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Leegebruch MAZ zu Gast im Bierbunker
Lokales Oberhavel Leegebruch MAZ zu Gast im Bierbunker
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00:22 28.10.2018
Wirt Thomas Rilke vor seinem „Bierbunker“. Quelle: Enrico Kugler
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Leegebruch

Und dann kam er mit dem Spaten nicht mehr weiter in die Erde. „Ich bin auf etwas Hartes gestoßen“, sagt Thomas Rilke. Es war die Mauer eines gesprengten Luftschutzbunkers, sechs Meter lang und einen Meter breit, auf die Thomas Rilke 2003 beim Ausbau seiner Kneipe gestoßen war. „Früher gab es in Leegebruch ja viele dieser Bunker“, sagt der 54-Jährige. Die Idee, die KneipeBierbunker“ zu nennen, lag nur ein paar Stunden weiter.

Heute, 15 Jahre später, ist das Lokal in Leegebruch und Umland vielen ein Begriff. Denn es ist die einzige echte Kneipe in der Gemeinde. „Alles andere sind ja Speise-Gaststätten.“ Tatsächlich gibt es hier fast nur Flüssiges. Bockwurst, Boulette und Co. schmeißt der Wirt aber auf Wunsch auch ins heiße Wasser. 30, 40 Stammgäste hat Thomas Rilke, sie schauen jede Woche vorbei. „Der Älteste ist 81, der kommt nach dem Tischtennistraining in Velten immer mit dem Rad her“, sagt der Wirt. Ansonsten liegt das Durchschnittsalter etwa bei 40 Jahren. Viele kommen sogar aus Oranienburg und Umland.

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Vorne grüßt Kermit, der Frosch

Rund 100 Plätze bietet seine Kneipe Am Hauptgraben 3, mit dem Biergarten samt Bühne ist das eine Fläche von rund 270 Quadratmetern. „Meine Gäste sind schon wie eine kleine Familie für mich geworden“, sagt der Wirt, den viele Leegebrucher nur „Kermit“ rufen. In der Schule hatte ein Kumpel eine gewisse Ähnlichkeit mit dem berühmten Frosch entdeckt und Rilke diesen Spitznamen verpasst. Er trägt ihn seitdem mit Stolz: Heute prangt der Frosch als Wandmalerei am Eingang des „Bierbunkers“. In der Hand hält er – natürlich – ein kühles Blondes.

Rund 5500 Euro kamen beim Hochwasser-Benefizkonzert 2017 zusammen. Quelle: Robert Roeske

Thomas Rilkes erstes Lokal war das Leegebrucher Volkshaus, das er ab 2000 ein Jahr lang leitete. „Aber die Miete war mir zu hoch, ich wollte mein eigener Herr sein“, sagt der gelernte Gummiwerker. Er stieß auf das Grundstück unweit des Eichenhofs. Darauf standen drei DDR-Bungalows, die verbunden waren. Rund 25 000 Euro investierte Thomas Rilke in den Umbau, den er zum großen Teil in Eigenregie durchzog. Die Bungalows blieben stehen, wurden von innen und außen komplett überbaut und gedämmt. Drinnen trug Rilke fast einen Meter Boden ab, damit die Gaststätte die vorgeschriebene Deckenhöhe von 2,64 Metern erreichte. Tresen und Möbel bekam er über einen Kumpel, sie stammten aus einem Imbiss im Veltener Krausemarkt, der seinerseits mittlerweile längst Geschichte ist.

Im Biergarten spielen regelmäßig Bands

Dazu kam vor dem Haus ein Biergarten samt Bühne, auf der sich bis heute regional bekannte Bands wie „Curtis Lowe“, „LeeRock“ oder „Stampede“ die Ehre geben. Vier bis fünf Konzerte organisiert Thomas Rilke jedes Jahr in seinem Biergarten, meistens ist der dann auch rappelvoll. So wie im Juli 2017, als das Benefizkonzert „Nachbarn helfen Nachbarn“ im „Bierbunker“ stattfand, Anlass waren die verheerenden Regenfälle und die Überschwemmungen in der Gemeinde. „5555 Euro sind damals auf das Spendenkonto der Gemeinde für die Hochwasseropfer gegangen“, sagt Thomas Rilke, der das Konzert mit der Band „LeeRock“ und dem Unternehmer Axel Wimmer auf die Beine gestellt hatte.

Nach dem Hochwasser musste alles rausgerissen werden

Dabei hatte das Hochwasser auch dem „Bierbunker“ heftig zugesetzt. So sehr, dass die Kneipe ein halbes Jahr geschlossen bleiben musste. Thomas Rilke war gerade im Urlaub, als das Wasser sich seinen Weg bahnte und rund zehn Zentimeter hoch im Haus stand. Rigips-Wände, Dämmung, Fußboden mussten raus. Auch der Tresen war schrottreif. Der Schaden ging in die Tausende. Doch Thomas Rilke war versichert. Angst, dass sein Bunker nochmal geflutet wird, hat er aber nicht. „Wir kriegen das als Gemeinde in den Griff, die Gräben haben jetzt oberste Priorität“, sagt Rilke. Er muss es wissen, schließlich sitzt der Wirt für den HGBV in der Gemeindevertreterversammlung. Und wenn es nach ihm geht, wird er noch bis zur Rente Bierchen über den Tresen schieben. „Ich kann mir nichts anderes mehr vorstellen.“

Ein Billardtisch gehört zur Kneipe. Quelle: Enrico Kugler

Von Marco Paetzel

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