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Oberhavel Kunterbunte Kitas soll(t)en für ihren Namen zahlen
Lokales Oberhavel Kunterbunte Kitas soll(t)en für ihren Namen zahlen
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16:25 10.02.2017
Die Kita „Villa Kunterbunt“ in Schönfließ besteht aus drei Häusern für Hort- und Vorschulkinder.
Die Kita „Villa Kunterbunt“ in Schönfließ besteht aus drei Häusern für Hort- und Vorschulkinder. Quelle: Gemeindeverwaltung
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Schönfließ

Die Kita „Villa Kunterbunt“ in Schönfließ könnte ihren traditionellen Namen künftig ablegen. Auslöser der aktuellen Namensdiskussion ist ein Brief der Erben von Astrid Lindgren. Die Nachkommen der schwedischen Schriftstellerin wollen die Lizenzrechte für den Wohnhausnamen der Romanfigur Pippi Langstrumpf nur zur Verfügung stellen, wenn Geld an sie gezahlt wird. 500 Euro pro Jahr würden fällig. „Wir lassen das gegenwärtig von unserem Anwalt prüfen“, sagte Fachdienstleiterin Claudia Geßner am Mittwochabend im jüngsten Sozialausschuss.

Astrid Lindgrens Figur Pippi Langstrumpf lebt in der „Villa Kunterbunt“. Quelle: dpa

Die Geldforderung wurde in Schönfließ gelassen aufgenommen. „Meine Kollegen melden sich ohnehin eher mit ,Kita Schönfließ’ am Telefon“, sagte Leiterin Linda Günther. Es gebe ihrer Beobachtung nach keine große Bindung an den Namen. In einer Teambesprechung habe sie das zusätzlich thematisiert. Der Tenor der Meinungen im Kollegenkreis: „Auf den Namen könnten wir auch verzichten.“ Diese Meinung wurde im Sozialausschuss von einem Vertreter der Elternschaft bestätigt. Linda Günther kündigte an, die Namensfrage nun auch in der nächsten Sitzung des Kitaausschusses am 22. Februar auf die Tagesordnung zu setzen. Gern würde sie das dortige Votum zur künftigen Bezeichnung der Kita abwarten.

Erbengemeinschaft rudert zurück

Als die Kommunalpolitiker über das Thema diskutierten, hatte die Sache bereits eine neue Wendung bekommen. Danach müssen die betroffenen Kindergärten in Deutschland doch keine Gebühren zahlen. Zwar müssten auch gemeinnützige Tagesstätten eine Erlaubnis für den Namen einholen, teilt der Hamburger Rechtsanwalt Ralph Graef am Mittwoch auf Anfrage der Ostseezeitung mit. Aber das schwedische Unternehmen Saltkråkan AB habe sich entschieden, dafür von den Einrichtungen „in der Regel keine Lizenzgebühr zu verlangen und auch keine Lizenzgebühren rückwirkend geltend zu machen“. Zuvor hatte Saltkråkan – dahinter steht die Erbengemeinschaft der Kinderbuchautorin – von mehreren Einrichtungen in Deutschland eine Lizenzgebühr von 500 Euro pro Jahr für die Verwendung des Namens „Villa Kunterbunt“ verlangt. Im ganzen Land hatte die Forderung für großes Aufsehen gesorgt.

Kitaleiterin Elke Schilling, verantwortlich für die Kita „Villa Kunterbunt“ in Sommerfeld, ist bislang nichts von einem gleichlautenden Brief an ihre Einrichtung bekannt. Im Mühlenbecker Land steht nun die Frage, ob die Genehmigung für den Kita-Namen nun noch eingeholt wird – oder ob er kurzerhand geändert wird. Ausgang: noch offen.

Von Helge Treichel