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Liebenwalde Eine Kirche voller Kunst
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05:49 06.04.2019
Horst-Werner Schneider mit einem seiner Bilder in seiner Kirche in Kreuzbruch Quelle: Enrico Kugler
Kreuzbruch

Nicht oft besteht die Gelegenheit, einen Blick in das Innere der Kreuzbrucher Kirche zu werfen. Dazu muss man heiraten – die Kirche ist eine Außenstelle des Liebenwalder Standesamtes –, zu einer der Ausstellungen vorbeikommen oder den Besitzer des ehemaligen Gotteshauses kennen: Horst-Werner Schneider, der am Sonnabend, 6. April seinen 75. Geburtstag feiert, kaufte die Kirche 1998 der Gemeinde ab.

Horst-Werner Schneider ist der Eigentümer des ehemaligen Gotteshauses in Kreuzbruch. Und er ist Maler. Ostern öffnet er die Kirche für Besucher.

„Was ist ein Dorf ohne Kirche? Kein richtiges Dorf“, habe er sich jedes Mal gedacht, wenn er an dem seit den 70er-Jahren zunehmend verfallenden Bauwerk vorbeigefahren sei. Die Scheiben waren eingeschlagen, das Dach zerstört und Bäume wuchsen aus dem Bau. „ Es ist so ein schönes Bauwerk, das 1878 nach Plänen des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler errichtet wurde.“ 1995 war Schneider, der aus Elbingerode im Harz stammt, mit seiner Frau auf eine Domäne nach Kreuzbruch gezogen. Doch statt endlich Zeit für seine große Leidenschaft, die Malerei, zu haben, stand er fortan am Reißbrett und zeichnete Pläne für die Sanierung der Kirche. Zugute kam ihm dabei seine Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter und sein Studium als Ingenieur für Hoch- und Tiefbau, das er in Magdeburg absolviert hatte.

Im Innenraum sind nur wenige alte Wandmalereien erhalten geblieben. Quelle: Enrico Kugler

Dabei wollte er eigentlich Biathlet werden, gehörte schon zum Kader, als ein Unfall alle Ambitionen beendete. Doch Schneider blickt nicht bedauernd zurück, sondern sieht immer noch gern Wintersport im Fernsehen. „Es hatte alles seinen Sinn.“ Er hatte viele Berufe, arbeitete lange an der Bauakademie in Berlin, leitete große Bauprojekte, auch in Königs Wusterhausen, entwickelte eine Maschine für Bohrpfähle und arbeitete als Patentanwalt, nachdem er von 1986 bis 1990 noch einmal an der Humboldt-Universität studiert hatte. Jura. 1990 promovierte er. Fortan verband er die Berufe.

Ein Gemälde von Horst-Werner Schneider. Quelle: Enrico Kugler

Jetzt sei er aber nur noch Kunstmaler, erklärt der Jubilar, nachdem er sogar die Konstruktion des neuen Kirchendaches allein gestemmt hatte. In Absprache mit dem Denkmalschutz. Die Neukonstruktion schuf sogar Platz unter dem Dach für eine Zwischenetage. Dort gibt es jetzt eine komplette Wohnung und einen weiten Blick über die Landschaft rund um Kreuzbruch. „Es ist weitläufig und schön. Zuweilen heulen hier auch die Wölfe.“Die Weite hält Schneider gern auf seinen Bildern fest. Auch auf Spaziergängen lässt er sich inspirieren.„Ich laufe jeden zweiten Tag fünf Kilometer weit, zum Frischhalten. Den Skizzenblock habe ich immer dabei“, verrät der 75-Jährige, der seit der Jugend malt. Wolken hingegen fotografiere er, um sie später in seine Fantasielandschaften einfließen zu lassen.

Blick aus dem Dachgeschoss der Kirche Kreuzbruch Quelle: Enrico Kugler

Bis zu 200 Stunden Arbeit stecken in seinen Ölgemälden in Lasurtechnik. Jährlich entstehen so zehn Bilder. Mit Motiven von Reisen nach Italien, von der Ostsee oder auch Südafrika. Jede Furche, jeder Grashalm werde einzeln gemalt, sechs bis acht Schichten Farbe aufgetragen. So entsteht ein ästhetischer Eindruck von Feinheit, Kostbarkeit und Brillanz. Wie bei seinen Vorbildern, den Meistern der Romantik, von Caspar David Friedrich bis hin zu Johan Christian Dahl aus Norwegen. Mittlerweile stehen 210 Bilder im Werkeverzeichnis des Kreuzbruchers. Alle stilvoll gerahmt. „Ich habe ein Faible für antike Rahmen. Sie sind ein Kulturgut, das ich erhalten möchte. Ich mag schöne alte Dinge.“ Beim Trödler werde er fündig. Eine Restauratorin aus Liebenwalde arbeitet sie auf. „Ich habe erst die Rahmen und danach richtet sich die Bildgröße.“

Horst-Werner Schneider in seiner Kirche in Kreuzbruch Quelle: Enrico Kugler

Auf den ersten Blick wirken Schneiders Bilder wie fotorealistische Kompositionen, aber es lohnt sich ein zweiter Blick. Denn auf allen seinen Bilder sei etwas zu finden, was dort nicht hingehöre, erklärt er. Diese kleinen, modernen Alltagsgegenstände seien Kunstobjekte, die dem Bild die richtige Stimmung geben. Mit Augenzwinkern verraten sie, dass es sich nicht um „Alte Meister“, sondern um Werke von Horst-Werner Schneider handelt. Phantastischer Realismus.

Die Landschaft von Kreuzbruch Quelle: Enrico Kugler

Täglich steht der dreifache Vater und Großvater in seinem Atelier und malt. „Ich male gerne abends und nachts und schlafe dafür länger.“ Seine Frau teile seine Leidenschaft, so Schneider, der Mitglied im Pommerschen Künstlerbund ist. Regelmäßig hat er Ausstellungen in Stralsund, Greifswald oder Schwerin. Ostern sollen nun die Bürger in Oberhavel in den Genuss seiner Bilder kommen und können zugleich einen Blick in die Kirche von Kreuzbruch werfen. „Das lässt sich doch perfekt mit einem Osterspaziergang verbinden“, lädt der Hausherr ein. Am 21. und 22. April, jeweils von 11 bis 16 Uhr, sei die Kirche geheizt und es gibt Kaffee und Kuchen.

Weitere Informationen: www.horstwernerschneider-kreuzbruch.de

Von Ulrike Gawande

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