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Oberhavel Kirchweihe in Sachsenhausen vor 100 Jahren
Lokales Oberhavel Kirchweihe in Sachsenhausen vor 100 Jahren
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08:45 20.12.2014
Historsiches Foto der Kirche Sachsenhausen.
Historsiches Foto der Kirche Sachsenhausen. Quelle: Repro Bodo Becker
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Sachsenhausen

Elf Monate nach der Grundsteinlegung lädt der Gemeindevorsteher Friedrich Siewert die evangelischen Hausväter von Sachsenhausen zu einer Zusammenkunft in das Schulhaus der Gemeinde ein. Auf der Tagesordnung stehen neben „Verschiedenes“ nur zwei historische Beschlüsse: 1. Die Begründung der Kirchengemeinde Sachsenhausen. 2. Einweihung der Kirche.

Im ersten Kriegsjahr des noch ungezählten Weltkrieges ist es den Verantwortlichen und ausführenden Bauhandwerkern gelungen, innerhalb eines Jahres dieses Ortsbild prägende Bauwerk zu errichten. Eindrucksvoll ist der Turm als neues Wahrzeichen für alle Heimkehrer, die Sachsenhausen ihre Heimat nennen, schon von Weitem sichtbar. Dazu gehören neben den Schiffern, die zu ihrer Winterruhe nach Hause kommen, nun auch die Soldaten des Ersten Weltkrieges. Der mit Schiefer gedeckte und mit mehreren kuppelartigen Aufbauten versehene Turm erhebt sich auf einem wuchtigen, vertikal gegliederten Unterbau.

Alle ausführenden Baugewerke kommen aus Oranienburg und Sachsenhausen

Der Architekt der Kirche, der Königliche Baurat Georg Büttner, kann sein vollendetes Werk nicht mehr betrachten. Er musste die Arbeiten mit Beginn des Krieges an seinen Mitarbeiter Hans Palm übertragen. Im Oktober war er an den Folgen einer Kriegsverwundung in Flandern gestorben. Alle ausführenden Baugewerke kommen aus Oranienburg und Sachsenhausen. Stellvertretend sollen hier vier Handwerksmeister Erwähnung finden. In den Händen des damals 29-jährigen Maurermeisters Richard Daßler aus Oranienburg haben die Maurerarbeiten gelegen. Dessen Großvater und Vater besaßen bereits als Maurermeister Verantwortung bei der Errichtung (1864/65) und Turminstandsetzung (1908) der Oranienburger Nikolai-Kirche.

Das Kirchengestühl, den Altartisch und die Kanzel fertigte Tischlermeister Reinhard Ortmann. Den hölzernen Altar baute der Tischlermeister Friedrich Diedrich. Schmiedemeister Johannes Siebert gestaltete den friderizianischen Adler für die Türen. Alle drei sind in Sachsenhausen zu Hause.

Eine farbige Rankenmalerei schmückt den Altarraum, den Chor, die Wände, die Emporen und die hölzerne Kassettendecke. Erschaffen hat sie der Berliner Maler Otto Steinacker. Die bleiverglasten Fenster entstanden in der Kunstanstalt für Glasmalerei von Georg Engel in Berlin.

Die Orgel baute die Orgelbauanstalt Wilhelm Sauer aus Frankfurt (Oder). Aus Thüringen kamen von der Hofglockengießerei Franz Schilling Söhne die drei Glocken.

Festakt am 4. Advent

Der Festakt beginnt um 14 Uhr mit einer Abschiedsfeier im Schulhaus, wo bisher die Gottesdienste für die Gemeinde stattgefunden haben. Nach einem Gesang und einem Gebet von Pfarrer Paul Messerschmidt zieht die Gemeinde zum neuen Kirchengebäude. Vor der verschlossenen Kirchentür überreicht Konsistorialpräsident Hermann Steinhausen den Schlüssel an Pfarrer Messerschmidt, der die Kirche öffnet.

Etwa 500 Anwesende muss die Kirche aufnehmen, so dass nahezu die Hälfte von ihnen in den Gängen und auf dem Chor stehen muss. Generalsuperintendent der Kurmark, David Köhler, hält vom Altar die Weiherede. Ausgehend von der Tatsache, dass sich nicht wenige Gläubige in den letzten Jahren von der Kirche abgewandt haben, zeigt er eine zunehmende Rückkehr zum Glauben auf, wie man den Feldpostbriefen der Soldaten an der Front entnehmen könne. „Das muss aber in Zukunft nun so bleiben…Darum geht fleißig in die Kirche, damit sie nicht nur eine Zierde des Ortes sei…“

Kein Unfall während der Bauarbeiten

In feierlichem Gebet weiht der Generalsuperintendent dann das neue Gotteshaus unter dem Gesang des Kirchenchores ein. Nun besteigt Oberpfarrer Theodor Thiele die Kanzel zur Festpredigt. Sein ausdrücklicher Dank gilt allen, die am Bau beteiligt waren. Kein Unfall hat sich beim Bau ereignet. Auch er weist auf die herausragende Rolle des christlichen Glaubens in dieser Zeit des Krieges hin. In Anlehnung an den Rütlischwur aus Schillers Drama „Wilhelm Tell“ schließt Thiele mit den Worten: „Wenn wir jetzt zusammenstehen als ein einzig Volk von Brüdern…“

Nach dem Ende der Festpredigt nimmt Köhler die Taufe von zwölf Kindern vor. Mit dem Segen und einem Gemeindegesang findet die Kirchweihe ihren Abschluss.

Von Bodo Becker

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