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Kremmen Zu laut? Ärger um abgeschaltete Feuerwehr-Sirene im Dorfkern
Lokales Oberhavel Kremmen Zu laut? Ärger um abgeschaltete Feuerwehr-Sirene im Dorfkern
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16:10 06.02.2020
Sirene für die Feuerwehr in Groß-Ziethen. Quelle: Robert Tiesler
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Groß-Ziethen

Normalerweise ertönt immer am Sonnabend um 10 Uhr im Groß-Ziethener Dorfkern die Sirene der Feuerwehr – Probealarm. Seit drei Wochen aber herrscht Stille. Auch bei echten Alarmierungen tut sich nichts mehr. Nur noch die Sirene im Außenbereich am Kremmener Weg ist noch im Betrieb. In Groß-Ziethen herrscht darüber Verwirrung. Hintergrund soll sein, dass sich Anwohner über den Lärm, den die Sirene macht, beschwert haben. Die Verwaltung aber hat eine andere Begründung.

„Das ist schon ein paar Wochen so“, sagte Ortsvorsteherin Astrid Braun über die ausgeschaltete Sirene. Offiziell mitgeteilt worden sei es aber nicht. Sie habe darüber keine Informationen gehabt. „Es wurde auch nicht mit der Feuerwehr kommuniziert.“

Das sagt auch John Wehden, der Ortswehrführer der Feuerwehr in Staffelde/Groß-Ziethen. „Von Feuerwehrseite sind wir darüber nicht informiert worden“, sagte er auf MAZ-Nachfrage. Zwar gehe es theoretisch auch ohne die Sirene, „die Alarmierung erfolgt auch über die Notrufmelder.“ Er gibt aber auch zu Bedenken, dass es zu Ausfällen kommen könne. „Wir hatten schon mehrere Anrufe“, so John Wehden weiter. „Die Leute wollten wissen, ob ein Defekt vorliegt.“ Die Frage kam auf, als zum Probealarm-Termin alles ruhig blieb. Aus seiner Sicht müsse in der Stadtverwaltung geklärt werden, wie mit dem Thema umgegangen werde. Staffelde hat zwei Sirenen im Dorf, Groß-Ziethen eigentlich auch. „Aber die zweite in Groß-Ziethen ist hinterm Mühlenberg, die hört man im Ort nicht.“

Sirene an der Alten Dorfstraße. Quelle: Robert Tiesler

Das bestätigt auch Ortsvorsteherin Astrid Braun. Heule nur die eine Sirene abseits des Dorfes, sei dieses im Dorfkern kaum zu hören. Der Ortsbeirat sei einstimmig dafür, die Sirene wieder in Gang zu bringen.

Das sieht auch Anwohnerin Birgit Forduhn so. „So was wäre mir im Traum nicht eingefallen“, sagte sie am Donnerstag zur Sirenenabschaltung. „Weil ich sie für sehr wichtig halte. Ich kenne keinen, der es gut findet, dass sie abgeschaltet ist.“ Es könne ja passieren, dass der Pieper nicht gehört werde oder dass er ausfalle. „Sonnabend, als der Probealarm nicht stattfand, da ist es mir aufgefallen.“

Edith von Thüngen hat die Sirene direkt auf ihrem Grundstück. Sie danach befragt, wie sie das Thema als Anwohnerin sieht, sagte sie: „Ich habe darum gebeten.“ Sie habe die Sirene direkt über ihrem Kopf. „Und die Feuerwehrmänner bekommen doch alles digital mitgeteilt.“ Sie seien oft schon unterwegs, bevor überhaupt die Sirene beginne zu heulen. „Es wird wirklich ganz laut, für mich ist es ein schreckliches Erlebnis jedes Mal.“ Sie habe nicht geahnt, dass die Sirene jemand vermissen könnte. Sie habe den Bürgermeister gebeten, sich darum zu kümmern, die Sirene abzuschalten.

Sirene für die Feuerwehr in Groß-Ziethen. Quelle: Robert Tiesler

Bürgermeister Sebastian Busse ist derzeit nicht im Dienst, aber im Ordnungsamt der Stadt Kremmen hat man am Donnerstag eine ganz andere Begründung für die Abschaltung der Sirene. Es handele sich um einen Probelauf, sagte Ordnungsamtsleiterin Susanne Tamms am Donnerstag. „Auch in Zeiten des Mobilfunks und Einsatzes von Rufmeldern wird die Sirenenalarmierung weiterhin als zusätzliche Alarmierungsmöglichkeit für die Feuerwehr eingesetzt, um schnellstmöglich alle verfügbaren Kräfte zu erreichen“, so Susanne Tamms weiter. „So kann sichergestellt werden, dass selbst die Einsatzkraft zum Einsatz kommt, deren Rufmelder eventuell gerade keinen Empfang hat oder die den Rufmelder nicht dabei hat.“ Darüber hinaus sei die Sirene durchaus auch als Warn- und Alarmierungssystem für die Bevölkerung da.

„Um weiterhin die Gefahrenabwehr für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kremmen zu gewährleisten, können wir auf diese Alarmierungsmethode nicht verzichten, auch wenn dies für den einen oder anderen nervig oder gar belästigend erscheinen mag“, so die Chefin des Ordnungsamtes. „Jedoch muss die Stadt Kremmen jederzeit über Einsparungsmöglichkeiten nachdenken. Dies ist im Falle der Sirenenalarmierung in Groß-Ziethen geschehen.“ Groß-Ziethen verfüge über zwei Sirenen, für die Kosten für die Instandhaltung und das Betreiben der alten Anlagen anfallen würden. „Daraufhin hat die Stadt Kremmen sich Anfang diesen Jahres entschieden, eine der beiden Anlagen abzuschalten um festzustellen, ob die noch verbleibende Sirene ausreichend ist, um den vorgesehenen Zweck in Groß Ziethen zu erfüllen. Nach der Probephase wird gemeinsam entschieden, ob die zweite Sirene wieder angeschaltet wird.“

Warum überhaupt auf einem Privatgrundstück eine derartige Sirene betrieben wird, ist unterdessen unklar. Edith von Thüngen schlägt vor, sie stattdessen auf der Alten Schule oder dem alten Feuerwehrhaus zu installieren – beides sind öffentliche Gebäude. Auch Astrid Braun und John Wehden könnten sich das vorstellen – das jedoch ist auch mit Kosten verbunden. Ortsvorsteherin Astrid Braun ärgert sich aber vor allem darüber, dass vorher mit keinem, weder mit der Feuerwehr noch mit dem Ortsbeirat, darüber gesprochen und Fakten geschaffen worden seien.

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KOMMENTAR

MAZ-Reporter Robert Tiesler kommentiert die Diskussion um die abgeschaltete Sirene in Groß-Ziethen:

Dass die Sirene im Groß-Ziethener Dorfkern abgeschaltet worden ist, ist nicht gut. Dass darüber im Vorfeld nicht geredet worden ist, ist nicht gut. Dass sich die Sirene auf einem Privathaus und -grundstück befindet, ist seltsam.

Klar ist aber auch, dass die Sirenen heutzutage nicht mehr gebraucht werden. In Oranienburg heult auch nicht bei jedem Einsatz der Feuerwehr eine Sirene. Das große Aber lautet jedoch: Sie sind im Betrieb. Sie heulen zum Probebetrieb am Sonnabend um 10 Uhr, und bei Bombenentschärfungen kommen sie zum Einsatz – also bei besonderen Situationen. Zum einen könnte man in Kremmen auch darüber nachdenken, dass die Sirenen im Betrieb bleiben, zur Sicherheit, falls das digitale System ausfällt. Ob sie immer und bei allen Einsätzen heulen müssen, darüber kann man sich ja zumindest mal unterhalten. Ein wöchentlicher Probebetrieb wäre dann aber dennoch ein Muss.

Ganz klar ist einerseits auch, dass irgendjemand lärmtechnisch immer in den sauren Apfel beißen muss, der der Sirene am nächsten wohnt. Dann ist sie in der Tat sehr laut. Dass da jeder Alarm ein Schock ist, ist verständlich. Dennoch könnte man durchaus mal darüber diskutieren, warum sie auf einem Privatgelände stehen muss, warum dafür nicht ein öffentliches Gebäude genutzt wird – auch wenn natürlich auch dort wieder Menschen direkter betroffen wären. Denn klar ist: Ja, es ist Lärm, es ist laut, aber der Lärm kann Leben retten, auch in der digitalen Welt.

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(16.10 Uhr: Beitrag um ortsbezogene Bilder ergänzt.)

Von Robert Tiesler

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