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Liebenwalde „Was nützt mir Erfolg und Geld, wenn ich keine Freunde hab“
Lokales Oberhavel Liebenwalde „Was nützt mir Erfolg und Geld, wenn ich keine Freunde hab“
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09:01 24.09.2018
Lucas Schewe (l.) spielte vier Jahre lang in der Jugendabteilung des FC Energie Cottbus.
Lucas Schewe (l.) spielte vier Jahre lang in der Jugendabteilung des FC Energie Cottbus. Quelle: Privat
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Liebenwalde

Mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen, das wünschen sich viele, die das heimatliche Elternhaus früh verlassen und sich hinaus in die vermeintlich große Welt bewegen.

Einer, der diesen Worten auch Taten folgen lässt, ist der seit einigen Tagen 18-jährige Lucas Schewe aus Liebenwalde, der in der Fußball-Nachwuchsabteilung des FC Hansa Rostock spielt und auf dem Sprung in den Profibereich ist.

Familie und Freunde stehen ganz oben

„Familie und Freundschaften stehen an oberster Stelle. Klar ist Erfolg auch schön, aber was nützt mir mit 80 eine vielleicht erfolgreiche Laufbahn und Geld, wenn ich keinen Freund habe?“ Beeindruckend klare Worte eines jungen Mannes, der an der Ostseeküste sein Glück gefunden hat und dort auch gerne bleiben möchte. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen, hier länger zu bleiben.Ich fühle mich sehr wohl bei Hansa und in Rostock. Aber eine endgültige Entscheidung steht noch aus.“

Im kommenden Sommer verlässt Schewe dann den Juniorenbereich und wechselt in den Erwachsenenbereich, im Fußball ein entscheidender Schritt. Auch für Schewe, der aber auch andere ganz klare Prioritäten setzt. „Natürlich würde ich gerne Profifußball spielen, aber ich will auch nächstes Jahr mein Abitur abschließen und mir ein zweites Standbein aufbauen. Gerade im Fußball kann es von heute auf morgen vorbei sein.“

Lucas besuchte Sportschule in Cottbus

Worte, die Papa Jens glücklich machen dürften, wie reif und geerdet der Sohnemann daher kommt. „Für seine persönliche Entwicklung war der Gang nach Cottbus mit 12 Jahren zur Sportschule ideal. Er hat dort extrem viel mitgenommen und sehr früh, sehr schnell gelernt, selbstständig zu handeln.“

Auch für Lucas selbst war die Zeit in Cottbus einschneidend. „Ich fühle mich gewappnet fürs Leben, das ist, denke ich, entscheidend.“ Bereits im Alter von vier Jahren begann der kleine Lucas mit dem Fußballspielen, da noch bei seinem Heimatverein FV Liebenwalde.

Gute Ansätze in jungen Jahren

„Man hat schon früh gesehen, dass er gute Ansätze hat und er hat einfach von Beginn an den Fußball geliebt. Na klar wollte er schon da Profi, Nationalspieler und Weltmeister werden, aber welcher kleine Junge will das nicht“, erinnert sich Papa Jens an die Anfangszeiten. Mit zwölf veränderte sich dann das Leben der Familie Schewe, Sohn Lucas wechselte an die Sportschule nach Cottbus, wobei auch ein Wechsel zu Hertha BSC Berlin im Raum stand.

„Sportlich hätte man ihn dort gerne genommen, aber gerade der logistische Aufwand war einfach zu groß. Da ist Sportschule mit Internat natürlich besser“, so Jens Schewe. Kontakt hält Lucas seit dieser Zeit aber weiterhin mit dem damaligen Nachwuchstrainer und heutigen Bundesliga-Cheftrainer der Blau-Weißen - Pal Dardai. „Ab und an sprechen wir mal miteinander, das ist schon cool.“

2017 zu Hansa Rostock

Mit 16 Jahren verließ Schewe Junior dann die Lausitz. „Wir waren eigentlich, um ehrlich zu sein, recht froh als Eltern, dass es nicht weiterging, denn wir waren mit seiner Entwicklung dort nicht zufrieden. Wir hatten immer das Gefühl, er wird ein stückweit ausgebremst“, so Schewe Senior. Vor einem mentalen Loch beim Filius hatte Jens Schewe keine Angst. „Wir freuten uns, dass er nach Hause kommt, doch das wollte er partout nicht. Er wollte weiter seinen Weg gehen.“ Nach erfolglosen Probetrainingseinheiten beim FSV Zwickau und beim Halleschen FC, ging Schewe dann 2017 zum FC Hansa Rostock.

„Im Nachhinein war der Weg, den ich gegangen bin, absolut richtig, ob in Cottbus oder jetzt Rostock“, so der 18-Jährige. Bodenständigkeit ist sehr wichtig für Schewe, so wie einst ein gewisser Marc-Andre Kruska bei Energie Cottbus. „Das war noch zu Zweitligazeiten von Cottbus, er war bei einem Fototermin unserer U14 und war total locker drauf, hat allen die Hand geschüttelt und sich mit uns unterhalten. Das war sehr beeindruckend“. Einen ähnlichen Weg traut man Lucas Schewe absolut zu.

Von Knut Hagedorn