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Leegebruch Frank Gierschner will den Bürgerhaushalt
Lokales Oberhavel Leegebruch Frank Gierschner will den Bürgerhaushalt
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16:39 30.08.2019
Frank Gierschner mag die Alte Kapelle in der Dorfaue. Quelle: Foto: Marco Paetzel
Leegebruch

Frank Gierschner sitzt auf einer Bank am Eichenhain, nur ein paar Meter von der Alten Kapelle entfernt. Der imposante Holzbau, Ende November 1930 eingeweiht, ist Gierschners Lieblingsplatz im Ort. Bis 1975 fanden hier Gottesdienste statt, heute ist es ein Versammlungsort für Vereine und Gruppen. „Das ist einfach ein geschichtsträchtiger Ort, das Ambiente ist toll“, sagt der 43-Jährige. Frank Gierschner will am Sonntag Leegebruchs neuer Bürgermeister werden. Er macht sich aber keine großen Illusionen. „Klar, ich bin der Außenseiter. Ich lebe ja noch nicht so lange im Ort“, sagt der Kandidat des Handwerks-, Gewerbe- und Bürgervereins Leegebruch.

Der gebürtige Oranienburger ist in Ludwigsfelde aufgewachsen, nach Leegebruch zog er mit seiner Frau Claudia (41) erst 2016. Das Paar lebt in einem Haus im Weidensteg, direkt gegenüber der Grundschule. Wenn Gierschner Bürgermeister wird, will er vor allem dafür sorgen, dass die Anwohner in der Birkenallee, wo oft gerast wird, entlastet werden. „Wir müssen den Bürgern jetzt zeigen, dass wir etwas tun. Sonst gehen sie auf die Barrikaden“, so Gierschner. Er hält unter anderem ein durchgängiges Tempo 30 für denkbar. „Das Verkehrskonzept zeigt uns dann auf, was noch zu tun ist. Aber bis da etwas umgesetzt wird, dauert das noch Jahre“, so der 43-Jährige.

Elektrosäulen an markanten Orten

Ein großes Thema ist für ihn das Thema Mobilität. Gierschner will Elektrosäulen im Ort, so wie in Hohen Neuendorf. „Da stehen drei, die bislang kostenlos und gefördert werden.“ Auch in Leegebruch könnte er sich drei Säulen vorstellen, eine davon auf jeden Fall am Gemeindezentrum. „Mit Elektroautos gibt es auch nicht diesen Lärm auf den Straßen, den wir jetzt haben“, sagt Gierschner. Er muss es wissen: Seit Oktober 2018 fährt er einen Renault Zoe, einen Elektrowagen. Er komme damit 300 Kilometer weit und könne nicht klagen. Gierschner könnte sich auch vorstellen, dass bald elektrische Müllwagen oder elektrische Busse durch den Ort surren. Welcher Antrieb auch immer, die Gartensiedlung solle auf jeden Fall dauerhaft per Bus erschlossen werden. „Dort sind viele ältere Leute, die sich gerne bewegen wollen. Aber wenn sie so weit zur Bushaltestelle laufen müssen, schreckt das ab.“

Frank Gierschner beim Wahlkampf am Freitag. Quelle: privat

Auch Carsharing könnte sich Frank Gierschner vorstellen. „Es gibt viele Gemeinden, die so etwas anbieten.“ E-Räder, E-Roller oder E-Autos ließen sich teilen, um so die Straßen zu entlasten. Außerdem will Gierschner einen Bürgerhaushalt, schließlich würden Gemeinden im Umland das auch machen. „Wir müssen die Bürger abholen, damit sie Lust haben, sich einzubringen. Da gibt es viele gute Ideen“, sagt der Kandidat, der als Objektleiter im Berliner Lindencorso arbeitet. Er könnte sich vorstellen, dass Leegebruch den Bürgern etwa 25 000 Euro pro Jahr bereitstellt. Außerdem schwebt ihm vor, dass man einen Sportcampus bauen könnte – damit greift er Martin Rothers Idee auf – und ihn mit einer neuen Kita kombinieren. In den dann leergezogenen alten Kitaräumen könnte ein Mehrgenerationenhaus entstehen, schlägt Gierschner vor.

Über den Klimanotstand sollen die Bürger entscheiden

Was den Klimaschutz angeht, würde er sich als Bürgermeister stärker engagieren. „Ich würde die Bürger darüber abstimmen lassen, ob wir den Klimanotstand ausrufen sollten.“ Er wäre auch dafür, dass in der Veltener Straße ein Park errichtet werden sollte. „Da könnte jeder, der ein Kind bekommt, einen Baum pflanzen“, so Gierschner. Zudem könnte er sich vorstellen, in Leegebruch Insektenhotels zu bauen. Auch die Bauhofmitarbeiter müssten vielleicht nicht jede Fläche mähen, sondern auch mal etwas für die Insekten stehenlassen. Was den Hochwasserschutz angeht, so habe die Verwaltung um Martin Rother eine gute Arbeit gemacht und viele gute Dinge auf den Weg gebracht, sagt der Kandidat.

Wie sein Programm bei den Bürgern ankommt, darauf ist Frank Gierschner am Sonntag gespannt. Und sollte es nicht klappen, könne er es in acht Jahren noch mal versuchen. Jung genug ist er ja.

Von Marco Paetzel

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