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Kremmen „Überraschungskonzert“ für Gerd Lerche
Lokales Oberhavel Kremmen „Überraschungskonzert“ für Gerd Lerche
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16:13 05.01.2020
Gerd Lerche verabschiedet sich nicht mit leeren Händen aus dem Ehrenamt als Stadtwehrführer von Kremmen – viele Geschenke haben seine Kameraden mitgebracht. Quelle: Jeannette Hix
Kremmen

Fackeln brennen, Blaulichter blinken und es ist ein ohrenbetäubendes Konzert von Martinshörnern zu hören, als Stadtbrandmeister Gerd Lerche (62) durch das Spalier seiner Kameradinnen und Kameraden geht. Er klatscht hier und da Hände ab und bleibt voller Rührung stehen. „Ich bin begeistert, was die Kameraden auf die Beine gestellt haben“, sagt Gerd Lerche auf dem Sportplatz in Sommerfeld, wo die Verabschiedung im Sportgebäude stattfand.

Eigentlich war der Stadtbrandmeister zu einem normalen Einsatz ausgerückt – das zumindest dachte er. „Um 18.40 Uhr war der ,Alarm’ in der Leitstelle Eberwalde ausgelöst und an die jeweiligen Führungskräfte in die einzelnen Wehren weitergeleitet worden“, sagt Vize-Stadtwehrführer John Wehden.

Sogar Kameraden aus der polnischer Partnergemeinde Suchozebry/Powiatu Siedlce sind angereist. Vize-Präsident Frank Klien (l.) vom Landesfeuerwehrverband hat Blumen mitgebracht. Quelle: Jeannette Hix

Alle waren eingeweiht. Auch Gerd Lerches Frau Silvia wusste Bescheid. Wie immer machte sich Gerd Lerche ohne zu zögern auf den Weg. „Doch als ich bei meinen Kameraden im Auto saß, wunderte ich mich, dass wir etwas langsamer fuhren als sonst.

Aber mit so einer Überraschung habe ich wirklich nicht gerechnet.“ Immer wieder muss er nach den vielen Verabschiedungsreden wie von Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) Hände schütteln. Kameraden klopfen ihm beim Essen samt Klößen, Kasslerbraten und Rotkohl auf die Schulter.

Sorgten für (Fackel-)Licht im Dunklen: Mario Oberath, Sophie Schädler und Roberto Apelt (v. l.). Quelle: Jeannette Hix

Neben den Kameraden der Löschzüge 1 bis 3 waren auch Kameraden aus Leegebruch, Velten und Börnicke bekommen und sogar Feuerwehrleute aus Kremmens polnischer Partnergemeinde Suchozebry/Powiatu Siedlce waren angereist. Alle haben nicht nur Dankesreden für Gerd Lerches 34 aufopferungsvolle Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr mitgebracht, sondern auch Geschenke. Darunter ist auch ein umgebauter Feuerlöscher, der den Durst löscht.

Sie stehen Spalier für ihren ehemaligen Stadtwehrführer – gleich kommt er um die Ecke. Quelle: Jeannette Hix

Als Gerd Lerche 1985 in die Freiwillige Feuerwehr eintrat, war ein schlimmer Brand im Schweinestall der Auslöser. „Ich habe damals auf der LPG als Werkstattmeister in der Schlosserei gearbeitet. Immer wieder hatte ich überlegt, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten. Als dann die vielen Tiere so qualvoll vor meinen Auge verendeten, stand mein Entschluss fest. Ich wollte helfen.“ Und nicht nur das.

Dieser umgebaute Feuerlöscher löscht den Durst. Quelle: Jeannette Hix

Gerd Lerche wird Ortswehrführer in Börnicke, Kreisausbilder und Kreisjugendwart im Havelland. Als er seine Frau Silvia kennenlernt, zieht er nach Staffelde, wird dort stellvertretender Ortswehrführer. An seinem 50. Geburtstag hat er seine Silvia geheiratet. „Ich habe ihr soviel zu verdanken. Sie stand immer an meiner Seite und hat mich unterstützt, wo sie konnte. Wenn nachts ein Notruf einging, hat sie im Schlafanzug das Auto vor die Tür gefahren, damit ich mich anziehen konnte“, sagt Gerd Lerche ergriffen.

Eine Dankesrede an seinen (Ex-)Chef – Oliver Fritz (l.) ist seit 1. 1. 2020 der Nachfolger von Gerd Lerche. Quelle: Jeannette Hix

Unzählige Male ist er ausgerückt, um anderen Menschen zu helfen. „Als die Wende kam, gab es viele Autounfälle. Denn die neuen Autos waren schnell.“ Besonders ein schlimmer Unfall hat sich in seinem Gedächtnis eingebrannt. „Als wir an den Unfallort kamen, fanden wir eine Frau mit zwei Kindern im Auto vor. Die Frau war so gut wie unverletzt. Aber eines ihrer Kinder war im Auto eingeklemmt. Wir mussten es herausschweißen. Für das andere Kind kam jede Hilfe zu spät“, erinnert er sich.

Aufwärmen am Feuer – drinnen im Haus findet die Verabschiedungsfeier statt. Quelle: Jeannette Hix

Auch der schlimme Unfall mit dem Kleintransporter, der vier Menschenleben kostete und zwei Schwerverletzte forderte, wird ihm wohl ewig in Erinnerung bleiben.

Aber die schlimmen Momente wiegen die vielen guten Erinnerungen auf. Der Zusammenhalt der Kameraden, der Gedanke bei jedem Ausrücken etwas Gutes für andere Menschen zu tun, die Dankbarkeit zu spüren, hat ihn den Schritt, einst in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten, nie bereuen lassen.

„Es gab auch mal lustige Momente“, erinnert sich Gerd Lerche schmunzelnd und denkt an die Sache mit der Katze. „Die Katze saß schreiend oben im Baum und wir hatten die vierteilige Steckleiter angelegt. Doch abgesehen davon, dass die Katze ständig hoch oben im Baum den Ast wechselte und wir die Leiter immer nachjustieren mussten, entschied sie sich plötzlich doch, als wir oben waren, vom Baum zu klettern.“

Mit der Übergabe seines Amtes an seinen Nachfolger Oliver Fritz als neuer Stadtwehrführer von Kremmen will Gerd Lerche zurück in die zweite Reihe treten, der Gesundheit wegen. Seit 2010 war er Vize-Stadtwehrführer und seit 2012 Stadtwehrführer. „Wenn man mich braucht, werde ich da sein“, sagt er. „Du hast immer versucht, Probleme zu lösen. Und bist ein herzlicher Mensch. Wir sind sehr dankbar für deine gute, geleistete Arbeit“, sagte Bürgermeister Sebastian Busse bei seiner Dankesrede.

Von Jeannette Hix

Mit einem ohrenbetäubenden Konzert aus Martinshörnern wird Kremmens Stadtbrandmeister Gerd Lerche auf dem Sportplatz in Sommerfeld verabschiedet. Über 100 Kameraden verschiedener Wehren sind gekommen. Sogar Lebensretter von Kremmens polnischer Partnergemeinde Suchozebry/Powiatu Siedlce waren angereist.

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