Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel Kinder- und Jugendnotdienst in Oberhavel neu aufgestellt
Lokales Oberhavel Kinder- und Jugendnotdienst in Oberhavel neu aufgestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:46 02.04.2020
Der Kinder- und Jugendnotdienst Oberhavel ist neu aufgestellt. Quelle: dpa
Anzeige
Oranienburg

Der umstrukturierte und erweiterte Kinder- und Jugendnotdienst des Landkreises Oberhavel hat am 1. April mit seiner Arbeit begonnen. Der Landkreis Oberhavel und die navitas gGmbH – ein freier Träger der Jugendhilfe – haben gemeinsam ein umfassendes Paket zum Kinder- und Jugendschutz geschnürt. Der Vertrag über die Wahrnehmung dieser Aufgabe mit dem Evangelischen Johannesstift war zum Jahresende 2019 ausgelaufen.

Drei Komponenten des Kinder- und Jugendnotdienstes

Anzeige

„Der Träger will sich künftig auf andere Kernfelder der Kinder- und Jugendhilfe konzentrieren. Auf Grund der Entwicklung der Fallzahlen und auch der Komplexität vieler Fälle haben wir uns entschlossen, den Kinder- und Jugendnotdienst neu aufzustellen“, erläutert Kerstin Niendorf, Dezernentin für Bildung, Jugend und Gesundheit, die neue Ausrichtung. „Das Angebot des Kinder- und Jugendnotdienstes besteht nunmehr aus drei Komponenten – dem Krisentelefon, einem ambulanten Bereitschaftsdienst und einer stationären Inobhutnahmestelle. Damit stehen wir rund um die Uhr allen jungen Menschen, deren Familien oder Institutionen, die in Krisensituationen Hilfe benötigen, mit einem umfassenden Angebot zur Verfügung.“

Kostenfreie Krisentelefonnummer jederzeit erreichbar

Das neue Angebot ist außerhalb der Servicezeiten des Fachbereichs Jugend, an gesetzlichen Feiertagen des Landes Brandenburg sowie während der Schließzeiten der Kreisverwaltung nutzbar. Die Rufnummer des kostenfreien Krisentelefons lautet 0800/00 09 836. Der ambulante Bereitschaftsdienst wird durch die Mitarbeiter des Krisentelefons aktiviert, wenn Familien oder das nähere Umfeld von jungen Menschen nicht in der Lage sind, Gefahren aus eigenen Kräften abzuwenden. Er klärt – gegebenenfalls auch gemeinsam mit der Polizei – krisenhafte oder kindeswohlgefährdende Situationen in Familien oder Institutionen vor Ort ab, insbesondere, wenn es sich um Gewalt oder die Verwahrlosung von jungen Menschen handelt. Der Kinder- und Jugendnotdienst übernimmt für Einzelfälle auch den Clearingprozess.

Stationäre Inobhutnahmestelle: Platz für acht junge Menschen

In der stationären Inobhutnahmestelle können bis zu acht junge Menschen im Alter von 7 bis 17 Jahren Aufnahme finden. „Sie werden hier Tag und Nacht betreut, versorgt und emotional aufgefangen. Gemeinsam mit den ihnen und ihren Sorgeberechtigten suchen wir nach Lösungen, wie sie sich gewaltfrei und unter bestmöglichen Bedingungen in oder außerhalb der Familie weiterentwickeln können“, beschreibt Fachbereichsleiterin Kirstin Fussan die Verfahrensweise. „Es gibt zunehmend junge Menschen zwischen 15 und 17 Jahren, die in ihrem Leben bereits so viel Negatives erlebt haben, dass es ihnen nur schwer gelingt, sich auf Hilfen einzulassen. Für diese Betroffenen stehen zusätzlich zwei Plätze ‚Bett ohne Bedingungen’ zur Verfügung. Diese wollen wir nutzen, die jungen Menschen für Ansprache oder Hilfen zu öffnen oder ihnen einfach nur in einer Krisensituation einen Schlafplatz zur Verfügung zu stellen“, so Kirstin Fussan.

In den vergangenen zehn Jahren hatte das Evangelische Johannesstift die Aufgabe des Kinder- und Jugendnotdienstes wahrgenommen. „Mein Dank gilt Norbert Schröder und seinem Team. Unter nicht immer leichten Bedingungen hat dieser freie Träger über einen langen Zeitraum den ambulanten Bereitschaftsdienst und die Inobhutnahmestelle für den Landkreis Oberhavel aufrecht erhalten“, lobt Kerstin Niendorf. Die Dezernentin dankt in diesem Zusammenhang auch den freien Trägern, die in vergangenen drei Monaten Plätze für die Inobhutnahmen im Landkreis zur Verfügung gestellt haben. Eine nahtlose Fortsetzung nach Auslaufen des Vertrages war nicht möglich gewesen, weil die genutzte Immobilie erst mit Beendigung des Ausschreibungsverfahrens und der Auswahl des neuen Trägers entsprechend der gesetzlichen Vorgaben umgebaut werden konnte.

Die navitas gGmbH wurde in einem Interessenbekundungsverfahren gefunden. Sie ist ein fachlich qualifizierter Träger mit Standorten und Projekten in mehreren Berliner Bezirken, München und Brandenburg, der seit vielen Jahren in der Jugendhilfe tätig ist und über detaillierte Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen in besonders schwierigen Lebenslagen verfügt. Für den Abschluss der Vereinbarung waren die entsprechenden Fachausschüsse des Kreistages beteiligt worden.

Von MAZonline

Anzeige