Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kremmen In diesem Ort in Oberhavel hat jeder dritte Einwohner ein Pferd
Lokales Oberhavel Kremmen In diesem Ort in Oberhavel hat jeder dritte Einwohner ein Pferd
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:52 20.10.2019
Ein gutes Team: Grit Bauer (53) leitet den Reit- und Fahrverein Rhinland und ihr Mann Otto (67) den Reitpark Rhinland. Hier lernen junge Leute das Reiten.
Staffelde

Ein fröhliches Wiehern ist zu hören, als Matthias Herzberg (53) durch seinen Stall am Triftweg 4a tourt. 24 Boxen in einem hellen, luftigen Stall gibt es bei über 20 Pferden. Der gelernte Elektromonteur und Pferdewirt führt einen reinen Pensionsbetrieb. Auch der Reit- und Fahrverein Staffelde mit der Voltigiergruppe ist hier ansässig. Schon 1973 wurde er gegründet. Damals noch hat Matthias Herzberg hier selbst mitgeturnt.

„Der Verein war auf dem Hof meiner Oma und meines Opas mit ansässig. Da war ich ziemlich oft“, sagt Matthias Herzberg, der in Hohen Neuendorf geboren und in Borgsdorf aufgewachsen ist. Ein Blitzschlag ließ 1984 die Scheune der Großeltern abbrennen. Die Pferde und der Verein zogen auf das Areal vom Schloss Staffelde. Damals hatte der Verein sogar bei DDR- und Bezirksmeisterschaften Preise eingeheimst.

Die Voltiergruppe vom Reit- und Fahrverein Staffelde trifft sich sonnabends von 10 bis 13 Uhr – Andreas Herzberg (kl. F.) gehört das Areal. Quelle: Jeannette Hix

Nach der Wende fasste Matthias Herzberg einen mutigen Entschluss. Auf dem Acker von Oma und Opa errichtete er die Pferdepension. Baustart war 2000 und auch der Verein siedelte sich dort wieder an. „Wir treffen uns jeden Sonnabend von 10 bis 13 Uhr“, sagt die 2. Vereinsvorsitzende Susanne Diderich (54), die damals schon – wie Matthias Herzberg – als Schulkind im Verein beim Voltigieren mitmachte. Heute ist sie eine von drei Coaches für die Voltigierkinder im Alter von 5 bis 15 Jahren.

Trainerin Doreen Bock (46) korrigiert auf dem Holzpferd die Haltung von Emily (9) aus Staffelde, die schon seit Dezember 2018 zum Voltigieren kommt. Quelle: Jeannette Hix

Doch bevor auf dem großen Voltigierpferd Casanova (15) geturnt werden darf, ist für die Kids erstmal Aufwärmen und Training am Holzpferd angesagt. Auch Vereinsmitglied muss man sein (ab 30 Euro im Jahr). Louise aus Kremmen begeistert, nachdem sie sich elegant auf das Holzpferd gestemmt hat: „Das Schönste ist, dass wir hier mit den Pferden kuscheln und auch noch Sport machen können.“

Susanne Diderich (54) vom Reit- und Fahrverein Staffelde gibt Lucy (6) beim Voltigieren Turn-Tipps und bringt dabei Wallach Casanova zum Stehen. Quelle: Jeannette Hix

Sportlich geht es auch wenige Meter weiter am Triftweg 8 zu. Die Rhinland Reitpark GmbH mit 70 Pferden ist zwar auch ein Pensionsbetrieb, aber in dem dort ansässigen, 2007 gegründeten Reit- und Fahrverein Rhinland können Kinder und Jugendliche Reitstunden nehmen.

„Die Nachfrage war so groß, dass wir mit Trainern Kontakt aufgenommen haben, die bei uns nun drei- bis fünfmal die Woche Unterricht geben“, sagt Vereinsvorsitzende Grit Bauer (53), die gerade Fuchswallach Dag aus einer Dose mit einer süßen Masse schlecken lässt.

Denn hinten am Pferd macht sich gerade der Schmied zu schaffen. „So steht Dag ruhiger“, erklärt Grit Bauer den „Bestechungsversuch“. Neben Dressur- und Springunterricht gibt es auch Kurse im Westernreiten. Highlight bei den Kids ist auch das Sommercamp, bei dem die Schüler vier, fünf Tag in Bauwagen oder Zelten schlafen.

Otto Bauer entdeckt Areal durch Zufall

Nach der Wende hat Grit Bauers Mann Otto Bauer (67) das Areal durch Zufall entdeckt. „Ein Freund von mir wollte in Herzberg ein Pferd kaufen. Da sind wir durch Staffelde gefahren und der Ort hat mich gleich angesprochen.“

Es ist der 1. Mai 1995, an dem sich Otto Bauer an die Arbeit macht, um die ehemaligen Rinder- und Schweineställe auf dem stillgelegten 6,5 Hektar großen Areal umzubauen. Inzwischen gibt es vier sanierte Ställe, eine Reithalle sowie Reitplätze und von den 13 Gebäuden sind noch immer noch nicht alle saniert. „Ich träume noch von einem Spring- und Dressurplatz im Freien“, sagt Otto Bauer. „Mal sehen, wann wir den anpacken.“

Felix Poll vom Trakehner-Gestüt. Quelle: Jeannette Hix

Nur wenige Meter weiter - an der Nauener Chaussee - befindet sich das Trakehner Gestüt Staffelde. Inhaberin Bettina Lechtermann (51) hat das Areal rund um das sogenannte Schloss Anfang 2013 erworben und aufwendig sanieren und umbauen lassen. Demnächst will sie hier auch wohnen. 70 der edlen Vierbeiner leben hier, teils sind es Stuten und Hengste zur Zucht, teils Nachkommen und Jungpferde, die aufgezogen und später im Dressur- und Vielseitigkeitssport eingesetzt werden.

Im Mittelalter war hier ein Rittergut

Das Gut blickt auf eine lange Historie zurück, immer eng verbunden mit edlen Rössern. Um 1358, als Staffelde erstmals urkundlich erwähnt wurde, soll das Areal ein Rittergut gewesen sein. Bis 1684 soll es der Familie von Bredow und später den Grafen von Redern auf Schwante gehört haben.

1936 zogen auf dem Areal Traber ein – der legendäre Trabrennfahrer Charlie Mills erwarb das Gut, baute eine Rennbahn und züchtete bis 1947 Traber. Dann verzog der 17-fache Traberchampion nach Paris. „Wir wollen dazu beitragen, Tradition in die Moderne zu führen und die Zucht der Trakehner mit Respekt und Dankbarkeit fortführen“, sagt Bettina Lechtermann. Die Pferde mit dem Brand der Elchschaufel sollen die älteste Pferderasse sein.

Die Familie vom Gut Staffelde, Trakehner-Gestüt: Inhaberin Mutter und Gestüts-Inhaberin Bettina Lechtermann (2. l.), Tochter Marie Poll (l.), Sohn Felix Poll und Tochter Anna. Quelle: Privat

Ab 1731 wurden sie im damaligen Ostpreußen (heute Polen) auf Befehl vom Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. in fünf Gestüten gezüchtet. Ende des zweiten Weltkrieges sollen 800 der besten Zuchttiere evakuiert worden sein, weil die Russen nahten. Tausende Bauern schlossen sich dem Zug Richtung Westen übers Eis an.

Trakehner sind besonders menschenbezogen

Doch am Ende sollten den über 1000 Kilometer langen Fluchtweg nur rund 20 Mutterstuten vom Gestüt überlebt haben. Dazu kamen laut Trakehnerverband rund 730 weitere Zuchtstuten von anderen Züchtern, so dass die Zucht nach dem Krieg mit 750 Stuten fortgeführt wurde.

„Mich fasziniert an der Rasse die schicksalhafte Verbundenheit über Jahrhunderte mit dem Menschen, die Menschenbezogenheit und Leistungsbereitschaft dieser Pferde“, sagt Bettina Lechtermann. Heute gibt es laut Zuchtverband 2503 registrierte Zuchtstuten und 3500 Verbandsmitglieder, von denen viele selbst züchten. Genau wie Bettina Lechtermann, die so weiter zum Bestand der Trakehner beiträgt.

Lesen Sie dazu auch:

Von Jeannette Hix

Kremmen Kremmens älteste Bürgerin Eine Schokotorte zum 100. Geburtstag

Hildegard Haase ist Kremmens älterste Bewohnerin. Am Freitag feierte die alte Dame ihren runden Geburtstag. Glückwunsche gab es von der Stadt und vom Ortsvorsteher.

18.10.2019

Der Kremmener Stadtverordnete Reiner Tietz kritisiert den Oberhaveler CDU-Chef Frank Bommert wegen des geplanten Besuches von Ex-Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen scharf. Bommert reagiert gelassen auf die Kritik.

18.10.2019

Er ist auch in der CDU nicht unumstritten. Hans-Georg Maaßen, der ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, kommt am 15. November auf Einladung der CDU Oberhavel nach Kremmen. Er wird auf dem Spargelhof sprechen.

17.10.2019