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Leegebruch So lief der MAZ-Talk in Leegebruch
Lokales Oberhavel Leegebruch So lief der MAZ-Talk in Leegebruch
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17:17 29.08.2019
MAZ-Redaktionsleiter Sebastian Morgner (M.) begrüßte die vier Bürgermeisterkandidaten, über deren Wahl die Bürger am kommenden Sonntag entscheiden. Quelle: ENRICO KUGLER
Leegebruch

„Es wird doch immer gesagt, ich bin hier nur der Bleistiftanspitzer“, unkte Leegebruchs amtierender Bürgermeister Martin Rother (CDU) und spielte auf sein Image als Verwaltungsmensch an. „Aber jetzt“, so Rother weiter, „komme ich mal mit einer Idee. Und nun wird so getan, als ob ich für den Mars eine Rakete bauen will.“ Mit Science Fiction hat der Einfall aber wenig zu tun: Eine Ortsumfahrung für Leegebruch an der Veltener Straße, die an die B 96 ansetzt – inklusive Lärmschutz für die geplagten Anwohner. Martin Rother diskutierte am Mittwochabend auf der Bühne des „Bierbunkers“, inmitten seiner Konkurrenten um den Bürgermeisterposten in Leegebruch.

100 Gäste saßen im Bierbunker-Biergarten

Die MAZ hatte zum Talk geladen, rund 100 Gäste waren gekommen. Redaktionsleiter Sebastian Morgner ließ die gleich mal über Rothers Vorschlag abstimmen. Es gingen etwa genauso viele Daumen nach oben wie nach unten. „Ich habe mehr Bedenken als Zustimmung dafür“, kommentierte Konkurrent Giso Siebert (Die Linke). Er findet, wie Mitbewerber Mario Jilg (SPD) und Frank Gierschner (HGVB), dass ein weiterer Straßenbau Flächen versiegeln würde, die im Falle eines Hochwassers gebraucht würden. Er dagegen favorisiert einen Geh- und Radweg entlang der Veltener- und Hauptstraße mit Anbindung ans Wohngebiet „Fritzens Hut“. Frank Gierschner will die Veltener Chaussee für den Busverkehr ausbauen, Mario Jilg das Geld für einen Radweg vom Gewerbegebiet bis nach Velten ausgeben. Ein Thema, bei dem es Kontroversen gibt.

Jeder Kandidat antwortete auf die Fragen der MAZ und des Publikums. Quelle: ENRICO KUGLER

Einig sind sich die Kandidaten indes, dass es einen Verkehrsplan braucht, und dass Busse dauerhaft in die Gartensiedlung fahren sollten. Größtenteils einig ist man sich auch in Sachen Maßnahmen gegen Hochwasser. „Unsere Aufgabe besteht darin, im Falle eines Falles das Wasser schnellstmöglich aus dem Ort und von den Straßen und Kellern wegzubekommen“, erklärte Giso Siebert. Martin Rother indes versprach: „Wir werden nicht noch mal so absaufen, denn wir wissen im Rathaus und im Bauhof, wie wir den Ort mit einfachen Mitteln schützen können.“ Niemand könne aber bis heute sagen, wie viel Wasser die Muhre führt, bevor sie nach Leegebruch komme – notfalls müsse man sie dicht machen. Unter anderem kontrollieren auch zwei neu eingestellte Leute vom Bauhof die Muhre regelmäßig, vor allem die Durchlässe. Zudem sei ein Generalentwässerungsplan in Arbeit.

Kritik am Leegebrucher Hochwasser-Management

Mario Jilg erkannte das Engagement der Verwaltung an, unter anderem wird gerade der Durchlass in der Eichenallee erneuert und dabei vergrößert. „Aber wir hätten viel Leid lindern können, wenn wir auf das Gutachten 2008 gehört hätten, das diese Sachen vorausgesagt hat“, so der SPD-Mann, der auch verlangte, dass mehr mit den Nachbargemeinden in dieser Frage gesprochen werde. Frank Gierschner erklärte, Martin Rother habe einen guten Job gemacht. „Wir sollten bei Baustellen aber immer die Entwässerung beachten und Flächen schaffen, wo das Wasser hin soll.“

Rund 100 Gäste waren gekommen. Quelle: ENRICO KUGLER

Auch die S-Bahn war ein Thema. Martin Rother hält sie für zu langsam, er sei mit der BVG im Gespräch, dass der U-Bahn-Anschluss Alt-Tegel per Bus bis Leegebruch kommt. „Es könnte einen Rufbus in Leegebruch geben.“ Allerdings fehle grünes Licht vom Kreis. Frank Gierschner sei Fan der S-Bahn. „Da muss man mit dem Land und Velten eine Lösung finden.“ „Das ist eine Sache, die auf Landesebene entschieden wird. Wir können den Sinn erklären, haben aber kaum Einfluss“, erklärte Mario Jilg. Giso Siebert will eine bessere Verbindung auf der Schiene Richtung Velten, auch die S-Bahn sei eine Option. „Wir müssen gemeinsam mit anderen Kommunen streiten, dass sich da etwas bewegt.“

50 Kitaplätze mehr im November

In Sachen Kita fordert Giso Siebert den modernen Ersatzneubau für die maroden Kitas „Wirbelwind“ und „Sonnenschein“. Martin Rother erklärte, dass der Sanitärbereich der Kita „Wirbelwind“ ausgebaut werde, Ende November würden 50 Betreuungsplätze zur Verfügung stehen. „Dann entspannt sich die Lage.“ Zum Thema bezahlbarer Wohnraum, gerade für junge Leute in Leegebruch, schlug Frank Gierschner vor, in von ihm vorgeschlagenen Bau eines Mehrgenerationenhauses auch Wohnungen unterzubringen. „Das lässt sich kombinieren.“

Mario Jilg indes erklärte, Sanierungen von Häusern seien der richtige Weg. „Das ist die einzige Chance, unsere Jugend im Dorf zu halten.“ Raunen im Publikum. „Das kommt davon, wenn man zugezogener Leegebrucher ist. Wir reagieren auf das Wort ,Dorf’ ganz allergisch“, stänkerte Rother. Das Publikum johlte. Er selbst sehe keinen Platz für mehr Wohnraum. „Wir müssen den Mietwohnungsbau so behalten, dass die Gemeinde das Sagen hat.“ Giso Siebert sieht das ähnlich. Wenn es allerdings eine neue Kita gebe, könne man die alten Räume für Wohnungen nutzen.

Von Marco Paetzel

Martin Rother (CDU) will bei der Wahl am Sonntag Leegebruchs Bürgermeister werden. Für ihn haben die Unabhängigkeit der Gemeinde und die Maßnahmen gegen Hochwasser Priorität. Auch der Bau eines Sportcampus’ sei möglich.

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