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Kremmen „Resist to Exist“ zieht nach Berlin: Bedauern und Vorwürfe
Lokales Oberhavel Kremmen „Resist to Exist“ zieht nach Berlin: Bedauern und Vorwürfe
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18:05 29.07.2019
Freie Fläche. „Resist to Exist“ wird 2019 nicht in Kremmen stattfinden. (Archiv, 2017) Quelle: Robert Tiesler
Kremmen

Wer auf der Internetseite der Stadt Kremmen in den Veranstaltungskalender schaut, kann sich auf ein beschauliches Wochenende freuen. Am Freitagvormittag trifft sich die Krabbelgruppe, und das war es dann auch schon. Das Punkfestival „Resist to Exist“ stand im Kalender nie drin. Seit Sonntag steht fest: Das Event wird am kommenden Wochenende auch nicht am Oranienburger Weg in Kremmen stattfinden, sondern kurzfristig nach Berlin-Marzahn umziehen.

Die Veranstalter ziehen damit die Konsequenz um den Streit mit dem Kreisbauamt und der Stadt Kremmen um die Aufstellung von Zäunen und Zelten, die Nutzung von einem landwirtschaftlichen Gebäude beziehungsweise um eine mögliche Umwidmung zum Volksfest.

Montag noch mal Helfer vor Ort

Am Montag waren noch mal Helfer des Festivalteams in Kremmen vor Ort, sagte Christoph Brunner, dem die betreffende Fläche gehört. „Die Zaunfelder wurden wieder abgeholt. Die sind alle konsterniert und haben sich so darauf gefreut.“ Ein Grund für die Absage in Kremmen und den Umzug nach Berlin sei laut Jule Winter, Mitglied der Organisationscrew, dass ihnen ein massiver Polizeieinsatz angekündigt worden sei. „Es wurden bereits Einsatzkräfte aus Berlin angefordert.“ Man gehe von einem massiven Einsatz unter Anwendung von Gewalt aus, hieß es weiter.

Polizei: Keine Kräfte aus Berlin angefordert

Dörte Röhrs, die Sprecherin der Polizeidirektion Nord, wies das am Montag zurück. „Unsere Revierpolizisten waren am Wochenende bei den Verantwortlichen des Festivals, um Kontakt aufzunehmen und zu überprüfen, inwieweit Vorbereitungen für dieses Festival getroffen werden.“ Die Polizei haben sich aber in dem Wissen, dass das Festival durchgeführt werden sollte, „darauf vorbereitet, einen polizeilichen Einsatz zu fahren. Da uns bis dato aber noch keinerlei konkrete Angaben zur Veranstaltung vorlagen, wurden bisher auch noch keinerlei Kräfte – auch nicht aus Berlin – angefordert.“

Unterdessen wies Bürgermeister Sebastian Busse Äußerungen seitens des Veranstalters zurück, dass er bereits um Amtshilfe bei der Polizei gebeten habe. „Nicht im geringsten“, sagte er am Montag. Aber es habe die üblichen Vorab-Gespräche mit Ordnungsamt und Polizei gegeben. Der Veranstalter habe seine Hausaufgaben nicht gemacht, so Busse weiter. „Ich glaube aber auch nicht, dass die Tür komplett verschlossen ist.“ Man könne sich mit den Veranstaltern an einen Tisch setzen. Er verurteilte zugleich aber auch, „Hassreden und Hetze“ gegen ihn und die CDU in Kremmen, wie er sagte.

„Es ist bedauerlich, dass das Festival so kurzfristig nicht wie geplant das vierte Jahr in Folge in Kremmen stattfinden kann“, sagte Constanze Gatzke, die Pressesprecherin des Landkreises. „Zur Wahrheit gehört aber, dass die Veranstalter dies zu verantworten haben, indem sie die Rechtsgrundlage lange Zeit ignoriert haben.“ Sie stellte auch fest: „Das Bauordnungsamt hat das Festival nicht untersagt. Bisher ist vom Veranstalter kein Bauantrag eingegangen, der hätte geprüft werden können.“

Landkreis mahnt: Eventuelle Anträge für 2020 noch dieses Jahr stellen

Der Alternati-Verein sei zudem am Montag vom Bauordnungsamt erneut schriftlich darauf hingewiesen worden, „dass, wenn er für das Folgejahr beabsichtigt, einen Bauantrag zu stellen, dies alsbald, möglichst noch in diesem Jahr, tun sollte, um für ein mögliches Festival 2020 in Kremmen rechtzeitig die rechtlichen Weichen zu stellen.“

Ob Kremmen für 2020 überhaupt noch mal in Betracht gezogen wird, ist momentan unklar. „Absolut schade und nicht verständlich“, findet die Stadtverordnetenvorsteherin Stefanie Gebauer (UWG/LGU) den Streit um das Event. Es sei schade, „dass wenige Leute, die das anders sehen, sich so durchsetzen können.“ Reiner Tietz (Linke) äußerte sich am Montag „tief enttäuscht“. Es handele sich für Kremmen um einen „tiefen Einschnitt“.

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MAZ-KOMMENTAR

MAZ-Reporter Robert Tiesler kommentiert den Umzug des Festivals von Kremmen nach Berlin.

Ja, es ist schade, dass „Resist to Exist“ in Kremmen nicht stattfinden wird. Es ist schade für das kulturelle Leben in der Stadt, aber durchaus auch für die Wirtschaft im Ort, denn die Festivalbesucher hätten ganz sicher den einen oder anderen Euro in den Geschäften gelassen.

Andererseits ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen. Selbst wenn das Festival am Wochenende am Oranienburger Weg stattgefunden hätte – vermutlich hätte der kleinste Zwischenfall zu einem Eklat geführt. Und richtig ist auch, dass der Streit um die Frage, welche Voraussetzungen denn nun für das Event gelten und welche nicht, schon längst hätte geklärt werden müssen.

Die Zuspitzung in den vergangenen Tagen hat keinem gut getan, und alle haben sie verloren. Die Stadt, die schlechte Schlagzeilen bekommt, aber auch die Veranstalter, aus dessen Umfeld in einigen Internetforen auch schon mal von Chaostagen geredet worden ist. Das war ebenfalls absolut unnötig.

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Von Robert Tiesler

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