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Kremmen Hund Merle büxt Heiligabend zweimal aus – und viele Menschen helfen bei Suche
Lokales Oberhavel Kremmen Hund Merle büxt Heiligabend zweimal aus – und viele Menschen helfen bei Suche
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00:16 01.01.2019
Therapiehund Merle aus Kremmen.   Quelle: Privat
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Kremmen

Riesenaufregung herrschte am Heiligabend bei Familie Schmidt aus Kremmen, nachdem Hund Merle plötzlich verschwunden war. „Da rückte selbst die Bescherung erst einmal völlig in den Hintergrund. Wir waren doch in voller Sorge um unseren Hund“, blickt Anne-Kathrin Schmidt zurück. Hinter der Kremmenerin liegt ein denkwürdiges Weihnachtsfest, welches schlussendlich jedoch „mit unserem ganz persönlichen Weihnachtswunder endete“.

Nach dem Riesenschreck folgte die Flucht von Merle

Beruflich arbeitet Anne-Kathrin Schmidt mit Therapiehunden, zu denen auch die einjährige Setter-Hündin Merle zählt. „Nachdem sie zur Welt gekommen war, wollte niemand sie haben, weil sie sehr zart und sensibel war“, erinnert sich die Kremmenerin. „Wir haben sie behalten und uns entschieden, sie zur Therapiehündin auszubilden.“ Am Heiligabend hatte sich Anne-Kathrin Schmidt gemeinsam mit ihrer Hündin auf den Weg gemacht, „um ältere Menschen zu besuchen, die allein sind, und ihnen ein wenig Freude am Heiligabend zu bringen“. Nach einem Abstecher zu ihren eigenen Eltern hatte sie sich schließlich auf den Heimweg machen wollen. Doch dann das Unglück: „Wir waren auf dem Weg zum Auto, als wir auf der Straße an einem Gullideckel vorbeikamen, unter dem lautstark das Wasser durchrauschte. Merle erschreckte sich dadurch so sehr, dass sie sich losriss und davonstürmte. Das Halsband zerriss, damit war sie auch ohne Hundemarke und Leine. Es war ein schrecklicher Moment“, erinnert sich Anne-Kathrin Schmidt. Sie sei sofort hintergelaufen, jedoch „es war schon dunkel, da einen schwarzen Hund zu finden, es war aussichtslos“.

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Wildfremde Menschen helfen bei der Suche

Auf gab die Hundebesitzerin dennoch nicht. Zumal die Kremmerin anschließend ungeahnte Unterstützung von vielen Seiten erhielt: „Eine Familie mit zwei Kindern hielt plötzlich neben mir. Sie hatten den Hund an einer Tankstelle gesehen, luden mich in ihr Auto, um Merle mit mir zu suchen.“ Für Anne-Kathrin Schmidt „ein besonderer Moment“, waren die Fremden doch eigentlich auf dem Weg zur Bescherung gewesen. Von der verschreckten Hündin fehlte indes jede Spur, so dass Anne-Kathrin Schmidt schließlich heimkehrte, um die Suche von zu Hause fortzusetzen. „Ich habe eine Suchanzeige geschaltet, rumtelefoniert, Nachrichten verschickt.“

Mit diesem Suchfoto meldeten sich die zwischenzeitlichen Finder unter anderem auch bei der MAZ. Quelle: Privat

„Wir wollten sie auf keinen Fall ihrem Schicksal überlassen“

Tatsächlich war der Gordon Setter zwischenzeitlich in Bärenklau von Passanten gefunden und eingefangen worden. Zu ihren gehörte auch Michelle Laurisch.„Wir waren uns sofort einig, die kleine Merle nicht ihrem Schicksal zu überlassen, sondern sie erst einmal mitzunehmen", berichtet die 26-Jährige. Also verfrachtete sie den Vierbeiner in ihre Auto und wandte sich umgehend an die MAZ, den Gnadenhof Wensickendorf und die Polizei, um den Hundebesitzer ausfindig zu machen. Der Suchaufruf wurde über die sozialen Netzwerke in Windeseile von zahlreichen Menschen geteilt, viele Oberhaveler fieberten und suchten mit und hofften auf ein schnelles Happy End. Als Michelle Laurisch die Hündin, zu Hause angekommen, aus dem Auto holen wollte, erschrak diese jedoch erneut und machte sich wieder aus dem Staub. Zwei Stunden lang suchte die 26-Jährige mit ihrer Familie den Hund, ergebnislos. Auch für die junge Frau aus Bärenklau ein schrecklicher Moment: „Als Tierbesitzer kenne ich das schlimme Gefühl der Ungewissheit, wenn ein Tier verschwindet. Wir malten uns die schlimmsten Fantasien aus, was ihr zugestoßen sein konnte, da wir sie ja schon in Sicherheit hatten“, blickt die 26-Jährige zurück auf die aufwühlenden Stunden. Für zusätzliche Verwirrung sorgten am späten Heiligabend die Information, dass der Hund inzwischen wieder bei seiner Besitzerin sei. „Woher diese Info stammte, keine Ahnung“, erklären sowohl Michelle Larisch als auch Anne-Kathrin Schmidt. Tatsächlich begab sich die Hunde-Mama gegen 2 Uhr in der Nacht schließlich mit der Unwissenheit zu Bett, keine Spur von Merle zu haben.

Happy Ende am ersten Weihnachtsfeiertag

Am ersten Weihnachtsfeiertag konnte der Gordon Setter schließlich endlich dauerhaft auf einem Grundstück in Bärenklau eingefangen worden, wo er Zuflucht gesucht hatte. „Bei mir meldete sich am Vormittag eine ältere Dame vom Tierschutz, zu der Merle anschließend gebracht worden war. Mir fiel mehr als ein Stein vom Herzen“, blickt Anne-Kathrin Schmidt zurück. „Zu sehen, dass in der Situation fremde Menschen zusammengerückt sind und uns geholfen haben, das hat mich sehr bewegt“, sagt sie und bedankt sich bei all den zahlreichen Helfern. „Vor allem der Gnadenhof hat uns ohne Zögern sofort mit viel Herzblut geholfen. So habe ich in der schwierigen Situation unglaublich tolle Menschen kennengelernt, wofür ich sehr dankbar bin“, kann sie der ganzen Aufregung gar etwas Gutes abgewinnen.

Merle hat den Ausflug indes gut überstanden. „Sie akklimatisiert sich gerade wieder“, berichtet die Hunde-Mama. „Sie ist fit, es geht ihr gut. Wir bilden sie weiter als Therapiehund aus, damit sie noch vielen Menschen Freude bereiten kann.“

Von Nadine Bieneck