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Kremmen Ganz Flatow ist auf den Beinen
Lokales Oberhavel Kremmen Ganz Flatow ist auf den Beinen
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18:21 28.07.2019
Die aktiven Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner vor ihrem festlich geschmückten Tragkraftspritzenfahrzeug. Quelle: Robert Roeske
Flatow

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass am Sonnabendmorgen irgendein Flatower verschlafen hatte – spätestens um 9.30 Uhr war jeder wach. Denn da rollte ein Korso von etwa 20 Feuerwehrautos mit eingeschaltetem Martinshorn durch den Ort. Neben allen drei freiwilligen Feuerwehren von Kremmen beteiligten sich die Nachbarwehren Börnicke, Linum und Nauen an dem lautstarken Umzug zu Ehren des 110. Jahrestags der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Flatow.

Irgendwie scheinen fast alle Flatower mit der Freiwilligen Feuerwehr verbunden zu sein, ob als Aktiver, Ehemaliger, Angehöriger oder Elternteil von „Löschkrümeln“ oder Jugendfeuerwehr. Wer doch nicht dabei ist, ist wenigstens in irgendeiner Weise beim Sportverein Rot-Weiß Flatow. Der feierte am selben Tag sein 70-jähriges Bestehen. „Ich finde es schön, dass zwei Vereine so ein Fest ausrichten“, meint die Ortschronistin Marianne Dietrich, die Frau von Ortsvorsteher Gert Dietrich. Auch Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse bescheinigt seinem Ortsteil: „Das Vereinsleben erlebt man in Flatow ganz dolle.“

Der ganze Ort zieht mit

Kein Wunder, dass die Flatower sich im Vorjahr einig waren, dass der gesamte Bürgerhaushalt für die Sanierung der Feuerwache ausgegeben wird. So angespannt die Finanzsituation für die Feuerwehr auch ist, so dass Bürgermeister Busse gar nicht mehr zählen kann, wie oft der Standort Flatow geschlossen werden sollte – die heutigen Bedingungen sind nichts gegen die, mit denen es die ersten ehrenamtlichen Brandbekämpfer im Gründungsjahr 1909 zu tun hatten.

Ortsvorsteher Gert Dietrich erinnert an Löscheimer aus Leder. Die Großbauern hätten die früheren Brandbekämpfer mit Landtechnik unterstützt. Der auf dem Fest ausgestellte Spritzenwagen von 1926, den Flatows ehemaliger Ortswehrführer Alf Werder vor zehn Jahren in mühevoller Kleinarbeit auf seinem Hof zusammen mit Kameraden restauriert hat, wurde noch gemächlich mit Pferden gezogen und hatte auch keinen Wassertank, wie das heutige Tragkraftspritzenfahrzeug, das zusammen mit zwei weiteren Löschfahrzeugen aus Staffelde Kremmens Löschzug III bildet.

Alte Kameraden erinnern sich

Schwer seien selbst noch die 50er-Jahre für die heute ältesten Kameraden gewesen, erzählen drei von ihnen einhellig. Obwohl nun im Ruhestand, ist jeder dem Verein 60 Jahre und mehr verbunden. Dafür ehrte der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbandes Frank Kliem die Senioren Heinz Budach, Ewald Werder und Horst Schütt mit einer „Urkunde für treue Dienste“.

Die Veteranen Horst Schütt, Ewald Werder und Heinz Budach (v.l.) Quelle: Matthias Busse

Als sie anfingen, zog noch ein LPG-Traktor den Tragspritzenanhänger. „Es hat an allem gefehlt“, erinnert sich Ewald Werder. Erst 1966 bekam Flatow ein Löschfahrzeug. Mit der besseren Ausstattung kamen für den ehemaligen Wehrführer auch neue Aufgaben: „Da wurden wir in den Katastrophenzug mit eingebaut.“

Bis heute löschen die Freiwilligen nicht nur Brände, sondern helfen nach Verkehrsunfällen aus. Am Freitag noch befreiten die Flatower mit Spezialgerät Hand in Hand mit Kameraden aus Beetz und Sommerfeld zwischen Linum und Orion eine eingeklemmte Mutter und ihr Kleinkind aus ihrem Auto. Durch diese wichtigen Aufgaben sei die Diskussion um die Einsparung des Standortes eigentlich absurd, meint Kliem, der die Interessen ehrenamtlicher Feuerwehrleute vertritt. „Die Konsequenz wäre: Wie wird die Sicherheit in Flatow und auf der Autobahn gewährleistet?“, fragt er. Dies wäre eigentlich eine kommunale Pflichtaufgabe, die allerdings Menschen in ihrer Freizeit übernehmen.

Anerkennung könnte größer sein

Daher beurteilt der ehemalige Kreisbrandmeister von Oberhavel das Fernbleiben von Kreisvertretern bei der Jubiläumsfeier als fehlende Wertschätzung. Seine eigene Anwesenheit sei für seine Arbeit sehr wichtig: „Wir wirken bei den Gesetzen mit, das kann man nicht vom grünen Tisch aus machen.“ Obwohl seit Kurzem das Land eine Aufwandsentschädigung zahlt, meint Löschzugführer John Wehden: „Das ist auf jeden Fall eine Anerkennung, aber ich mache das nicht des Geldes wegen.“ Anscheinend nicht nur er, sondern auch der Nachwuchs. Löschkrümel und Jugendfeuerwehr bewiesen beim Fest ihr Können am Strahlrohr.

Von Matthias Busse

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