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Liebenwalde Wenn der Schwarzstorch aus dem Nichts heraus auftaucht
Lokales Oberhavel Liebenwalde Wenn der Schwarzstorch aus dem Nichts heraus auftaucht
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19:43 24.09.2018
Schwarzstörche in Neuholland
Schwarzstörche in Neuholland Quelle: Dana Jacobs
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Neuholland

„Wer weiß, ob ich die noch einmal vor die Linse bekomme“, fragt sich Dana Jacobs aus Neuholland und freut sich über ihren fotografischen Fang. Die Hobbyfotografin erwischte in den vergangenen Tagen – quasi vor ihrer Nase – Schwarzstörche. „Als ich vom Einkaufen kam, habe ich wie so oft die Silberreiher auf einem Feld stehen sehen. Aber da waren schwarze Vögel dazwischen“, sagt die Neuholländerin, wunderte sich darüber und forschte nach. Sie ließ ihren Einkauf Einkauf sein, schnappte sich ihre Kamera mit dem großen Objektiv (150 bis 600 Millimeter), nahm die Schwarzstörche ins Visier und bannte sie auf ihre Chipkarte.

Es waren fünf Jungvögel und ein Altvogel. Aufgrund des Ringes an einem Bein eines Jungstorches – die Kennzeichnung war gut sichtbar – war nachvollziehbar, dass sie aus Polen kamen und ganz augenscheinlich weiter Richtung Süden zogen. „Das ist ganz normal“, sagt Roland Heigel, Vogel-Experte aus Wensickendorf. „In Oberhavel – eher im Süden – gibt es sogar Brutreviere“, weiß er. Verraten werden die nicht. In Deutschland leben die Schwarzstörche im Sommer, in Polen befinden sind die meisten Brutpaare Europas.

Dana Jacobs machte ihren Fund am 7. September. Sie vermutet, dass vier der Jungstörche zusammengehörten und die beiden anderen irgendwann auf ihrem Weg in den Süden dazukamen. Gemeinsam rasteten sie bis zum 16. September auf den Feldern Neuhollands, taten sich dort mit den Reihern zusammen. „Ich bin jeden Tag an die Stelle gefahren, um zu sehen, ob sie noch da sind und um sie zu fotografieren“, sagt die Neuholländerin. Die Langbeiner seien beim Sonnenaufgang – gemeinsam auf Futtersuche gegangen, aber am Tag zogen sie getrennt in unterschiedliche Richtungen davon. Sie wurden allein oder zu zweit an ganz anderen Standorten gesichtet. Abends fanden sie sich wieder alle am alten Treffpunkt zusammen. Für Roland Heigel ist dieses Verhalten nicht neu. Die Vögel seien nachts bewusst in einer größeren Gruppe. So schützen sie sich gegenseitig vor Feinden. Die Aufmerksamkeit sei so höher.

Die Schwarzstörche sind auch in Deutschland zu Hause. Sie gelten aber im Gegensatz zu den Weißstörchen als sehr scheu. Sie leben in der Regel zurückgezogen in Wäldern. Die Störche, die in Neuholland gesichtet wurden, befinden sich auf dem Flug ins warme Gefilde. Den Winter über verbringen sie in Mittel- und Südafrika. Das sind etwa 10 000 Kilometer Wegstrecke, die sie zurückzulegen haben. Sie wählen dafür die sogenannte Ost- oder Westroute. Die Westroute führt über Sizilien, Gibraltar und Tunesien, die Ostroute über den Bosporus.

Dana Jacobs beobachtete das Naturschauspiel an fast jedem Morgen und war angetan von den Motiven, die sich ihr boten. „Ich bin vor Sonnenaufgang los, habe mich herangepirscht, mich hinter einem Busch versteckt und gewartet. Die Vögel sind irgendwann aus ihrem Graben gekommen. Da habe ich fotografiert.“ Bis auf etwa 30 Meter konnte sie sich den Schwarzstörchen und Reihern unbemerkt nähern. Wo sie sie genau aufgespürt hat, wird sie nicht in die Welt hinausposaunen. „Ich weiß, dass es Menschen gibt, die nicht nur beobachten, sondern so dicht wie möglich an die Vögel heran wollen und sie verschrecken können“, so die Naturfreundin. Für sie rutschten die Fotos – einige von ihnen sind auf dieser Seite oben abgedruckt – in die persönliche Foto-Hitliste. Und wo genau stehen die Bilder in dieser Liste? „Na ganz oben!“, sagt sie.

Von Stefan Blumberg