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Kremmen 1942: Am Krämerwald befand sich das zweite Berlin
Lokales Oberhavel Kremmen 1942: Am Krämerwald befand sich das zweite Berlin
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00:21 01.04.2019
Scheinanlagen im Zweiten Weltkrieg, zwischen Groß-Ziethen und Klein-Ziethen (1) und zwischen Eichstädt und Neu-Vehlefanz (2). Quelle: Archiv Peter Reinhardt
Oberkrämer/Groß-Ziethen

Die Engländer sind anfangs tatsächlich darauf reingefallen. 1942 befand sich ein Teil von Berlin zwischen Eichstädt und Neu-Vehlefanz. Ein weiteres Stück zwischen Groß-Ziethen und Klein-Ziethen. Es war nicht wirklich ein Stück Berlin – es waren so genannte Scheinanlagen, die den Fliegerbombern im Zweiten Weltkrieg weismachen sollten, dass sie Berlin bereits erreicht haben.

Der Hobbyforscher Peter Reinhardt aus Berlin befasst sich seit einigen Jahren mit diesem wenig bekannten Stück Historie. „Die Leute hier in der Gegend haben das aber natürlich registriert“, erzählt er. Ob sie wussten, wofür genau diese Anlagen gedacht sind, ist unklar. Im Nachhinein jedoch wurden immer wieder Geschichten erzählt. Von einem Bötzower hat Reinhardt gesagt bekommen, dass er einst mit dem Vater übers Feld lief und der dann sagte: „Da haben sie Neu-Berlin aufgestellt.“ Die ehemalige Neu-Vehlefanzer Bürgermeisterin Irene Hoppe hatte ihm auch davon berichtet. „Bei einem Kaffeekränzchen wurde mal alles auf eine Karte gemalt, was dort erzählt worden ist.“

Hobbyforscher Peter Reinhardt aus Berlin bei einem Vortrag in Eichstädt. Quelle: Robert Tiesler

Durch gezielte Lichtsetzungen und Effekte sollte aus der Luft betrachtet alles so aussehen, als befänden sich die Flieger schon über Berlin. „Der Sinn bestand darin, das scheinbare Berlin so zu verteidigen, als wäre es das richtige Berlin“, sagt der Hobbyforscher. Licht wurde so installiert, dass es aussah wie ganze Straßenzüge, Kreuzungen oder Häuser. So soll sich die Friedrichstraße in Berlin-Mitte als Scheinanlage auf einem Feld zwischen Eichstädt und Neu-Vehlefanz befunden haben. Waldschneisen wurden geschlagen und mit Lichtern versehen, so dass sie wirkten wie städtische Straßenschluchten. Auch auf den Feldern zwischen Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald — auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen.

Wie Peter Reinhardt herausgefunden hat, gab es 1942 rund um Berlin 59 solcher Anlagen verschiedenster Art. Durch Lichter ist der Flughafen Tempelhof ebenso nachgestellt worden wie der Rangierbahnhof am Anhalter Bahnhof oder diverse Werksanlagen. Rund um den Krämerwald befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500”, die Engländer gaben ihr den Namen „Devoy City” oder auch „Berlin-Nauen 1”, als die Existenz der Anlagen bekannt wurde. An zwölf Stellen sollte sie eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren.

Peter Reinhardt bei einem Vortrag 2018 in Leegebruch. Quelle: Ulrike Gawande

Den Betrieb dieser Anlagen stellten Kräfte der Luftwaffe sicher. Unweit davon gab es leichte Bunker, um die Kräfte vor Luftangriffen zu schützen. Dass sich „Neu-Berlin“ dort befand, führte aber auch dazu, dass über diesen Arealen öfter Bomben gefallen sind.

Tatsächlich seien die Engländer nach ihren Angriffen anfangs noch davon ausgegangen, dass Berlin bombardiert worden sei. „Dann schickten sie Erkundungsflieger, und alles war noch ganz“, erzählt Peter Reinhardt. Sie hätten dann selbst eingeschätzt, dass sie die Originalziele nicht gefunden hätten. Das gehe aus Unterlagen aus der damaligen Zeit hervor. Andererseits gab es eine hohe Konzentration von Abschüssen. In der Region sind zu dieser Zeit aber auch etwa 30 englische und amerikanische Flieger abgestürzt.

In Archiven gibt es noch Material

Zu diesem Thema gebe es relativ wenig Material, sagt Peter Reinhardt. Allerdings sei er in den vergangenen Jahren beispielsweise in russischen Archiven fündig geworden. „Eine Hauptquelle ist das Nationalarchiv in England.“ Dort sei ein Großteil der Dokumente zu diesem Thema erhalten geblieben. „In Moskau kann man jetzt außerdem Akten der ersten Flak-Division einsehen. Da stehen Gefechtsberichte drin.“ Die Unterlagen seien nun einsehbar, weil Archivzeiten abgelaufen seien. „Da gibt es wohl eine Unmenge an deutschsprachigen Dokumenten, aber auch auf Russisch und teilweise übersetzt.“

Würde man sich heute auf die Suche nach Überresten machen, würde man wohl kaum was finden. „Man findet was, wenn man weiß, was es ist. Man findet von Radaranlagen die Fundamente, oder in Grünefeld gibt es noch zwei Bunker.“

Immer wieder hält der Berliner Vorträge in der Region, zuletzt am vergangenen Freitag in der Eichstädter Kultur- und Kinderkirche. „Mir geht es darum, die Historie zu erhalten und den Leuten Wissen zu vermitteln.“ Tatsächlich sind seine Vorträge immer recht gut besucht. Ob er seine Forschungsergebnisse mal in ein Buch packt, das kann Peter Reinhardt momentan aber noch nicht sagen.

Von Robert Tiesler

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