kleidung werden noch einmal untersucht“, hatte der Neuruppiner Kriminalbeamte Uwe Höke in der XY-Sendung gesagt.

Noch während der Sendung klingelte im Studio das Telefon. Ein zweiter Anruf folgte am nächsten Vormittag. Aber auch diese Hinweise ergaben keine heiße Spur – wie bereits zahlreiche Hinweise nach Medienberichten zuvor. Der oder die Täter bleiben unbekannt, die Tat ungesühnt. Für den entscheidenden Tipp, den jede Polizeidienststelle entgegennimmt, ist eine Belohnung in Höhe von 2500 Euro ausgesetzt.

Das Andenken an die engagierte Berlinerin wird wach gehalten. Der Landkreis benannte seinen Umweltpreis nach ihr.

Der Fall Elke Bayer

Acht Jahre nach dem Mord an seiner Frau ist Rolf Bayer enttäuscht von den Ermittlern. Mordkommission behält Altfälle im Blick.

Schildow–„Mit der Zeit wird es besser“, sagt Rolf Bayer. Zwar sei er nicht mehr in psychologischer Behandlung, aber den Mord an seiner Frau Elke hat er nicht verwunden: „Ob ich jemals wieder ein normales Leben führen kann, weiß ich nicht.“ Während der vergangenen Jahre habe er sich sehr in die Arbeit gestürzt. Das lenkte ihn von dem Schicksalsschlag ab. Die andere Möglichkeit sei nur, dem Alkohol zu verfallen.

 Beinahe acht Jahre ist es her, seit Elke Bayer in ihrer Damenboutique an der Schildower Hauptstraße erschlagen wurde. Als die Nation am 24.Juni 2006 dem WM-Spiel Deutschland – Schweden entgegenfieberte, fand Rolf Bayer seine sterbende Frau mit einer schweren Kopfverletzung im Landen. Das war 15 Minuten, nachdem der Wachschutz ihn gegen 15.15 Uhr angerufen hatte, weil die Alarmanlage nach Geschäftsschluss nicht scharf geschaltet worden war. Obgleich die 40-Jährige sofort ins Krankenhaus geflogen wurde, starb sie wenig später. Noch heute ist es ein Trost für den 50-Jährigen, dass sie seine Anwesenheit gespürt habe.

So hatte Rolf Bayer nach dem Mord das Andenken an seine Frau bewahrt. Quelle: Helge Treichel

Doch der Witwer ist auch verbittert. „Ich bin super enttäuscht von der Polizei und der Staatsanwaltschaft“, sagt er. Die hätten sich „schon ewig“ nicht mehr bei ihm gemeldet. Für ihn sei es „unbegreiflich“ , dass in dem Mordfall nichts mehr unternommen werde – und das bei den modernen Ermittlungsmethoden. Die Zeit verstreiche, und es werde immer schwerer, noch etwas herauszufinden. Er überlegt, die Belohnungssumme von 20000Euro noch einmal um 10000Euro zu erhöhen. „Meine einzige Hoffnung ist, dass durch irgendeinen Zufall noch etwas herauskommt.“
„Das erscheint mir nicht ganz unzutreffend“, sagt Oberstaatsanwalt Andreas Pelzer, in Neuruppin für die Kapitalverbrechen zuständig. Natürlich könne der Zufall helfen, aber neue Techniken und Hinweise könnten dies ebenso. Im Fall von Elke Bayer „gibt es jedoch im Moment nichts Greifbares“, gibt Pelzer zu. „Wir haben in alle Richtungen ermittelt und alles ausgeschöpft.“

Solche Ermittlungsakten bekommt Kriminalhauptkommissar Axel Hetke auf den Tisch. Der 56-Jährige leitet im Landeskriminalamt Eberswalde eine Mordkommission, die sich ausschließlich mit alten ungelösten Fällen befasst. Insgesamt 116 solcher Fälle gibt es nach seinen Worten, darunter sind 25vermisste Personen und sogar Delikte aus den 1940er-Jahren. Lediglich für die DDR-Tötungsdelikte reicht die praktische Arbeit nur bis 1965 zurück. Denn laut dem damals gültigen Recht verjährte Mord nach 25Jahren. Als Stichtag dafür gilt der 3. Oktober 1990. Diese Besonderheit gelte jedoch nur, wenn die Justizbehörden keinen Grund sehen, doch tätig zu werden. Denn grundsätzlich gelte: „Mord verjährt nie.“

Axel Hetke leitet beim LKA in Eberswalde die Mordkommission für ungeklärte Altfälle. Quelle: Helge Treichel

Bei den Altfällen konzentrieren sich die Ermittler zunächst auf „vorhandene Spuren, die noch nicht DNA-analytisch untersucht wurden“, sagt Hetke. Das gelte für Straftaten vor 1995. So konnte zum Beispiel der Sexualmord an einer 15-jährigen Tramperin aus Neubrandenburg aufgeklärt werden – 20 Jahre nach der Tat am 19.Mai 1991. Im Zuge der Ermittlungen waren vor drei Jahren mehr als 2200Männer zu einem DNA-Test aufgerufen worden. Der Täter konnte dennoch nicht verurteilt werden: Er hatte sich Anfang Dezember 2011 vor einen Zug geworfen, in einem Abschiedsbrief aber Andeutungen zum Mord hinterlassen.

Jede Mordkommission bearbeite ihre Fälle mit außergewöhnlicher Sorgfalt, sagt Axel Hetke. Was nach dem Stand der Technik möglich ist, werde auch getan. Der Kriminalhauptkommissar muss es wissen: Bis zur Polizeireform im November 2011 war seine Abteilung eine Mordkommission wie jede andere. Altfälle wurden allerdings häufig von aktuellen, dringlicheren Aufgaben überlagert. „Heute ist eine Kontinuität gegeben“, sagt Hetke mit Blick auf seine Abteilung: „Wir sind nicht zu jeder Zeit an jedem Fall dran, aber wir behalten alle im Blick.“

Die Kriminalpolizei sicherte im Juni 2006 umfangreiches Spurenmaterial am Tatort. Neben 50 Euro verschwanden ein Schlüsselbund sowie eine Geldbörse mit diversen Papieren von Elke Bayer. Quelle: Helge Treichel

Die Kritik, dass sich Angehörige von Opfern zum Teil nicht besonders gut informiert fühlen, kann Hetke nachvollziehen. „Das ist aber ein Muss, weil Detailwissen gerichtsrelevant sein kann – bis hin zum Täterwissen.“ Im Zuge eines Gerichtsverfahrens könnten zu viele herausgegebene Informationen sogar verhindern, dass ein Täter überführt werden kann. Deswegen gehe es für die Ermittler vor allem darum, eine grundsätzliche Gewissheit zu vermitteln, so Hetke: „Wir tun alles Machbare. Und da geht es nicht um Details.“

Noch heute grüble er über die Frage nach dem Wer und Warum, sagt Rolf Bayer. Er begreife nicht die Sinnlosigkeit der Tat. „Das ist es, was mich so oft traurig und wütend macht: Ich finde keine Antworten. Das zermürbt einen.“ Der 50-Jährige möchte inzwischen einen Schlussstrich ziehen: „Ich lebe noch hier und hänge an dem Haus. Aber ich spiele mit dem Gedanken, neu anzufangen.“

Der Fall Maike Thiel

Ein Mord ohne Leiche. Ex-Freund und seine Mutter vor Gericht.

Leegebruch– Die damals 17-jährige Maike Thiel aus Leegebruch verschwand am 3. Juli 1997. An diesem Donnerstag wurde die hochschwangere junge Frau um 10.20 Uhr letztmalig im Hennigsdorfer Krankenhaus gesehen, wo sie einen Arzttermin wahrgenommen hatte. Intensive Suchmaßnahmen mit Polizeihubschrauber, Bereitschaftspolizei, Suchhunden, breit gefächerten Ermittlungen in alle Richtungen, Plakataktion sowie einer bundesweiten Öffentlichkeitsfahndung führten nicht zu ihrem Auffinden. Die Neuruppiner Staatsanwaltschaft und die Ermittler des zuständigen Dezernates Schwere Kriminalität der Polizeidirektion Nord gehen davon aus, dass die Vermisste Opfer eines Verbrechens wurde.

Die schon schwangere Maike Thiel. Quelle: Polizei

Fast 16 Jahre nach dem Verschwinden von Maike Thiel begann vor genau einem Jahr vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder. Ein Prozess ohne Leiche. Angeklagt sind der 35-jährige Michael Sch., einstiger Freund und Vater des noch ungeborenen Kindes von Maike Thiel, dessen 80-jähriger Bekannter Manfred S. sowie seine 61-jährige Mutter Christine Sch., die zu der Tat angestiftet haben soll. Der Sohn und der Auftragsmörder sollen die Schwangere in einem Pkw vor dem Krankenhaus ins Auto gelockt, in ein Waldstück gefahren und im Wagen getötet haben. Das gab eine ehemalige Freundin von Michael Sch. zu Protokoll. Doch ihre Glaubwürdigkeit wird von der Verteidigung angegriffen. Als schwierig hat es sich erwiesen, eine übertätowierte Bisswunde nachzuweisen, die Maike ihrem mutmaßlichen Mörder im Todeskampf zugefügt haben soll. Zusätzliche Pannen erschweren den Indizienprozess: Das Protokoll über die Vernehmung der Hauptbelastungszeugin Dominique S. ist verschwunden. Und ein Polizeibeamter durfte nicht vor Gericht aussagen, weil er MichaelSch. vor der Vernehmung nicht über seine Rechte aufgeklärt hatte. Nach 41 Prozesstagen bleibt  also alles offen im Fall Maike Thiel.

Von Helge Treichel

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