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Liebenwalde Nach Sturz aus dem Nest wird Nebelkrähe aufgepäppelt
Lokales Oberhavel Liebenwalde Nach Sturz aus dem Nest wird Nebelkrähe aufgepäppelt
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12:18 29.05.2019
Purzelchen nimmt auch auf dem Rasen Platz, aber der Bewegungsradius ist fast null.
Neuholland

Es war ein eigenartiges Geräusch. „Ein Geschrei, anders als sonst und anders als die Töne, die Vögel sonst von sich geben“, sagt Gerhard Steger über den vergangenen Freitag. Der ornithologisch bewanderte Neuholländer schaute nach. Ein paar Meter hinter dem Garten der Familie in der Dimitroffstraße, direkt unter einem Baum, fand er eine kleine Nebelkrähe. „Sie muss aus dem Nest gefallen sein“, sagt Brigitte Steger. Sie nahm sich des Kükens – von der Figur aber schon recht stattlich – an. „Ich hätte es doch nicht da liegen und verhungern lassen können.“ Die kleine Krähe war hilflos. Fliegen kann sie noch nicht. Laufen, geschweige denn weglaufen, auch nicht.

Gerhard Steger fand den jungen Vogel, Brigitte Steger versorgt ihn. Quelle: ENRICO KUGLER

Nachbarn halfen mit

Also fassten die Stegers einen schnellen Entschluss: Sie versuchen, das Tier aufzupäppeln. Gemeindearbeiter René Kessel – ein Nachbar – stellte einen kleinen Käfig aus Draht auf das Grundstück. Seine Jungs halfen mit und kümmerten sich rührig um das neue Zuhause der Nebelkrähe. Damit keine Katze durch das Gitter schlüpft und der Krähe womöglich an den Kragen will, wurde ein Netz gespannt. Dort verbringt die Kleine jetzt die Zeiten zwischen den regelmäßigen Mahlzeiten.

Füttern mit der Pinzette

Um die Fütterung kümmert sich Brigitte Steger mit einer Engelsgeduld. „Ich musste mich erstmal erkundigen, was sie überhaupt frisst“, sagt die Neuholländerin. Gehacktes, Ei, Regenwürmer, Haferflocken, dazu Wasser – ein reichhaltiges Büfett. „Das heißt aber nicht, dass das Fressen so leicht geht. Die Kleine hat am Anfang den Schnabel gar nicht aufgemacht. Da mussten wir ihn aufhalten und das Fressen reinstopfen, damit er etwas schluckt“, so Brigitte Steger, die mit der Pinzette versucht, etwas von dem Futter in den Schlund des jungen Vogel zu bekommen. „Wenn man es nicht weit genug hineinsteckt, spuckt er es wieder aus.“ Wasser bekommt das Junge aus einem kleinen Fläschchen, mit dem sonst Ohrentropfen verabreicht werden.

In diesem Käfig ist die Nebelkrähe geschützt. Quelle: ENRICO KUGLER

Mahlzeiten gibt es aller drei Stunden

Jetzt, nach ein paar Tagen, widmet sich Brigitte Steger der Fütterung allein. Sie zieht sich dafür extra alte Sachen an, denn der Corvus corone corvix – wie er auf Lateinisch heißt – macht schon mal sein Geschäft, wann er will und wo er will. „Aller drei Stunden bekommt sie etwas zu fressen. Und das kann eine Weile dauern – je nachdem, wie gut sie frisst.“ Morgens gegen 8.30 Uhr erhält sie sozusagen ihr erstes Frühstück. Abends gegen 21 Uhr wird die letzte Mahlzeit gereicht. Dann ist Nachtruhe.

„Sie lässt sich gern am Kopf streicheln“

Die ersten Tage sind bereits gut überstanden. Ein Zeichen, dass die Mission durchaus zum Erfolg führen könnte. Brigitte Steger und „Purzelchen“ haben sich in dieser Zeit sehr gut aneinander gewöhnt. „Den Namen hat sie deshalb, weil sie aus ihrem Nest gepurzelt ist“, klärt die Freizeit-Tierpflegerin auf. Die Nebelkrähe hat die Neuholländerin als Bezugsperson ausgemacht. „Sie lässt sich sehr gern am Kopf streicheln, sie sucht Kontakt und sie spricht mit mir.“ Wenn Brigitte Steger die Nebelkrähe auf dem Arm hat, kuschelt die sich gern zwischen Schulter und Hals an. Auch wenn der Körper von beiden Händen umschlossen ist, fühlt sich die Krähe sehr wohl. „Ich schaffe kaum noch etwas anderes“, sagt Brigitte Steger über den zeitlichen Aufwand, den sie derzeit betreibt. „Die Betreuung ist fast so wie bei einem Kleinkind.“ Ein Nachbar, Erhard Rose, zog vor längerer Zeit auch mal eine Nebelkrähe hoch. Er kann sich noch gut daran erinnern, dass sie ihm damals ständig hinterherlief. Irgendwann flog sie allerdings weg.

Kontaktaufnahme zum eigenen Jungen

Die Eltern der kleinen Nebelkrähe haben ihr Junges noch keineswegs vergessen. Täglich sitzen sie im Baum hinterm Garten und rufen. Auch einige „Verwandte“ kommen zur Unterstützung mit. Bis zu acht ausgewachsene Nebelkrähen sind mitunter zu hören und zu sehen. Aber alles umsonst – „Purzelchen“ ist noch nicht in der Lage, sich so fortzubewegen, dass er zurück zu seinen Eltern käme. „Ich würde mich freuen, wenn er bald fliegen kann und dann tatsächlich wegfliegt“, so die Zieh-Mama.

Von Stefan Blumberg

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