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Kremmen In dieser Senioren-WG in Hohenbruch ist niemand allein
Lokales Oberhavel Kremmen In dieser Senioren-WG in Hohenbruch ist niemand allein
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19:40 24.07.2019
Sonja Schröder (M.) mit der freiberuflichen Pflegekraft Barbara (r.) und einer der WG-Bewohnerinnen. Quelle: Robert Tiesler
Hohenbruch

Silvia* lacht viel, sie ist überhaupt ein fröhlicher Mensch. Aber wo ihr Zimmer ist – daran erinnert sie sich nicht. Sie hat Demenz. Brigitte* ist bettlägerig, aber eben auch nie allein, und Berta* mag es, auf der Terrasse zu sitzen und ein Käffchen serviert zu bekommen.

Alles ist entspannt, alle sind sie – auf ihre jeweilige Art – gut drauf. Die drei Frauen leben in einer privat geführten Senioren-Wohngemeinschaft im Kremmener Ortsteil Hohenbruch. „Sie gibt es seit September 2018“, erzählt Sonja Schröder, die die WG führt. Sie befindet sich im ehemaligen Wohnhaus ihres Bruders Thomas Rohrbeck. „Das Haus stand leer, und wir haben überlegt, was wir Sinnvolles tun können“, erzählt Sonja Schröder. Sie arbeitet seit mehr als 30 Jahren als Pflegefachkraft und hat sich inzwischen als Pflegerin und Betreuerin selbstständig gemacht.

Ein Zuhause wie in einer Familie

Es gibt bislang nur wenige solcher privater Wohngemeinschaften für Senioren, was auch an den hohen Auflagen liegt. „Das muss man durchkämpfen“, sagt Sonja Schröder. Es habe längere Zeit gedauert, bis sie grünes Licht bekommen hat, mit der privat geführten WG an den Markt zu gehen.

Sonja Schröder vor dem WG-Haus. Quelle: Robert Tiesler

Drei Bewohnerinnen leben im Erdgeschoss des Hauses, alle drei haben eigene Zimmer. Sie können gemeinsam die Küche, das Bad und den Hof nutzen. „Das ist ein Zuhause wie in einer Familie“, sagt Sonja Schröder. Außerdem gibt es Barbara im Haus, sie ist eine Pflegekraft, die 24 Stunden am Tag vor Ort ist. Nach vier Wochen kommt Anja, und so wechseln sich die beiden immer ab. Immer wieder im Haus ist aber auch Sonja Schröder selbst, die die Pflegekraft auch mal kurzzeitig vertreten kann. Auch Thomas Rohrbeck packt immer an, wenn es Probleme mit dem Haus selbst gibt und ist für die Bewohnerinnen da. Die können sich im Haus frei bewegen, wenn sie das möchten. „Inklusive des normalen Lebensrisikos“, so Sonja Schröder weiter. Alleine sind die Frauen aber definitiv nie. Unterstützende Wohnform nennt sich das.

Familienangehörige werden mit ins Boot geholt

Ganz klar zum Konzept gehört aber auch, dass sich die Familienangehörigen kümmern. „Die Angehörigen sind die, die hier federführend sind“, erklärt die Hohenbrucherin. Alle drei Monate würden alle zusammenkommen und, wenn nötig, Beschlüsse fassen. „Jetzt zum Beispiel haben wir uns alle gemeinsam überlegt, die Terrasse anzuheben“, erzählt Sonja Schröder. Sie findet es wichtig, dass sie sich die Angehörigen mitkümmern. Alle haben auch einen Schlüssel und können kommen, wann sie wollen.

Eine der Terrassen auf dem Hof – gegrillt wird hin und wieder auch. Quelle: Robert Tiesler

Diese persönliche Rundum-Versorgung im privaten Rahmen mache es auch möglich, körperlich Behinderte oder auch Demenz-Kranke wie Silvia aufzunehmen. „Im Heim ist sie öfter weggelaufen“, sagt Sonja Schröder. In der Hohenbrucher WG sei das nicht der Fall. Einerseits sei immer jemand da, andererseits darf das Grundstück auch abgeschlossen werden, weil es sich ja um eine private Wohngemeinschaft handele. „Wir decken alle Pflegegrade ab“, sagt Sonja Schröder. Natürlich müssen die Bewohner Miete zahlen, die Pflegekräfte müssen auch finanziert werden. Zusätzliche Pflegedienste, die ebenfalls ins Haus kommen, müssen zusätzlich bezahlt werden. Aber da es sich bei der kleinen Einrichtung nicht um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt, müsse auch kein größerer Gewinn gemacht werden. Demnächst könnte im oberen Geschoss eine zweite, separate WG an den Start gehen.

Mehr Infos gibt es unter 0176/94 91 91 21.* Aus datenschutzrechtlichen Gründen sind die Namen der Bewohnerinnen geändert.

Von Robert Tiesler

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