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Liebenwalde Herrentagsfeier 2018 endet blutig
Lokales Oberhavel Liebenwalde Herrentagsfeier 2018 endet blutig
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00:24 27.04.2019
Das Landgericht in Neuruppin.
Das Landgericht in Neuruppin. Quelle: Helge Treichel
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Neuruppin/Liebenwalde

Die Herrentagsfeier im vergangenen Jahr hat für Marcel K. aus Liebenwalde ein böses gerichtliches Nachspiel vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts Neuruppin. Dem 36-Jährigen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, am frühen Morgen des 11. Mai 2018 eine Bekannte vergewaltigt zu haben. Der Anklagevorwurf lautet zudem auf gefährliche Körperverletzung, weil er der 35-Jährigen mit seiner Faust im Intimbereich schwere Verletzungen zugefügt haben soll.

Das alles soll sich nach einem Umtrunk unweit des Gartengrundstücks von Frau B. und ihrem Lebensgefährten Herrn A. abgespielt haben – auf einem schmalen Weg. Am ersten von drei angesetzten Verhandlungstagen am Mittwoch (24. April) bekam der Beschuldigte zunächst selbst Gelegenheit, sich zu äußern. Nach seinen Worten habe ihn die Bekannte bereits während der Feier bedrängt. Er habe sich gewehrt, da er schließlich verheiratet sei und seine Frau ihm eine Tochter geschenkt habe. Sie sei es auch gewesen, die ihn nach seinen Jugendsünden vor einer Alkohol- und Drogenkarriere bewahrt habe.

Nachdem beide fast zeitgleich das Grundstück in verschiedene Richtungen verlassen hatten, habe sie ihn mit dem Fahrrad verfolgt und nach Zigaretten gefragt. Er habe das verneint. Dann jedoch sei ihre Tasche aus dem Fahrradkorb gefallen und er habe beim Aufheben geholfen. In jenem Moment habe sie sich erneut an ihn geschmiegt und später ihre Brüste entblößt. Nicht zuletzt auch wegen des Alkoholpegels sei er dann darauf eingegangen. Gemeinsam hätten sie ihre Hose bis zu den Knien heruntergezogen und er habe sie mit zwei, drei Fingern befriedigt. Dabei habe er nicht erkennen können, dass ihr das nicht gefällt. Er könne aber auch nicht vollkommen ausschließen, dass er seine ganze Faust für die Penetration benutzt hat.

Dass es schon sehr grob zuging, dafür gibt es ein Indiz. Der Angeklagte gab zu, dass er seinen Pullover entsorgt habe, weil er in Höhe der rechten Armbeuge einen Blutfleck bemerkte. Er habe jedoch angenommen, dass die Flüssigkeit von seiner Hündin stammt, die er die ganze Zeit über mit der linken Hand an der Leine hielt, die er aber während der Feier auch auf dem Schoß und auf dem Arm getragen habe. Am Ende habe er die Frau von sich gestoßen, weil ihm die Situation bewusst geworden sei.

Die Gastgeberin der Herrentagsrunde habe irgendwann einen Schrei gehört. Sie habe nicht gleich reagiert, da die Geschädigte für eine gewisse Theatralik bekannt sei. Als sie dann doch nachschaute, habe sie die Frau in etwa 150 Metern in einer Blutlache liegend gefunden und sofort den Rettungsdienst alarmiert. Das sagte die Polizistin vor Gericht aus, die gemeinsam mit einem Streifenwagen-Kollegen von den Sanitätern herbeigerufen worden war. Nachdem sie zunächst nichts sagen wollte, habe Frau E. dann den Angeklagten als Täter benannt. Laut Akten hatte er nicht nur eine erhebliche Alkoholmenge, sondern auch Kokain im Blut. Noch gegen 8 Uhr, also vier Stunden nach der Tat, war es ein Promille Alkohol. Kokain: 3,9 Nanogramm pro Milliliter.

Dass es blutig zuging, dafür spricht das gerichtsmedizinische Gutachten der Ärztin. Sie listete die Verletzungen auf: zwei schwere Einrisse in der Scheidenwand, eine weitere innere Verletzung, ein großer blauer Fleck im Unterbauchbereich, Abschürfungen am Rücken. Der Blutverlust muss so groß gewesen sein, dass mehrere Transfusionen erforderlich waren. Die Ärztin geht von mindestens einem Liter Blutverlust aus. Eine Selbstverletzung durch die eigene Faust schloss sie aus, ebenso eine im Laufe der Ermittlungen ins Spiel gebrachte Penetration durch den Erdspieß einer Solarlampe. Die erlittenen Schmerzen habe die Geschädigte als maximal beschrieben. Die Verletzungen schätzte die Gutachterin als lebensbedrohlich ein, insbesondere wegen des Blutverlustes.

Das Opfer selbst wurde auf eigene Bitte unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Tathergang befragt. Sie wirkte vor und nach der Vernehmung hochgradig aufgewühlt. Die Verhandlung soll am Freitag, 26. April, fortgesetzt werden. Für die weitere Verhandlung sollen noch zusätzliche Zeugen geladen werden.

Von Helge Treichel