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Leegebruch Sie gibt Rat auf dem letzten Weg
Lokales Oberhavel Leegebruch Sie gibt Rat auf dem letzten Weg
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17:25 27.11.2019
Christiane Patzelt fährt nur selten mit ihrem E-Auto zur Patientenberatung vor Ort. Meistens kommen die Menschen in die Apotheke. Quelle: ENRICO KUGLER
Leegebruch

Vor acht Jahren bekam ihr Vater Ronald die Diagnose: Der 62-Jährige hatte ein Karzinom in der Nebenniere. „Leider haben sie die Diagnose spät gestellt“, erinnert sich Christiane Patzelt. Sie versuchte, ihrem Vater so gut wie möglich beizustehen. Etwa vier Monate später starb der Vater zwar zuhause bei seiner Lebensgefährtin, allerdings sei es alles andere als ein würdiges Ende gewesen. „Es gab in dieser schweren Zeit keinen seelischen Beistand für ihn. So sollte niemand von dieser Erde gehen müssen“, sagt Christiane Patzelt.

Das hat sie aufgerüttelt. Die Inhaberin der Landapotheke Leegebruch machte vor fünf Jahren eine Fortbildung in Dresden, die von Palliativärzten geleitet wurde. Wenig später kam das erste Ehepaar in die Apotheke und bat um Hilfe. „Sie kamen mit der Diagnose. Und dann bot ich an, dass sie mich immer anrufen können“, sagt Christiane Patzelt. 24 Stunden lang ist die einzige Fachapothekerin für palliative Pharmazie Oberhavels erreichbar, sieben Tage die Woche. Die Krankheit, sagt die 50-Jährige, habe schließlich keine Öffnungszeiten. „Ich möchte, dass die Leute zuhause halbwegs friedlich von dieser Welt gehen können.“

Die meisten kämpfen mit dem Krebs

Rund 20 Menschen und ihre Angehörigen hat Christiane Patzelt begleitet, unterstützt wird sie von Nicole Genzow-Richter, die den Ambulanten und Intensivpflegedienst Eichenhof leitet. Die Menschen seien meist aus Leegebruch, Bärenklau oder Vehlefanz, viele jenseits der 50. Meist ist es der Krebs, der das Todesurteil bedeutet. Einmal traf es einen Teenager, der an Hodenkrebs erkrankt war. „Das ist besonders schwer“, sagt die Apothekerin, die neun Mitarbeiter hat. Menschen über 80 würden sich indes kaum für palliative Begleitung entscheiden. Das sei die Kriegsgeneration, die alles ertragen wolle, erklärt Christiane Patzelt, die die Begleitung ehrenamtlich macht.

Das Team der Landapotheke. Quelle: Enrico Kugler

Während ihre Partnerin Nicole Genzow-Richter die Menschen zuhause betreut, ist Christiane Patzelt eher als Beraterin da. „Ich sitze nicht von 4 Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags am Krankenbett, aber begleite die Angehörigen mit Vorschlägen zur Medikation.“ Es gebe Medikamente, die Angst lösen, Schmerz stillen, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit nehmen könnten. Leiden, die Menschen in ihrer letzten Zeit durchleben könnten. Genau wie Probleme mit den Schleimhäuten, die sich nach den Chemotherapien ergeben – dagegen könnten etwa Cannabisblüten helfen.

Auch auf die Angehörigen wirke sich die palliative Begleitung, die manchmal Jahre dauern könne, positiv aus. „Wenn sie wissen, was sie nachts um 3 Uhr geben können, wenn der Patient vor Schmerzen aufwacht, gehen sie entspannter in die Nacht.“ Es gebe auch Fragen der Angehörigen, die der Sterbende nicht mitbekommen sollte. „Manchmal wollen die Leute aber auch nur ihren seelischen Schmerz loswerden, denn sie sind ja die, die am Ende zurückbleiben.“ Viel könne man schon mit ätherischen Ölen wie Lavendel oder Bitterorange tun, die sich über einen Vernebler als Duft im Raum verbreiten. „Das schafft ein Raumklima, das für Entspannung sorgt. Denn wenn es aufs Lebensende zugeht, kann der Sterbende keine Hektik gebrauchen“, so Christiane Patzelt, deren Mitarbeiterinnen ebenfalls in der Aromatherapie ausgebildet sind.

Beerdigungen sind schwierig

Die Angehörigen müssten auch lernen, auf die Bedürfnisse der Sterbenden einzugehen. „Ich kann da kein XXL-Schnitzel mehr machen, und der Patient nimmt nur eine kleine Ecke. Das ist für beide Seiten frustrierend.“ Man müsse akzeptieren, wenn der Sterbende nicht mehr essen oder keine Tabletten mehr nehmen wolle – das sei in den letzten Tagen nur noch eine große Belastung für den Körper.

Die Zeit der palliativen Begleitung sei für Christiane Patzelt emotional gut auszuhalten. Schwieriger würden Beerdigungen sein, zu denen sie manchmal eingeladen werde. Nach dem Tod sehe sie viele Familien oft jahrelang nicht mehr. Das sei auch heikel, denn die Menschen verbinden die letzten Monate auch mit Christiane Patzelt. Doch die Apothekerin könne damit umgehen. „Ich kann gut loslassen.“

Von Marco Paetzel

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