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Kremmen Papierwerkstatt muss Laden für Polizeirevier räumen
Lokales Oberhavel Kremmen Papierwerkstatt muss Laden für Polizeirevier räumen
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01:15 27.09.2018
Die Papierwerkstatt von Ulrike Schmidt befindet sich in der Berliner Straße 7 in Kremmen. Dort soll bald das Polizeirevier reinziehen. Quelle: Robert Tiesler
Kremmen

Die Papierwerkstatt von Ulrike Schmidt muss zum 30. November ihre Räume in der Berliner Straße 7 in Kremmen verlassen. Die Wohnungsbaugesellschaft (Woba) hat ihr fristgerecht gekündigt. Wie Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) am Montag bestätigte, werden die Räume anderweitig benötigt. Das Kremmener Polizeirevier soll dort einziehen.

Für Ulrike Schmidt ist das nicht nachvollziehbar. „Ich bin empört und erbost“, sagte die 57-jährige Amalienfelderin am Montag. „Ich fühle mich wie die Kleinste in der großen Kette. Ich kann juristisch gar nichts machen.“ Seit April 2016 ist sie in dem kleinen Geschäft, wo sie Buchbindearbeiten anbietet, Schachteln baut und vieles mehr macht.

„Die Verwaltung wächst“, sagt der Bürgermeister. Sowohl was die Aufgabengebiete angeht als auch in Sachen Personal. Es müsse weiterer Platz geschaffen werden – dafür eigne sich das jetzige Büro des Polizeireviers. Für ihn sei aber klar gewesen, dass die Polizei in Kremmen bleiben müsse. Im Woba-Gebäude an der Ruppiner Straße habe es keinen Platz dafür gegeben, auch eine zweite Option am Marktplatz sei verworfen worden.

Ulrike Schmidt: Keine gleichwertigen Alternativen

Ulrike Schmidt sind Alternativen vorgeschlagen worden. „Aber da war nichts Gleichwertiges dabei“, sagte sie. Dabei sei es beispielsweise um ein Zimmer mit Toilette auf einem Hinterhof gegangen. Dieses Angebot lehnte sie ab. Sie habe in den vergangenen Tagen viel telefoniert – einen Ersatz konnte sie jedoch nicht finden. „Für mich ist auch überhaupt nicht vermittelbar, warum ausgerechnet ich davon betroffen bin“, sagt sie. Auch sie habe Vorschläge gemacht, wohin die Polizei stattdessen ziehen könnte: in einen Raum am Bahnhof oder in einen Bürocontainer. Das sei abgelehnt worden. „Ich finde gut, dass die Polizei in der Stadt ist“, sagt Ulrike Schmidt. „Aber diese Konsequenz, dass mein Wohlwert unter das andere Wohl gestellt wird, das will mir nicht in den Kopf.“ Dass für die Polizei kein 20-Quadratmeter-Raum gefunden werden könne, versteht Ulrike Schmidt nicht

„Ich war schon bei ihr“, sagte Sebastian Busse am Montag. „Dass mir das leid tut, ist klar.“ Es handele sich aber auch nicht um ein Geschäft im täglichen Betrieb. Die Papierwerkstatt hat nur donnerstags geöffnet. Das Polizeirevier habe zwar auch nur dienstags von 16 bis 18 Uhr Sprechstunden, aber genutzt werde es jeden Tag.

Mit diesem Zettel am Laden weist Ulrike Schmidt ihre Kunden auf die Schließung hin. Quelle: Robert Tiesler

Ulrike Schmidt wünscht sich, dass sie in den Räumen an der Berliner Straße bleiben kann, zumal sie der Meinung ist, dass die Räume für das Polizeirevier ungeeignet seien – wegen der fehlenden Barrierefreiheit. Die 57-Jährige will sich mit ihrem Problem an den Petitionsausschuss des Landtages wenden. „Denn für mich platzt ein persönlicher Traum.“ Der Laden ist allerdings nicht ihr Haupterwerb, eher ein Hobby. In Berlin arbeitet Ulrike Schmidt an der Berliner Schule für Zen Shiatsu.

Von Robert Tiesler

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