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Kremmen MAZ-Radtour 2019, Tag 3: Willkommen im Schloss
Lokales Oberhavel Kremmen MAZ-Radtour 2019, Tag 3: Willkommen im Schloss
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01:17 25.05.2019
Ronald Bahn (40) aus Sommerfeld ist seit Anfang 2011 im Hotel und Restaurant „Schloss Ziethen“ tätig. Als Rezeptionist empfängt er in dem Haus die Gäste. Quelle: Helge Treichel
Klein-Ziethen/Kremmen

Der Tour-Start in Klein-Ziethen ist einsam. Bei der Fahrt durch den Oberkrämer-Ortsteil ist keine Menschenseele zu sehen. „Kein Wunder, die sind alle arbeiten“, wird eine Stunde später ein Bewohner entschuldigend sagen – aber dazu später mehr.

Auf dem Plattenweg Richtung Groß-Ziethen und Schwante fahren wir zunächst ein Stück gemeinsam mit einer jungen Frau, die täglich zum Bahnhof radelt, um mit der Regionalbahn zur Arbeit zu gelangen. Das Holpern störe sie nicht, sagt sie. Vielmehr genieße sie immer wieder den tollen Ausblick über die Felder. Für ein kurzes Interview und ein Bild steht sie leider nicht zur Verfügung. Keine Zeit – „sonst ist der Zug weg“.

Das „Schloss Ziethen“. Quelle: Helge Treichel

In Groß-Ziethen lenkt sofort ein Gebäude die Blicke auf sich – das Hotel und Restaurant „Schloss Ziethen“. Obwohl unangemeldet und spontan aufgetaucht, bietet uns Hausherr Rafael Freiherr v. Thüngen-Reichenbach sofort Sitzplatz und Kaffee an. Und während sein Riesenschnauzer „Zeus“ zu unseren Füßen Platz nimmt, gibt der Besitzer ein Stück Schlossgeschichte zum Besten. 1355 von den Bredows erbaut, sind noch Gewölbe, Außenmauern und wesentliche Teile der „Schwarzen Küche“ erhalten – die älteste Küche Brandenburgs.

Rafael Freiherr v. Thüngen-Reichenbach bei einer kleinen Führung durch das „Schloss Ziethen“. Quelle: Helge Treichel

Apropos: Das Restaurant bietet gehobenes Niveau. „Eines der besten Restaurants zwischen dem Berliner Nordrand und der Ostseeküste“, sagt der Besitzer stolz, der das Haus 2010 von seiner Mutter Edith Freifrau v. Thüngen-Reichenbach übernahm. Die geborene v. Bülow hatte das Schloss samt Park 1994 gemeinsam mit ihrem Mann Herwig Kroll von der Gemeinde übernommen. Schloss Ziethen hat häufig seine Besitzer gewechselt. Die wohl berühmtesten Eigentümer waren von 1799 bis 1843 der spätere Generalfeldmarschall Fürst Blücher und seine Nachkommen. Bis zur Flucht und Vertreibung 1945 war das Schloss im Besitz der Familie v. Bülow. Danach wurde es sowjetisches Lazarett, dann Flüchtlingsunterkunft. In den unteren Räumen entstanden später Schule, Kindergarten, Jugendclub und die Kantine der örtlichen LPG.

Der Schlossherr mit seinem „Zeus“. Quelle: Helge Treichel

Gern biete das Haus nun für Radfahrer eine Rast, sagt der Hausherr, der hier mit seinem Hund wohnt. Die drei Kinder (17, 19, 20) seien in der ganzen Welt unterwegs. „Genussradler“ würden sich hier einen schönen Tag machen. Bei der Orientierung in der Region helfe das Knotenpunktsystem. Schloss Ziethen führt die Nummer 33. Mit Bus, Bahn und Rad lasse sich die gesamte Region erkunden, was sich in Berlin noch nicht ausreichend herumgesprochen habe. „Da bin ich durchaus missionarisch unterwegs“, sagt der 57-Jährige, „denn es ist hier superschön“. „Mein Traum wäre, ein richtig tolles Straßenradrennen zu veranstalten – 200 Kilometer durch Oberhavel.“

Zu den aktuell 20 Mitarbeitern im Schloss Ziethen zählt Ronald Bahn. Der gebürtige Eberswalder lebt seit fünf Jahren mit seiner jetzigen Frau in Sommerfeld – direkt auf dem Klinikgelände. Besonders schätzt er die Ruhe an seinem Wohnort.

Michael Grunau kümmert sich um die Grünanlagen und übernimmt Hausmeistertätigkeiten. Quelle: Helge Treichel

Das gilt auch für Schlossgärtner Michael Grunau. Der 40-jährige Oranienburger ist seit zehn Jahren in Klein-Ziethen zu Hause und hat zuvor bei Schwanteland gearbeitet. Jemand aus Schwante hatte ihm die Wohnung in Klein-Ziethen vermittelt. Und er ist es auch, der nicht auf diesen Ortsteil kommen lässt.

Feuerwerker Jens Simon trifft letzte Absprachen mit den Ordnungsamtsmitarbeiterinnen. Quelle: Helge Treichel

Mitten im Gespräch erreicht uns die Nachricht, dass Erntehelfer auf einem Spargelfeld bei Flatow einen Granatenblindgänger gefunden haben. Wir sind nur acht Kilometer entfernt und werden dorthin beordert. Kein Stopp in Staffelde und Flatow. Feuerwerker Jens Simon vom Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) Brandenburg ist bereits vor Ort. In Absprache mit den Mitarbeiterinnen vom Ordnungsamt Kremmen und Betriebsleiter Yule Zebe vom Spargelhof Kremmen lässt er einen 100-Meter-Sperrkreis evakuieren und weist uns einen sicheren Beobachtungsposten hinter einer Eiche zu. Dann bringt er 200 Gramm TNT an der Granate an und lässt die Ladung um 11.43 Uhr per Fernzündung detonieren. Ein dumpfer Knall ertönt. Eine Fontäne aus brauner Erde schießt bis zu den Baumwipfeln in die Höhe. Dann ist der Spuk vorbei. Die Spargelstecher treten ihre Mittagspause an. Und wir fahren direkt nach Kremmen.

Nach der Sprengung blieb ein kleiner Krater zurück. Quelle: Helge Treichel

Auf dem Marktplatz stehen wir vor der Apotheke von Sebastian Kretzschmar. Abgesehen von seiner Studienzeit, hat der 41-Jährige immer in Kremmen gelebt. „Hier hat man nicht den Stress der Großstadt“, sagt er. Wer aber eine Dosis davon haben möchte, sei in einer halben Stunde vor Ort. Kremmen biete Grundschule, Gesamtschule und Kita, die aktuell sogar erweitert werden muss. Das sei „optimal“ für seine beiden Kinder (2 und 7).

Sebastian Kretzschmar vor seiner Apotheke Am Markt 7 in Kremmen. Quelle: Helge Treichel

Zwei Dinge allerdings bedauert der Familienvater: Durch die Schließung eines Restaurants, eines Cafés und zwei Scheunen „geht die Vielfalt verloren“, sagt er. Außerdem beschäftigt ihn der Fachkräftemangel. Er finde keine neuen Angestellten (Apotheker/Apothekerin).

Testbericht von der Strecke, Tag 3

Während der Asphaltbelag in Klein-Ziethen unser Sitzfleisch verwöhnte, besteht die Verbindung in Richtung Groß-Ziethen aus zwei Reihen von Betonplatten. Die Strecke könnte für Radler (und Autofahrer) komfortabler sein, wenn die Kanten und Höhenunterschiede zwischen den Platten etwas kleiner wären. Als es dann auf der Straße weitergeht, setzt sofort ein gewisser Erholungseffekt ein – einerseits wegen der weitläufigen Landschaft und der Baumallee, andererseits wegen des sanften Dahingleitens, das nur selten von Fahrzeugverkehr gestört wird.

Auf dem Plattenweg. Quelle: Reinhard Bischoff

Auffällig ist für Reinhard Bischoff als Mitglied des ADFC Birkenwerder der Straßenzustand in der Ortsdurchfahrt Groß-Ziethen. Die Fahrbahn befindet sich in einem vergleichsweise schlechten Zustand und es gibt keinen separaten Radweg, stellt er fest. Das Schloss Ziethen allerdings entschädigt für den schlechten Fahrbahnbelag. „Ein wunderbarer Rückzugsort in einer wirklich malerischen Umgebung“, sagt Bischoff. Direkt am Schlosseingang befindet sich der Knotenpunkt 33 des hiesigen Radwegenetzes.

Radweg und Kopfsteinpflaster. Quelle: Reinhard Bischoff

Entlang der Strecke treffen wir auf Stellen mit holprigem Kopfsteinpflaster. Hier wären Furten aus Asphalt oder Kleinpflaster als Übergang angebracht, findet der ADFC-Radler und verweist auf seine Heimatgemeinde Birkenwerder. Dort wurde just am Vorabend die Auftragsvergabe für derartige Gehwegfurten in Großflasterstraßen beschlossen. Das nützt nicht nur Fußgängern und Radlern, sondern schafft auch eine zusätzliche Barrierefreiheit für Menschen, die auf Gehhilfen wie einen Rollator angewiesen sind. Die Maßnahme berücksichtigt 28 Knotenpunkte in zehn Straßen. Die Gemeinde investiert gut 167 000 Euro.

Die Straße von Flatow nach Linum ist gut für Kfz ausgebaut, aber schlecht für Radfahrer. Lkw verursachen gefährliche Luftströmungen. Die „Bugwelle“ entgegenkommender Lastwagen drückt Radfahrer beinahe von der Straße – insbesondere bei ohnehin ungünstigen Windverhältnissen.

Bei unserem kleinen Abstecher nach Linum finden wir einen Hinweis, dass auch andere Radler für einen durchgehenden Radweg zwischen Kremmen (OHV) und Linum (OPR) kämpfen.

Stiller Protest am Straßenrand: Gleichgesinnte fordern einen Radweg nach Kremmen. Quelle: Reinhard Bischoff

Von Helge Treichel

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