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Kremmen Stadtrat-Chefin Gebauer zu Bürgermeister Busse: „Da ist die Tür!“
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Im Kremmener Stadtparlament - Stadtrat-Chefin Gebauer zu Bürgermeister Busse: „Da ist die Tür!“

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20:36 19.11.2021
Stefanie Gebauer hat eine Erklärung verlesen.
Stefanie Gebauer hat eine Erklärung verlesen. Quelle: Robert Tiesler
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Kremmen

Richtig miese Stimmung am Donnerstagabend in der Kremmener Stadtparkhalle: Zwischen der Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Gebauer (UWG/LGU) und dem Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) herrscht extrem dicke Luft.

Zu Beginn der Sitzung der Stadtverordneten verlas Stefanie Gebauer eine Erklärung. Sie nahm Bezug auf die Rede Busses zum Karnevalsauftakt, die er öffentlich am 13. November auf dem Rathausbalkon gehalten hatte. Unter anderem sagte er: „Leider galt die Pause nicht für alle Narren, in der SVV konnten einige ihr buntes Programm machen. Wie gern riefe ich da einmal die Quarantäne aus, dann wäre da vielleicht mal Ruhe in unserem hoheitlichen Stadtverordnetenhaus.“

Im Video: Karnevalsstart mit der Rede von Sebastian Busse (ab 4:50 min)

Gebauer zitierte die Kommunalverfassung: „Die Gemeindevertreter üben ihr Amt nach ihrer freien, dem Gemeinwohl verpflichteten Überzeugung im Rahmen des geltenden Rechts aus. Sie sind an Aufträge nicht gebunden.“ Weiter sagte sie: „Stadtverordnete als Narren zu bezeichnen ziemt sich daher nicht. Sich für die SVV Quarantäne zu wünschen, ist inakzeptabel. Kein anständiger Mensch würde sich dies für jemand anderen wünschen, auch nicht aus Spaß.“ Wenn man die Meinung „hier in dieser Runde nicht aushalten kann und alles als Zeitverschwendung ansieht, dann steht es jedem frei zu gehen. Dort ist die Tür!“

Gebauer weiter: „Jeder Mensch, auch an diesem Tisch, ist einzigartig und besitzt seinen eigenen wunderbaren Charakter.“ Jeder habe seine Art, sein Mandat auszuüben, und das sei zu respektieren und nicht in den Dreck zu ziehen. „Ich unterstelle hier niemandem, nicht am Wohle von Kremmen interessiert zu sein. Es gibt aber eben unterschiedliche Sichtweisen darauf, was gut für Kremmen ist, und dies wird hier eben demokratisch am Tisch durch eine Mehrheitsentscheidung beschlossen.“

Sebastian Busse am 13. November mit Narrenkappe in Kremmen. Quelle: Robert Tiesler

Auch über Busses Wort in Richtung Flatow äußerte sich Stefanie Gebauer in ihrer mit deutlicher Wut vorgetragenen Rede. „Sie brüskieren die Menschen in einem Ortsteil und sprechen von Spaltung. Dies ist kein verantwortungsvolles und besonnenes Handeln eines Bürgermeisters. Das gehört sich nicht!“ Die Stadtverordneten stünden für alle Menschen in dieser Stadt und seinen Ortsteilen ein. „Uns ist jeder Kremmener wichtig“, so Gebauer abschließend. Wie sie am Freitag auf eine MAZ-Nachfrage sagte, habe sie allerdings nicht im Namen der Stadtverordneten gesprochen, sie habe die im Stadtparlament verlesene Erklärung allein verfasst. „Daran war niemand beteiligt“, so Stefanie Gebauer am Freitag. Dennoch gab es am Donnerstagabend aber von einigen Stadtverordneten nach der Erklärung Gebauers ein applaudierendes Klopfen auf den Tisch.

Busse reagierte am Donnerstag nicht auf Gebauers Erklärung. Auf Nachfrage am Freitag erklärte er: „Ich habe immer mal wieder einen krummen Spruch den Abgeordneten gegenüber in der närrischen Zeit getätigt.“

Mit der verlesenen Erklärung hatte sich das Thema allerdings noch nicht erledigt. Vor dem Tagesordnungspunkt mit den Anfragen der Abgeordneten informierte Gebauer über die entsprechenden Regeln, dass auf Frage und Antwort nur eine Gegenrede erfolgen dürfe – nachdem sich kurz danach Gebauer selbst nicht daran gehalten hat und weitere Spitzen folgten, sagte Busse sinngemäß und zu den Abgeordneten und Zuschauern gerichtet: „Das ist unsere Stadtverordnetenvorsteherin.“ Was die frostige Stimmung zwischen Gebauer und Busse noch einmal untermauerte.

Von Robert Tiesler